Compliance zwischen Regeln und Werten

Wer Rechtsverstöße im Unternehmen vermeiden möchte, braucht mehr als nur Regelwerk und Richtlinie. Über die entscheidende Zutat guter Compliance.

compliance zwischen regeln und werten

Compliance. So manche Geschäftsführung mag das Wort nicht mehr hören. Doch Rechtsverstöße sind relevant für den Unternehmensgewinn, daran erinnern uns regelmäßig die Schlagzeilen, zuletzt die zum Dieselskandal und Wirecard-Fall. Leider bringt uns diese Erkenntnis nicht näher ans Ziel. Welche Maßnahmen verhindern Schadensersatzklagen, Insolvenzen und Besuche vom Staatsanwalt?

Regeln sind wichtig

Klar ist, dass es pragmatische Regeln braucht: Was ist erlaubt und was nicht? Die Regeln müssen nicht nur verständlich erklärt, sondern überwacht werden. Wer sich nicht an die Regeln hält, darf sich davon keine Vorteile erhoffen. Welche Regeln es im Einzelnen braucht, hängt allerdings stark vom jeweiligen Unternehmen ab, von der Branche, in der es tätig ist, und von den Gesetzen, an die es sich halten muss. Wer aber dann weiter ins Detail geht, kann seine Regeln sicherlich verbessern und sie insbesondere noch treffender machen. Ob das allein zu guter Compliance und weniger Rechtsverstößen führt, ist jedoch nicht gesagt. Hängt denn alles von den richtigen Regeln ab und wie man mit ihnen umgeht? Oder gibt es Voraussetzungen guter Compliance außerhalb von Regelwerk und Richtlinie?

Werte sind unverzichtbar

Ja, die gibt es, und zwar in den Werten, die Unternehmensangehörige miteinander teilen. Denn Werte sind handlungsleitend, wie Regeln auch. Sie sind weniger konkret als Regeln, aber das ist ihr Vorteil, denn so sind sie konsensfähiger. Es geht also weniger um die Frage der „richtigen“ Werte, sondern eher darum, dass man sie im Unternehmen überhaupt zur Geltung bringt. Transparenz, Kundenfokus und Gemeinsinn – solche und viele andere Werte sind mit Rechtsverstößen nur schwer vereinbar. Wer solche Werte mit anderen teilt, ist eher motiviert, sich an die Regeln zu halten. Das Gute ist: Werte sind bereits in jedem Unternehmen vorhanden. Man muss also nichts hinzufügen, sondern nur das, was bereits da ist, kultivieren und kommunizieren. So bildet sich ein Nährboden, auf dem rechtmäßiges Verhalten gedeiht.

Eine vornehme Aufgabe

Hier ist die Unternehmensleitung gefordert, die Initiative zu ergreifen und mit gutem Beispiel voranzuschreiten. Im Austausch mit allen Unternehmensangehörigen muss herausgearbeitet werden, welche Compliancewerte im Unternehmen besonders stark verankert sind. Diese Werte gilt es zu identifizieren, in den Kontext des Unternehmensgeschäfts zu stellen und durch das eigene Verhalten authentisch vorzuleben. Werte zu Unternehmenswerten zu machen, ist vielleicht die vornehmste Aufgabe und sicherlich die entscheidende Zutat guter Compliance.

 

Dr. Reto Batzel
MARCK Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB
BVMW-Mitglied
www.marck.eu

Gut zu wissen

■ Regeln sind gut, Werte sind besser

■ Vorhandene Unternehmenswerte müssen kultiviert und kommuniziert werden

■ Compliance wird von der Führungsebene vorgelebt