Vorsprung durch Corporate Digital Responsibility

Die Chancen der Digitalisierung nutzen – und dabei ihre Risiken und negativen Effekte auf die Gesellschaft minimieren: Dies ist der Zweck von Corporate Digital Responsibility (CDR), also unternehmerischer Digitalverantwortung.

Doch sie bietet auch unmittelbare Vorteile für kleine und mittlere Unternehmen.

Unternehmerisches Handeln, das sich an CDR orientiert, geht ganz klar über gesetzliche Vorgaben hinaus – es geht hier mehr um eine freiwillige Selbstverpflichtung, die ethische Überlegungen mit einschließt und „die digitale Welt aktiv zum Vorteil der Gesellschaft“ mitgestaltet, wie es das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz formuliert.

Soziale und ökologische Schwerpunkte

An der Schnittstelle von Nachhaltigkeit und Digitalisierung umfasst CDR sowohl soziale als auch ökologische Aspekte. Das Spektrum der sozial relevanten Faktoren reicht von der Sicherheit personenbezogener Daten über die Frage, inwiefern der Zugang zu digitalen Anwendungen für alle sichergestellt ist, bis hin zur diskriminierungsfreien Entscheidungsfindung durch Algorithmen. Und mit dem Blick in die Zukunft vergrößert sich die Bandbreite möglicher Probleme zunehmend, beispielsweise in Bezug auf selbstfahrende Autos oder Deep Fake-Videos in sozialen Netzwerken. Die ökologischen Gesichtspunkte hingegen betreffen etwa Fragen des CO2-Fußabdrucks eines Unternehmens, des Energieverbrauchs einzelner Anwendungen oder der Reduzierung von Abfall in Produktzyklen („Zero Waste“). Ziel ist es somit letztlich auch, dass verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln und die Nutzung digitaler Geschäftschancen nicht ein Wirtschaften auf Kosten zukünftiger Generationen bedeuten, sondern auf die Erreichung der nachhaltigen UN-Entwicklungsziele hinwirken.

Positiver Nutzen

Richtig umgesetzt, schafft ein solches Vorgehen nach Prinzipien der CDR nicht nur echten Mehrwert für die Gesellschaft und die Umwelt, sondern auch für das Unternehmen selbst: Es stellt sicher, die Erwartungen der Kundschaft zu erfüllen, es verschafft sich eine bessere Reputation und – vor allem – es gewinnt Vertrauen. Denn laut einer Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung im Jahr 2018 sprachen sich 88 Prozent der Bevölkerung dafür aus, dass Unternehmen digitale Verantwortung übernehmen sollen – ein nicht zu unterschätzender Anspruch der potenziellen Kundschaft. Kurz gesagt: Wer digital verantwortungsvoll handelt, schafft eine Vertrauensbasis und bindet Zielgruppen damit langfristig.

Erster Schritt: eine Strategie

Unternehmerische Digitalverantwortung ist kein Projekt, das mal eben nebenbei umgesetzt werden kann, sondern eine langfristige Querschnittsaufgabe. Die Geschäftsführung selbst muss hier engagiert für die unternehmensweite Akzeptanz dieses Veränderungsprozesses sorgen. Doch wie können erste Schritte konkret aussehen, wenn ein Unternehmen beim Thema CDR noch am Anfang steht? Wichtig ist zunächst, eine Strategie zu etablieren: Machen Sie eine individuelle Bestandsanalyse und setzen Sie sich messbare Ziele. Hierbei kann Sie zum Beispiel der Deutsche Nachhaltigkeitskodex kostenlos unterstützen. Durch das kompakte Reporting anhand von 20 Kriterien können Sie Fortschritte sichtbar machen. Danach können die folgenden Maßnahmen ein Startpunkt sein:

Prüfen Sie Ihr Datenmanagement kritisch. Wie werden Daten in Ihrem Unternehmen erhoben, gespeichert und verarbeitet? Schaffen Sie Transparenz in Ihren Prozessen und etablieren Sie Respekt vor den Daten der Kundschaft. Schulen Sie alle Mitarbeitenden im Umgang mit sensiblen Informationen und erwarten Sie auch von Geschäftskontakten ein ähnlich hohes Maß an Verantwortung.

Nehmen Sie alle Angestellten mit. Vermutlich gibt es Unterschiede in der Digitalkompetenz Ihrer Belegschaft. Etablieren Sie daher eine Kultur des lebenslangen Lernens, denn auch jüngere Generationen werden sich noch mehrfach an technologische Neuerungen anpassen müssen. Entwerfen Sie eine Strategie für Weiterbildungsangebote und besprechen Sie diese im Team.

Schaffen Sie ein internes Bewusstsein für Ihren ökologischen Fußabdruck. Wie viel CO2 produziert mein Unternehmen eigentlich? Wie viel Wasser und andere Ressourcen beansprucht die Produktion? Welche Umwelteinflüsse entstehen entlang meiner Lieferkette? Machen Sie sich diesen Einfluss bewusst, optimieren Sie ihn und kommunizieren Sie Ihr Engagement aktiv an die Kundschaft. Diese interessiert sich zunehmend für nachhaltige Produkte.

Setzen Sie Digitalisierungsmaßnahmen nachhaltig um. Den digitalen Wandel können Sie nachhaltig gestalten: Greifen Sie bei Anschaffungen auf wiederaufbereitete IT-Geräte zurück und führen Sie darin verbaute Rohstoffe nach der Nutzung wieder dem Kreislauf zu. Nutzen Sie zudem die Vorteile verteilten Arbeitens durch die Reduktion von Dienstreisen und pendelnden Angestellten. Achten Sie auch auf die Nachhaltigkeit Ihrer Webseite – mit komprimierten Bildern und Videos lässt sich der Energiebedarf senken.

Diese Maßnahmen sind nur einige Beispiele für die Umsetzung von Corporate Digital Responsibility im Mittelstand. Damit kleine und mittlere Unternehmen die weitreichenden Chancen der Digitalisierung vollends ausschöpfen können, gilt es, Nachhaltigkeit in der digitalen Strategie des Unternehmens konsequent mitzudenken und so ökonomische, ökologische und soziale Mehrwerte zu schaffen.

 

Marc Dönges
BVMW Stellvertretender Leiter Förderprojekte
marc.doenges@bvmw.de

Gut zu wissen

Bei der Online-Veranstaltung „Next Move – Digitale Strategie für den Mittelstand“ von _Gemeinsam digital erfahren Sie am 17. August 2021 mehr über das Thema: Corporate Digital Responsibility und wie Sie Ihr Unternehmen nachhaltig und wohlüberlegt fit für die Zukunft machen. Anmeldung unter gemeinsam-digital.de/veranstaltungen/next-move/