Was Ehrbare Kaufleute ausmacht

Sie wirtschaften ehrlich und fair, achten Gesetze und halten Wort: Seit mehr als 500 Jahren gibt es die hanseatische Tradition des Ehrbaren Kaufmanns.

was ehrbare kaufleute ausmacht

Auf diese Tradition beruft sich die BVMW Hanse, eine Gruppe von norddeutschen BVMW-Mitgliedern, die vorbildlichen Unternehmerpersönlichkeiten ein „Siegel der Ehre“ verleiht.

Weil sich der Berliner Sicherheitsunternehmer Marco Griesche zu den ethischen Grundsätzen des Ehrbaren Kaufmanns bekennt, wurde er vor neun Jahren vom BVMW Hanse mit dem „Siegel der Ehre“ ausgezeichnet. „Ich war damals unternehmerisch in Wismar tätig und von BVMW-Mitgliedern dafür empfohlen worden“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Head Security GmbH. Auf die Verleihung des Siegels in feierlichem Rahmen musste Griesche allerdings verzichten: „Ich bin als Sicherheitsexperte, Personenschützer und zertifizierter Berater für mittelständische Unternehmen ständig unterwegs, weshalb es in meinem Fall umständehalber nur zur Übergabe der Urkunde gekommen ist.“ Seit er das Siegel hat und auch mit ihm wirbt, werde er oft von anderen Unternehmern darauf angesprochen: „Und dann erkläre ich, was es mit dem Ehrbaren Kaufmann auf sich hat, und wie wichtig mir diese Unternehmenswerte sind.“

Verträge auch per Handschlag

Der BVMW Hanse, der das „Siegel der Ehre“ an norddeutsche Unternehmer verleiht, ist keine eigenständige Verbandsgliederung, sondern eine Gruppe von BVMW-Mitgliedern aus den Landesverbänden Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg. „Wir setzen eine hanseatische Kaufmannstradition fort, die bis ins Mittelalter reicht“, sagt BVMW-Hanse-Sprecher Hans Kemeny, Leiter der Wirtschafts- und Metropolregion
Hamburg und Schleswig-Holstein des BVMW. Erstmals schriftlich erwähnt wird der „wahre und ehrliche Kaufmann“ um das Jahr 1340 in italienischen Kaufmannshandbüchern; den eigentlichen Begriff des „Ehrbaren Kaufmanns“ prägte aber der Lübecker Kaufmann und Bürgermeister Hinrich Castorp (1420 – 1488). Unter Ehrbaren Kaufleuten, die weitsichtig und gerecht handelten, konnten Verträge auch per Handschlag geschlossen werden, ihr Wort hatte jederzeit Gültigkeit. Wer täuschte oder betrog, verlor nicht nur seinen guten Ruf, sondern auch das Vertrauen seiner Kundschaft.

Siegel und Urkunde gegen schriftliche Verpflichtung

Wer heute mit dem Siegel von der fünfköpfigen Jury ausgezeichnet wird, verpflichtet sich schriftlich, die zehn ethischen Grundsätze des Ehrbaren Kaufmanns einzuhalten. Der hört auf sein Gewissen und seine Mitarbeiter, ist kritisch dem Zeitgeist gegenüber und orientiert sich an den bleibenden Werten. Er beachtet die Menschenwürde und ist respektvoll im Umgang mit seinen Mitarbeitern. Setzt sich für den nachhaltigen Aufbau und Erhalt von Arbeitsplätzen ein. Handelt wahrheitsgemäß und lehnt unfairen Wettbewerb ab. Er unterstützt das Engagement des BVMW in Bezug auf Leistung, Forschung, Aus- und Weiterbildung. Setzt sich für die soziale Marktwirtschaft ein und trägt dadurch zu einem positiven Unternehmerbild in der Öffentlichkeit bei. Er fühlt sich an das gesprochene Wort gebunden – sein Wort zählt. Er handelt lösungsorientiert in Konfliktfällen, sein Ziel ist, eine Einigung zu erzielen. Er achtet das geistige und materielle Eigentum Anderer. Und er pflegt einen konstruktiven Dialog mit anderen Unternehmen.

„Botschafter dieser hanseatischen Leitsätze“

Träger des Siegels kann werden, wer sich zu diesen Grundwerten bekennt, BVMW-Mitglied ist, dafür einsteht, sich als Vorbild zu engagieren und von mindestens zwei BVMW-Mitgliedern empfohlen wird. „Das Siegel geht dem ausgezeichneten Unternehmer zur Verwendung auf Briefbögen und in sozialen Medien gemeinsam mit dem Erhalt der Urkunde zu“, so BVMW-Hanse-Sprecher Kemeny, „und zusätzlich wird die Beurkundung per Handschlag und Foto bestätigt.“ Die Nutzung des Siegels sei personengebunden und erlösche, sobald die Mitgliedschaft im BVMW ende oder der Träger erwiesenermaßen gegen die Grundwerte des Ehrbaren Kaufmanns verstoße. „Die von uns ausgezeichneten Kaufleute fungieren als Botschafter dieser hanseatischen Leitsätze, damit Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Qualität in der immer komplexer werdenden Wirtschaft nicht auf der Strecke bleiben.“ Auch wenn sich alle BVMW-Mitglieder an die Leitsätze zu halten haben, sei es für immer mehr Unternehmerpersönlichkeiten wichtig, ihr besonderes Engagement in dieser Wertegemeinschaft noch mit dem „Siegel der Ehre“ zu betonen. Wie Andreas Pörsch, Geschäftsführer der HAB Hallen- und Anlagenbau GmbH im mecklenburg-vorpommerschen Wusterhusen. Er durfte sich schon Ende 2010 über die Verleihung des Siegels freuen. Über die Gründe dafür sagt er: „Als visionsgeführter Unternehmer schaffe ich in unserem Unternehmen die Voraussetzungen für ehrbares Handeln, lege viel Wert auf langfristiges und nachhaltiges Wirtschaften, wobei echte Partnerschaft und Wertschätzung eine maßgebende Rolle spielen.“ Und: „Als weltoffener und neugieriger Mensch, der die Freiheit liebt und für Harmonie in der Abwicklung von Geschäften steht, gilt für mich das gesprochene Wort mit Handschlag.“ Anders als beim Berliner Sicherheitsexperten und Ehrbaren Kaufmann Marco Griesche wurde Andreas Pörsch die Urkunde feierlich übergeben – im Rahmen einer Unternehmensveranstaltung mit sämtlichen Mitarbeitern der HAB.

 

Almut Friederike Kaspar
Journalistin
mittelstand@bvmw.de

Gut zu wissen

■ Der BVMW und seine angeschlossenen Mitgliedsunternehmen stehen zu den zehn ethischen Grundsätzen der Ehrbaren Kaufleute:

http://bvmw.info/10_grundsätze_ehrbarer_kaufmann

■ Mit dem „Siegel der Ehre“ zeichnet der BVMW Hanse norddeutsche BVMW-Unternehmerinnen und -Unternehmer aus, die damit ihr besonderes Engagement betonen wollen:

https://www.bvmw.de/bvmw-hanse/