Digitalisierung in KMU wird mit bis zu 70 % gefördert

KMU sollen trotz der aktuell schwierigen Phase motiviert werden, Investitionen in notwendige Digitalisierungs-Projekte zu tätigen. Hierzu wurde das Programm "Digital jetzt - Investitionsförderung für KMU aufgelegt.

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Endlich da: die Digitalisierungs-Förderung für KMU

In der Veröffentlichung der Förderrichtlinie vom 19.05.2020 (Veröffentlicht im Bundesanzeiger am 01.07.2020) können alle Details genau nachgelesen werden. 

Besonders interessant ist aus unserer Sicht der Förderzweck. Denn er spricht genau das an, was der BVMW zur Situation der Digitalisierung im Mittelstand seit längerem zum Ausdruck bringt.

(Quelle: Bundesanzeiger BAnz AT 01.07.2020 B1; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Richtlinie zum Förderprogramm „Digital jetzt – Investitionsförderung für KMU“ vom 19. Mai 2020)

"1.1 Zuwendungszweck

Die Digitalisierung ist ein besonderer Schwerpunkt der 19. Legislaturperiode. Der Koalitionsvertrag enthält hierzu eine Vielzahl von Maßnahmen. Unter anderem ist ein neues Investitionszuschussprogramm „Digitalisierung des Mittelstands“ vorgesehen, um gezielt in digitale Technologien und Know-how zu investieren.

Vor diesem Hintergrund möchte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für die Chancen der Digitalisierung sensibilisieren und bei Investitionen in Digitalisierungsvorhaben unterstützen. Das neue Förderprogramm „Digital jetzt – Investitionsförderung für KMU“ unterstützt KMU finanziell durch Zuschüsse bei Investitionen in digitale Technologien sowie Investitionen in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu Digitalthemen.

Mehrere aktuelle Studien belegen, dass eine Digitalisierungslücke im deutschen Mittelstand besteht.

Dabei existiert ein signifikanter Abstand zwischen sogenannten Vorreitern der Digitalisierung und Nachzüglern. So sind 52 Prozent der mittelständischen Unternehmen „durchschnittlich“, 29 Prozent „niedrig“ und nur 19 Prozent „hoch“ digitalisiert.

Auch partizipiert der Mittelstand zu wenig an den Möglichkeiten der Digitalisierung. Gleichwohl nehmen digitale Technologien, digitalisierte Wertschöpfungsprozesse und neue digitale Geschäftsmodelle (beispielsweise Plattformökonomien) immer mehr an Bedeutung zu. 60 Prozent der deutschen KMU und 75 Prozent der gesamten gewerblichen Wirtschaft geben an, dass digitale Technologien für sie eine mittelgroße bis sehr große Bedeutung haben.

Trotzdem investieren die KMU zu wenig in Digitalisierung (Technologien, Prozesse, Wertschöpfung):

Der Anteil der IT-Investitionen an den Gesamtinvestitionen ist in Deutschland in den letzten 15 Jahren nicht gestiegen. Die jährlichen Ausgaben für Digitalisierung in KMU betragen durchschnittlich 17 000 Euro, oftmals aber auch weniger als 10 000 Euro. Bei Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern sind die Ausgaben zuletzt sogar gesunken. Nur 12 Prozent der mittelständischen Unternehmen geben 40 000 Euro pro Jahr oder mehr aus. Die Digitalisierungsausgaben sind zu gering, um weiterhin wirtschaftlich zu wachsen und auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Vielfach bestehen Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Digitalisierungsvorhaben. Die Ausgaben für Digitalisierungsvorhaben werden im Vergleich zu anderen Sachinvestitionen seltener durch Kredite finanziert, da Bewertung und Verwertung durch Dritte erschwert sind und Digitalisierungsvorhaben ein relativ hohes Risiko zugemessen wird.

Außerdem fehlt es im Mittelstand an (IT-)Fachkräften:

Jedes fünfte KMU ist mittlerweile davon betroffen. Der Fachkräftemangel ist damit die Digitalisierungsbremse im Mittelstand. Damit der digitale Wandel im Unternehmen gelingt, muss auch die bestehende Belegschaft auf die Veränderungen vorbereitet und dafür geschult werden. Bei der Implementierung von technischen Lösungen werden oftmals klassische Personalentwicklungsmaßnahmen (Sensibilisierung, Schulungen) vernachlässigt. Irrtum, Nachlässigkeit oder Unwissenheit bei IT-Sicherheit der Mitarbeiter gelten heute als Hauptursache für Schadensfälle. Mitarbeiterschulungen und Kompetenzaufbau im Unternehmen können hilfreich sein, jedoch sind zielgruppengerechte Angebote auf dem Markt durch die Unternehmen schwer zu identifizieren und zu finanzieren. Häufig bindet das Tagesgeschäft bereits alle verfügbaren zeitlichen und personellen Ressourcen.

Zu den größten Hemmnissen für die Digitalisierung im Mittelstand zählen mithin hohe Kosten in von Banken als risikoreich eingeschätzte Investitionen sowie mangelnde IT-Kompetenzen im Unternehmen. Daher sind zusätzliche Anreize notwendig, um die Investitionsbereitschaft im Mittelstand insbesondere bei Zukunftstechnologien und digitalem Know-how zu erhöhen.

Das Förderprogramm „Digital jetzt – Investitionsförderung für KMU“ soll mit gezielten Finanzierungszuschüssen einen Anreiz für solche Investitionen setzen. Das Förderprogramm besteht aus zwei Modulen: Modul 1 „Investition in digitale Technologien“ und Modul 2 „Investition in die Qualifizierung der Mitarbeitenden“.

Das Modul 1 „Investition in digitale Technologien“ unterstützt Investitionen in Soft- und Hardware. Das Modul 2 „Investition in die Qualifizierung der Mitarbeitenden“ vermittelt Mitarbeitern der KMU das notwendige eigene Know-how, um Digitalisierungsmaßnahmen anzustoßen und langfristig Nutzen aus durchgeführten Digitalisierungsvorhaben zu ziehen. Voraussetzung für die Förderung in einem oder beiden der Module ist die Vorlage eines Digitalisierungsplans. In diesem ist das geplante Digitalisierungsvorhaben zu beschreiben, die gewünschten Synergieeffekte zwischen IT-Anwendungen in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens hervorzuheben sowie Art und Anzahl der Qualifizierungsmaßnahmen zu erläutern. Auf der einen Seite sichert dieser Plan die langfristige Wirkung der Investition („qualifiziert investieren“), vermeidet Mitnahmeeffekte und erzeugt auf der anderen Seite keine zu große bürokratische Hürde für die Antragstellung.

Aktuelle Studien zeigen, dass es in den meisten Unternehmen insbesondere am Bewusstsein für IT-Sicherheit fehlt.

Obwohl der Bedarf an vertrauenswürdiger IKT-Infrastruktur steigt, verfügt eine Vielzahl der KMU nicht über ausreichende technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen. KMU scheuen Investitionen in die IT-Sicherheit. Ein Drittel der Unternehmen plante im Jahr 2017 gar keine Investitionen in diesem Bereich vorzunehmen. Oftmals wird auch hier der hohe Kostenaufwand als Hemmnis für die Vornahme von IT-Sicherheitsmaßnahmen genannt. Für Investitionen in die IT-Sicherheit innerhalb der Module 1 und/oder 2 sieht das Investitionszuschussprogramm eine erhöhte Förderquote vor.

Darüber hinaus gilt eine erhöhte Förderquote auch für bestehende Wertschöpfungsketten und Wertschöpfungsnetzwerke, da wichtige Impulse oft von größeren Unternehmen gesetzt werden und Synergieeffekte bei weiteren, insbesondere digital weniger affinen, Unternehmen in der Kette erwartet werden. Damit wird bei dem geförderten Unternehmen zugleich die Erschließung subjektiv neuer Geschäftsmodelle gefördert.

Des Weiteren erhalten Unternehmen aus wirtschaftlich strukturschwachen Regionen durch eine erhöhte Förderquote einen besonderen Anreiz, Digitalisierungsvorhaben umzusetzen, um die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland zu fördern." [...]

Was wird gefördert?

[...]"Das Förderprogramm zielt darauf ab, insbesondere KMU und Handwerk dabei zu unterstützen, einerseits den Anschluss an die Digitalisierung nicht zu verpassen und andererseits qualifiziert in digitale Technologien bzw. Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen zu investieren, um das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfest zu machen. Aufgrund dieser Anstoß- und Anreizfunktion sind die einzelnen Fördermodule zeitlich und sachlich begrenzt.

2.7.1 Modul 1 „Investition in digitale Technologien“

Gegenstand der Förderung sind Investitionen in konkret zu benennende digitale Technologien (in der Regel Drittleistungen) und damit verbundene Prozesse und Implementierungen. Hierzu gehören insbesondere Investitionen in Hard- und Software, welche die interne und externe Vernetzung der Unternehmen fördern unter Beachtung verschiedener Aspekte wie beispielsweise datengetriebener Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz, Cloud-Anwendungen, Big-Data, Einsatz von Hardware (beispielsweise Sensorik, 3D-Druck) sowie IT-Sicherheit und Datenschutz.

2.7.2 Modul 2 „Investition in die Qualifizierung der Mitarbeitenden“

Gegenstand der Förderung sind Investitionen in Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter des geförderten Unternehmens im Umgang mit digitalen Technologien. Hierzu gehören insbesondere Qualifizierungen oder Weiterbildungsmaßnahmen zur Digitalen Transformationen, zur Digitalen Strategie, in digitalen Technologien, in IT-Sicherheit und Datenschutz, zu Digitales und agiles Arbeiten oder in digitalen Basiskompetenzen." [...]

Einen schönen Überblick und weitere Informationen finden Sie auch unter  https://gemeinsam-digital.de/digital-jetzt-foerderung/ 

Dort können Sie auch Ihr Projekt anmelden, um Unterstützung beim für die Förderung notwendigen Digitalisierungsplan zu erhalten. 

Wann wird die Beantragung möglich sein?

Die Beantragung ist noch nicht freigeschaltet (Online-Portal), wird aber längstens bis zum 31.Juni 2021 möglich sein.