Ehrbarer Kaufmann: Ideal, Werte, Nachhaltigkeit

In der Reihe „Unternehmen Hörsaal“ war der BVMW Anfang November wieder einmal zu Gast bei der WWU Weiterbildung. Institustleiterin Dr. Kristin Große-Bölting hatte zu einem brandaktuellen Thema eingeladen und der Hörsaal war somit sehr schnell...

ausgebucht: Es ging um den ehrbaren Kaufmann. Prof. Dr. Christian Müller vom Institut für ökonomische Bildung an der WWU begeisterte die Teilnehmer mit einem inhaltlich wie rhetorisch brillianten Vortrag und auch in der anschließenden Diskussion zeigte er seine hohe Kompetenz.

In seiner Einleitung ging er auf Herkunft und Begrifflichkeiten ein. Danach zeigte er die Entwicklung des Ehrbaren Kaufmanns vom Mittelalter bis zur modernen Konzeption von Unternehmensverantwortung. Er stellte mehrere Thesen auf, eine davon war: Unternehmensverantwortung ist nicht in erster Linie eine Frage der Tugend („Ehrbarkeit“), sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Ergänzend betonte Prof. Müller, dass zur Sicherung ihrer Gemeinwohlorientierung Unternehmen nicht in erster Linie Ehrbarkeit, sondern staatliche Regulierung (Compliance) brauchen. Die Sicherung ehrbaren Verhaltens von Unternehmen ist in der Sozialen Marktwirtschaft zunächst Staatsaufgabe, ohne sie geraten Unternehmen zunehmend in ein moralisches Dilemma. Überall dort, wo moralische Dilemmata weder durch den Staat noch im Unternehmen auflösbar sind, bedarf es eines moralischen Standpunkts: Bereitschaft, einen Preis zu bezahlen, wenn wir unsere Integrität wertschätzen und bewahren wollen. Er schloss mit den Worten des Kaufmanns Johann Buddenbrook in Thomas Manns berühmtem Roman: „Mein Sohn, sey mit Lust bei den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können.“