Digitalisierung im Mittelstand: Aufschwung, aber kein Durchbruch

Mittelständler haben seit Beginn der Corona-Pandemie verstärkt Digitalisierungsvorhaben umgesetzt und ihre Aktivitäten ausgeweitet. Doch noch immer bestehen Hemmnisse, die insbesondere KMU von der Digitalisierung abhalten.

Wie der Digitalisierungsbericht der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigt, haben 35 Prozent der Unternehmen ihre Digitalisierungsaktivitäten verstärkt und 33 Prozent der Unternehmen zwischen 2018 und 2020 Projekte realisiert. Dieser Zuwachs spiegelt sich auch in den Ausgaben für Digitalisierung wider: Diese sind 2020 um 16 Prozent auf 20 Milliarden Euro gestiegen. Die durchgeführten Projekte zeigen dabei, dass mittelständische Unternehmen vorrangig Vorhaben zur Bewältigung der Corona-Krise umgesetzt haben. So wurde am häufigsten der Kontakt zu Kunden und Zulieferern digitalisiert und die Einführung von Marketing- und Vertriebskonzepten vorangetrieben. Hierzu zählen u.a. die Neugestaltung von Webseiten, der Aufbau von Profilen in sozialen Netzwerken oder die Einführung von Onlinebestellsystemen. An zweiter Stelle folgen Maßnahmen wie die Erneuerung von IT-Strukturen, darunter die Installation neuer Hardware oder die Implementierung neuer Anwendungen. Langfristig ausgelegte Maßnahmen wie die Verknüpfung der IT zwischen unterschiedlichen Funktionsbereichen wurde dagegen eher seltener umgesetzt.
 

Digitalisierung noch lange kein Selbstläufer

Trotz des Aufschwungs ist die Digitalisierung nach wie vor kein Selbstläufer. Insbesondere zwischen großen und kleinen Mittelständlern droht eine Spaltung, da es oftmals erstere sind, die in die Digitalisierung ihres Unternehmens investieren. Insofern besteht die Gefahr, dass kleinere Mittelständler bei der Digitalisierung von größeren, zumeist Forschung und Entwicklung betreibenden Unternehmen abgehängt werden.

Werden die Hemmnisse bei der Digitalisierung genauer betrachtet, zeigt sich nach wie vor, dass fachliche Expertise, sowohl in der Breite der Mitarbeiter als auch im Bereich der IT, fehlt. Dieser Umstand wirkt sich beispielsweise negativ auf die Anwendung Künstlicher Intelligenz in mittelständischen Unternehmen aus. Wie die BVMW-Jahresumfrage 2021 zeigt, gab die Hälfte der befragten Mittelständler an, dass fehlende Expertise das größte Hemmnis darstellt.

Wir haben mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer gefragt, was aus ihrer Sicht die größten Hürden für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in ihrem Unternehmen sind:

 

Darüber hinaus stellen auch die Defizite beim Ausbau der digitalen Infrastruktur und fehlende finanzielle Mittel aus Sicht der Mittelständler ein Problem bei der Digitalisierung dar.

Hier muss aus Sicht des BVMW politisch gegengesteuert werden. Insbesondere der Ausbau der digitalen Infrastruktur muss vorankommen und Internet flächendeckend verfügbar sein. Zur Bekämpfung des Problems der fehlenden Expertise bedarf es zunächst einer Ausweitung der Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung und eine Berufsausbildung, die künftiges Fachpersonal auf den Umgang mit Technologien vorbereitet. Digitale Bildung muss zudem auch in frühen Ausbildungsphasen verstärkt berücksichtigt werden.
 

Unterstützung für Mittelständler: Fördermittel und Digital Zentren

Digitalisierungsaktivitäten sind für kleine und mittlere Unternehmen wichtige Zukunftsinvestitionen, die dazu beitragen, sich mittel- und langfristig auf dem Markt zu positionieren. Ohne digitale Technologien, Anwendungen und entsprechende Kompetenzen wird in Zukunft kein Unternehmen mehr bestehen können. Bund und Länder haben dazu verschiedene Förderungen in Form von Zuschüssen oder Investitionskrediten bereitgestellt.

  • So beispielsweise das Programm „Digital Jetzt“, das einerseits Investitionen in digitale Technologien wie datengetriebene Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz oder Datenschutz fördert. Andererseits deckt das Programm auch Investitionen in die Qualifizierung von Beschäftigten ab, beispielsweise im Bereich der IT-Sicherheit oder digitaler Basiskompetenzen.
  • Darüber hinaus gibt es Anlaufstellen, die praktische Hilfestellungen zu Fragen der Digitalisierung anbieten. An erster Stelle sind die 27 bundesweiten Mittelstand-Digital Zentren zu nennen, die kostenlos, verständlich und nutzerorientiert Informationen aufbereiten und diese in Checklisten, Videos und Workshops zur Verfügung stellen. Zudem bietet der kostenlose Digitalcheck des Mittelstand-Digital Zentrum Berlin eine qualifizierte Einschätzung zum Stand der Digitalisierung und liefert Unternehmerinnen und Unternehmern konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen.

 

 

 

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