Unternehmerischer Erfolg durch Wirtschaftsschutz

Unternehmen müssen sich entwickeln, wenn sie dauerhaft erfolgreich sein wollen. Notwendig ist aber nicht nur eine auf die Zukunft gerichtete Bereitschaft zur Entwicklung, sondern auch die Erkenntnis, dass schon Erreichtes geschützt werden muss.

Das BfV hat nicht nur die Aufgabe, Gefahren von der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Deutschland abzuwenden, sondern auch die deutsche Wirtschaft zu schützen. Leider erliegen gerade kleine und mittelständische Unternehmen dem Irrglauben, dass Wirtschaftsschutz nur Dax-Konzerne anginge und sie selbst kein lohnendes Ziel für Angriffe darstellten.

Das Thema Sicherheit betrifft die kleine Werbeagentur jedoch genauso wie den Zuliefererbetrieb mit 500 Mitarbeitern. Ein erster Schritt zu einem Mehr an Sicherheit besteht für sie darin, sich Klarheit über die Werte zu verschaffen, denen sie ihre Existenz verdanken: Darunter fallen Geschäftsideen, Patente oder Strategien, Angaben über Geschäftspartner, Kunden oder die eigenen Mitarbeiter. Im zweiten Schritt müssen potenzielle Gefahrenquellen erkannt werden, bei deren Identifizierung das BfV als kompetenter Partner jedem Betrieb zur Seite steht.

Wirtschaftsspionage wird selbst von erfahrenen Geschäftsleuten unterschätzt und geht nicht nur von direkten Konkurrenten aus, sondern auch von ausländischen Nachrichtendiensten. In vielen Staaten ist es ihr gesetzlicher Auftrag, ihre heimische Wirtschaft mit Informationen über ausländische Konkurrenten zu versorgen. Ausländische Nachrichtendienste haben in ihren Heimatländern oft vielfältige Möglichkeiten des Zugriffs. Folglich droht ein illegaler Informationstransfer dort, wo Firmen Dependancen unterhalten, auf Geschäftsreisen Kontakte knüpfen oder Inhalte elektronisch oder auf anderen Wegen austauschen. Mobile Datenträger oder Smartphones können beispielsweise am Flughafen an der Sicherheitskontrolle kurz abgenommen und in Sekundenschnelle kopiert werden. Ähnlich verhält es sich mit Unterlagen, die im vermeintlich sicheren Safe des Hotelzimmers deponiert sind oder mit Aktentaschen, die für eine kurze Zeit unbeobachtet im Konferenzraum zurückbleiben. Viele Unternehmen merken gar nicht, Opfer von Wirtschaftsspionage geworden zu sein, weshalb der Schutz eines Produktes bereits Teil der Produktentwicklung sein sollte.

Beim ungewollten Datenabfluss spielen allzu oft auch die eigenen Mitarbeiter eine Rolle. In der Regel sind es die Unzufriedenen oder Gedankenlosen, die sensible Firmendaten weitergeben. Dies geschieht vor allem dann, wenn sie für potenzielle Gefahren nicht sensibilisiert wurden, oder es keine Vorgaben für den Umgang mit Risiken und Vorfällen gibt. Risiken liegen beispielsweise in USB-Sticks, die auf Messen verschenkt werden und Trojaner in das Firmennetz transportieren, oder in infizierten E-Mails von angeblichen Geschäftspartnern.

Der technologische Fortschritt und die Möglichkeiten durch das Internet werden zu Recht positiv bewertet, doch vor lauter Euphorie geraten die Nebenwirkungen schnell aus dem Blickfeld. Im Cyber-Raum lauern Gefahren in großangelegten Sabotageakten und in Einzelangriffen durch die Manipulation von IT-Systemen. Diese sind hoch sensibel und anfällig, weshalb jeder Betrieb prüfen sollte, ob Mitarbeiter im Homeoffice wirklich auf alle Unternehmensdaten zugreifen können sollten, oder ob es notwendig ist, dass ein Geschäftsführer über sein Smartphone die Produktion steuert und sich Unterlagen mit vertraulichen Informationen auf sein Tablet schicken lässt. Hier ist die grundsätzliche Frage zu beantworten, welches Risiko für einen vermeintlichen Komfortgewinn akzeptiert werden soll.

Von nicht minderer Brisanz sind Desinformationskampagnen,  die auch deutsche Unternehmen erreichen. Mit Falschinformationen in sozialen Netzwerken können Produkte und Dienstleistungen empfindlich getroffen und diskreditiert werden. Dabei sind auch Social Bots behilflich, die sich im Internet automatisiert zu Wort melden, die Meinung ihres Auftraggebers auf vielfältige Weise veröffentlichen und Trefferlisten in Suchmaschinen manipulieren können.

Investitionen in die Sicherheit sind also keine zusätzliche Last, die man eventuell umgehen kann, sondern ein Business Enabler, der Arbeitsplätze und Erträge schützt. Sicherheit ist eine der zentralen Faktoren, wenn es um den unternehmerischen Erfolg geht.

Auf die gestiegenen Bedrohungen gegenüber der deutschen Wirtschaft hat das BfV reagiert. Es hat sein Personal aufgestockt, sich national wie international in Allianzen vernetzt und versteht sich als eine Art Brandmelder, der Informationen beschafft, analysiert und seine Erkenntnisse der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung stellt. So informiert die Initiative Wirtschaftsschutz unter Federführung des BfV auch im Internet über aktuelle und grundsätzliche Gefahren und Abwehrmöglichkeiten. Ein praxistaugliches Handbuch richtet sich direkt an kleine und mittelständische Unternehmen.  Sicherheit ist eine Gemeinschaftsaufgabe:  im Interesse der mittelständischen Wirtschaft,  dem Rückgrat des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

 

 

10 POLITIK DER Mittelstand. | 2 | 2017
Dr. Hans-Georg Maaßen
Präsident Bundesamt für Verfassungsschutz
www.verfassungsschutz.de

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