Digitaler Beifahrer sagt dem Personalmangel den Kampf an

Der Personalmangel setzt mittelständischen Logistikbetrieben immer stärker zu. Bereits heute fehlen etwa 80.000 Berufskraftfahrer. Abhilfe können auch digitale Fahrassistenzsysteme schaffen – wenn deren Einsatz endlich zugelassen wird.

Es kann schnell unübersichtlich werden, wenn auf deutschen Straßen Rotorblätter für Windkraftanlagen oder Bauteile für große Industrieunternehmen transportiert werden. Solche Großraum- und Schwerlasttransporte stellen eine enorme Herausforderung für Mensch, Material und insbesondere die Verkehrsinfrastruktur dar. Aus diesem Grund benötigen Logistikunternehmen für Transporte dieser Art eine Ausnahmegenehmigung, in der Fahrtstrecke und Auflagen für die Transportdurchführung nachgewiesen werden. Die entsprechenden Genehmigungsbescheide sind oft mehr als 100 DIN-A4-Seiten lang. Deshalb sehen die bestehenden Anforderungen der Verwaltungsrichtlinie für Großraum- und Schwertransporte (RGST) unter bestimmten Voraussetzungen die Anordnung eines menschlichen Beifahrers vor. Dieser begleitet den Transport und weist dem Fahrzeugführer Fahrtstrecke und weitere Hinweise zum Transportverlauf an.

Aktuelle Forschungsergebnisse der Technischen Hochschule Köln zeigen, dass die praktische Umsetzung der Auflage zur Begleitung durch einen menschlichen Beifahrer aufgrund des enormen Personalmangels in der Logistikbranche derzeit kaum möglich ist. Auf diese Weise leidet vor allem die Straßeninfrastruktur unter erheblichen Zusatzbelastungen, da Fahrer wichtige Anweisungen der Genehmigungsbescheide – wie beispielsweise die Anforderung zur Alleinfahrt auf Brücken – nicht oder nur teilweise beachten können.

Um dieses Problem zu lösen, wurden intelligente, digitale Verkehrssicherheitssysteme entwickelt. Der e-Beifahrer ist eine digitale Fahrassistenz für die Großraum- und Schwertransportbranche, die den Genehmigungs-bzw.  Erlaubnisbescheid visuell, auditiv und multilingual wiedergibt. Das System unterstützt den LKW-Fahrer und den Begleitfahrer dabei, die genehmigte Fahrtstrecke sowie die behördlich vorgeschriebenen Fahrauflagen einzuhalten. Dabei ist die Routenplanung so gestaltet, dass Routenfehler aufgrund falscher Wegpunkteingabe nicht auftreten können, da der Berechnungsalgorithmus genau diese Plausibilitätsprüfung komplett beinhaltet. Sollte der Fahrer dennoch von der behördlich genehmigten Fahrtstrecke abweichen, erscheint ein akustisches und visuelles Warnsignal. Eine Ausweichstrecke wird bewusst nicht angegeben, da diese genehmigungs- bzw. erlaubnispflichtig wäre. Die digitale Fahrassistenz entspricht zu 100% dem behördlich genehmigten Bescheid. Durch den Einsatz einer digitalen Fahrassistenz entfällt die Notwendigkeit zum Einsatz eines menschlichen Beifahrers, wie in der RGST 2013 Auflage 21 (Beifahrer) sowie in der allgemeinen Auflage 2 vorgesehen. Auf diese Weise wird dem Personalmangel in der Logistikbranche effektiv entgegengewirkt und Schäden an der Straßeninfrastruktur durch Navigationsfehler (z. B. Versäumnis der Alleinfahrt auf Brückenbauwerken) können minimiert werden.

Eine zeitnahe und flächendeckende Anwendung des digitalen Beifahrers stößt in der Praxis jedoch auf erhebliche Hindernisse. Zwar erkennen die Bundesländer die Vorteile der digitalen Systeme an und begrüßen eine schnellstmögliche Umsetzung – trotzdem sind die Systeme erst in zwei Bundesländern im Rahmen von Pilotprojekten einsetzbar. Die restlichen Länder drängen hingegen auf eine bundeseinheitliche Regelung und eine Anpassung der entsprechenden Vorschriften durch das Bundesverkehrsministerium. Bereits im vergangenen Dezember forderte die Verkehrsministerkonferenz das Verkehrsministerium auf, die rechtlichen Voraussetzungen und die technischen Anforderungen für den Einsatz digitaler Fahrassistenzsysteme zu schaffen. Höchste Zeit also.

Gut zu wissen:

Der Mittelstand setzt sich motiviert für die stärkere Nutzung digitaler Assistenzsysteme im Straßenverkehr ein. Lesen Sie hier die komplette Pressemitteilung zum Einsatz des digitalen Beifahrers:

 

 

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