Verkaufsoffene Sonntage und Always On Kundschaft

Diskussion um verkaufsoffene Sonntage in Hannover. Sind die Restriktionen noch zeitgemäß?

Foto Pixabay

Die Digitalisierung verändert unser Leben, Arbeiten und Wirtschaften. Viele Menschen sind always on und verhalten sich demensprechend beim Einkaufen. Restriktionen beim Service werden bestraft, in dem man anderweitig ordert. Eine Alternative findet sich im Internet überall und zu jeder Zeit. In Hannover ist nun eine Diskussion um die verkaufsoffenen Sonntage entbrannt, die klar macht, wie schwer es für alle Seiten ist, sich diesem Wandel zu stellen.

Die Einzelhändler monieren, die restriktive Politik sei nicht mehr zeitgemäß. In Hannover soll es im Jahr 2018 nur vier verkaufsoffene Sonntage geben, die sich die Innenstadthändler und Stadtteilhändler auch noch teilen müssen. Wunschtermine der Händler werden nicht genehmigt, weil es noch eine weitere Restriktion gibt: Für die Genehmigung eines verkaufsoffenen Sonntags braucht es einen vom Verkauf unabhängigen Anlass. Einer der vier Termine ist nun auch noch weitestgehend ungenutzt verstrichen.

Was bewegt die Verwaltung zu dieser restriktiven Haltung? Zum einen arbeitszeitrechtliche Regelungen, die von Seiten der Arbeitnehmervertreter mit Vehemenz aufrechterhalten werden. Zum anderen die Vorstellung, nicht auch noch den Sonntag dem Kommerz anheimfallen zu lassen, vorgebracht auch von einigen Kirchenvertretern.

Was ist die Folge, wenn wir nicht umdenken? Der Anteil von Online-Käufen wächst weiter. Wie sieht es für die Arbeitnehmer aus? Im Einzelhandel wird auch nach Einzelhandelstarif bezahlt – beim größten Online-Anbieter Amazon wird derzeit nach Logistik-Tarif bezahlt. Und ist ein verkaufsoffener Sonntag nicht ein super Familienevent? Kommerz ist nicht mehr böse, sondern überall und jederzeit vorhanden. Jedenfalls im Internet.

Wenn wir unsere Innenstädte attraktiv halten wollen, müssen Einzelhandel und Verwaltung an einem Strang ziehen. Der Einzelhandel muss seine Hausaufgaben bei der Digitalisierung machen und die Verwaltung muss mit Augenmaß alte Zöpfe abschneiden.

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