BVMW Außenwirtschaft vor Ort

Europa inmitten großer Veränderungen. Wie sollten sich mittelständische Unternehmen zukünftig aufstellen?

Man nehme ein starkes Thema, besetzt es mit kompetenten Referenten und lädt zum Austausch und Netzwerken in ein Unternehmen ein, dass mit seinem Geschäftsmodell den perfekten Rahmen bietet. Genau das hat Karin Walkenbach gemacht.  Ihre Veranstaltung „BVMW Außenwirtschaft vor Ort“ zu den großen Veränderungen in Europa und den Herausforderungen für mittelständische Unternehmen war von Erfolg gekrönt.

Rainer Ptok, Leiter Außenwirtschaft beim BVMW, sorgte mit seinen Einschätzungen zur aktuellen Lage in der EU für einen schwungvollen Auftakt. Mit Blick auf die Wirtschaft geht der Daumen hoch. Ein boomender Export, volle Auftragsbücher, steigende Beschäftigungszahlen und die Top-Stimmung der Weltwirtschaft sorgen für Optimismus in den Chefetagen. Doch auch Ptok warnt vor politischen und geopolitischen Risiken. Europa ist zerrissen, die separatistischen Bestrebungen schwächen den Wirtschaftsstandort, der Brexit belastet und die Deutsch-Französische Achse ist noch nicht belastbar. China, Russland und den USA kommt Europas Schwäche gelegen. Vor allem die Chinesen sind mit einer Langfriststrategie unterwegs und verfolgen mit ihrem Projekt „Neue Seidenstraße“ knallharte geostrategische Interessen. Peking investiert weltweit Milliarden, um über wirtschaftliche Abhängigkeiten politische Abhängigkeiten zu schaffen. Außerdem stellte Rainer Ptok seinen Außenwirtschaftsbereich als kompetenten Partner des Mittelstands vor. Jedes Mitglied kann auf tatkräftige Unterstützung zählen, denn der BVMW verfügt über ein globales Netz von Auslandsbüros. Und natürlich sind die Kollegen in Berlin und den Regionalbüros immer ansprechbar. 

Global ist auch Daniel Auwermann aufgestellt, der als Gastgeber kurzweilig zu unterhalten wusste. Für den Leiter der Berliner ICUnet AG am Pariser Platz sind interkulturelle Qualifizierung und strategische Beratung das Kerngeschäft. Der Mann weiß zum Beispiel: was Deutsche und Briten unterscheidet; worauf sie als UnternehmerIn achten sollten, wenn sie in Mexiko, den USA, den Arabischen Emiraten, China oder Afrika ins Geschäft kommen wollen. Die ICUnet berät und begleitet Unternehmen und Organisationen bei der Internationalisierung. Denn es reicht nicht, wenn sie oder ihre Mitarbeiter ausschließlich ihre fachliche Expertise mitbringen. Um im Ausland oder bei Fusionen mit ausländischen Unternehmen Erfolg zu haben, ist es wichtig, auch die Kultur des jeweiligen Landes oder Partners zu kennen. Außerdem engagiert sich ICUnet für Bildung, organisiert Veranstaltungen und unterstützt auch schon mal Unternehmen. So haben die strategischen Berater z. Bsp. BMW zu günstigeren Einkaufspreisen bei Zulieferern verholfen.

Wolfgang Steiner ist auch ein Zulieferer der Automobilindustrie. Sein Unternehmen, die NOVAPAX Kunststofftechnik Steiner GmbH + Co.KG blickt auf fast 70 Jahre Firmengeschichte zurück. Als Mann der Praxis präsentierte Steiner das Werden und Wachsen seines Familienbetriebes. Allein in Berlin beschäftigt der Vollblutunternehmer 200 Mitarbeiter. Die Angebotspalette der NOVAPAX umfasst 500 Produkte, Hauptabnehmer mit 90 Prozent ist die Automobilindustrie. Inzwischen hat Wolfgang Steiner auch in Rumänien und Indien Produktionsstandorte. Dort spielt das Thema interkulturelle Kompetenz auch eine große Rolle.  Für seine Kunststofftechnik ist Steiner zuversichtlich. Mit Blick auf die Entwicklung in der Automobilwirtschaft sieht er aber eine sinkende Nachfrage in Deutschland und Europa. Die Fahrzeugproduktion wird vor allem in China, Indien und den USA steigen.

Mit Spannung war der Auftritt von Sarah Ritter zum Thema Brexit erwartet worden. Die junge Oberregierungsrätin arbeitet im Referat E11 im Auswärtigen Amt. Dort geht es vor allem um europäische Innenpolitik und EU-Währungs- und Finanzfragen. Sarah Ritter brachte die rund 30 Gäste auf den aktuellen Stand der Verhandlungen. Gerade erst haben sich die EU-Europaminister in Brüssel auf Leitlinien für den Brexit geeinigt. Demnach soll die Übergangsphase bereits am 31. Dezember 2020 enden. Damit fällt sie kürzer aus, als von den Briten gewünscht, die auf zwei Jahre nach dem Brexit-Stichtag im März 2019 gehofft hatten. Sarah Ritter berichtete, dass die Rechte für Bürger erhalten bleiben, sowohl für Briten in Deutschland oder Deutsche in Großbritannien. Sie skizzierte die drei Verhandlungsstränge und betonte, dass die Gefahr des Platzens der Gespräche bis zum März kommenden Jahres weiterbestehe. Die Verhandlungen sind schwierig. Nach dem Austritt aus dem gemeinsamen Binnenmarkt muss ein Freihandelsabkommen geschlossen werden, für das wohl CETA als Vorlage dienen soll. CETA regelt den Handel zwischen der EU und Kanada. Für Spekulationen, wer zukünftig Außenminister wird, war Sarah Ritter nicht zu haben - verständlicherweise.

Am Ende der Referentenrunde genossen alle Gäste die Tischgespräche bei leckeren Köstlichkeiten vom Buffet, guten Weinen oder Wasser.
Ein rundum gelungener Abend, der eine Fortsetzung finden wird. Karin Walkenbach, Leiterin des Kreisverbandes Berlin-Neukölln und Initiatorin der Reihe „BVMW Außenwirtschaft vor Ort“, plant für dieses Jahr eine weitere Veranstaltung.

 

Autorin: Beate Hoffbauer