Echtzeit-Daten als Kreditfundament

Smart Data schreitet auch im industriellen Mittelstand zügig voran. Viele Unternehmen koppeln bereits Maschinenperformance und Finanzkennzahlen.

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Das könnte ganz neue Finanzierungskonzepte ermöglichen: Darlehen, die nicht mehr auf historischen Kennzahlen basieren, sondern auf Produktionsdaten.

Noch hinken die Banken bei der Finanzierung 4.0 hinterher. Dabei liegen die Vorteile für beide Seiten auf der Hand. Investitionsvorhaben vornehmlich auf der Grundlage früherer Erfolge und Misserfolge zu bewerten, hatte immer schon etwas Unbefriedigendes. Das gilt umso mehr in Zeiten technologischer Umbrüche. Wie viel genauer wäre es, Echtzeit-Daten aus der Produktion auszuwerten und Kreditbedingungen auf dieser Grundlage anzupassen. Fast die Hälfte der mittelständischen Industriebetriebe hierzulande wäre bereits in der Lage, aktuelle Maschinendaten für die Finanzierungsplanung zu liefern. Weitere 42 Prozent arbeiten daran, wie die Ergebnisse der Studie „Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4.0“ zeigen, für die der digitale Mittelstandsfinanzierer creditshelf zusammen mit der TU Darmstadt 187 Vorstände und Geschäftsführer befragt hat.

Zwar nimmt auch bei den Banken die Digitalisierung zu, doch die Bewertung der industriellen Datenschätze ist für sie noch eine gewaltige Herausforderung. Zumal das technische Verständnis in den Geldhäusern noch weitgehend fehlt. Auf lange Sicht wird sich dieses Technologiegefälle nicht halten lassen, wollen die Banken ihre Industriekunden nicht verlieren. Schon jetzt wird deren Geduld oft auf die Probe gestellt: Jedes zweite Unternehmen beklagt laut der Studie, wie schwierig es teilweise sei, sein Kreditinstitut von Investitionsplänen zu überzeugen. Nun wächst der Unmut zusätzlich: Denn während Smart Data in allen Unternehmensbereichen langsam, aber stetig zum Standard wird, soll ausgerechnet die traditionell datenaffine Kreditwirtschaft nicht mitziehen? Das ist auf Dauer nicht zu vermitteln. Alternativen wie die Nutzung von Online-Kreditportalen gewinnen daher deutlich an Attraktivität.

Wie sehr der digitale Innovationsstau auf Bankenseite industriellen Mittelständlern Verdruss bereitet, zeigt sich bei deren eigenen Finanzierungsmodellen. Über die Hälfte der Unternehmen, die bisher noch keine Absatzfinanzierungsmodelle anbieten, könnten sich diesen Schritt vorstellen, wenn sie dazu nicht mit einem Kreditinstitut kooperieren müssten. Künftig wird dies auch nicht mehr zwingend nötig sein. Denn Mittelständler werden künftig in der Lage sein, die Absatzfinanzierung selbst zu offerieren, indem sie ein Fintech als Abwicklungsplattform nutzen. Das klassische Kreditinstitut kann also der Partner einer Finanzierung 4.0 sein, muss es aber nicht mehr.

 

Dr. Daniel Bartsch
BVMW-Mitglied
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