Richtige Vorbereitung beim Unternehmensverkauf zahlt sich aus

Mittelständische Familienunternehmen sehen sich zunehmend mit Nachfolgeproblemen konfrontiert. Wenn eine Nachfolgelösung innerhalb der Familie nicht möglich oder nicht gewollt ist, bleibt nur der Verkauf des Unternehmens an einen familienfremden Drit...

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Passende Transaktionsstruktur

Mögliche Käufer können aus dem Unternehmen selbst stammen: Bei einem Verkauf an eigene Mitarbeiter und Führungskräfte des Unternehmens spricht man von einem Management Buyout (MBO). Als Käufer kommen aber auch externe Manager, Finanzinvestoren oder strategische Investoren wie Wettbewerber, Kunden oder Lieferanten in Betracht. Je nach Erwerbergruppe sind spezifische Besonderheiten bei der  Transaktionsstrukturierung, im Transaktionsprozess und bei der Gestaltung des Kaufvertrags zu beachten.

Beispiel MBO: Da beim MBO die Erwerber das Unternehmen bereits gut kennen und mitverantworten, können sie grundsätzlich auf die sonst übliche gründliche Prüfung des Unternehmens im Vorfeld des Erwerbs (Due Diligence) ebenso verzichten wie auf unternehmensbezogene Garantien des Verkäufers im Kaufvertrag. Beides kann aber dann erforderlich werden, wenn die Erwerber, wie häufig der Fall, zur Finanzierung des Kaufpreises weitere Investoren mit ins Boot holen müssen. Diese sind in der Regel mit den Umständen des Unternehmens nicht näher vertraut und wollen sich mitunter auch Mitspracherechte im Unternehmen vertraglich sichern.

Sorgfältige Vorbereitung

Sofern es sich nicht um einen reinen MBO ohne Beteiligung von Investoren handelt, ist der Unternehmensverkauf ein komplexer Vorgang, auch wenn sich inzwischen gewisse Standards etabliert haben. Hinzu kommt, dass in allen Verkaufskonstellationen der Familienunternehmer den Verkauf seines Unternehmens meist zum ersten und einzigen Mal erlebt. Die damit verbundene Unerfahrenheit kann zu Unsicherheiten bei der Entscheidungsfindung führen. Umso wichtiger ist die professionelle Vorbereitung und Begleitung des Verkaufsprozesses. Eine sorgfältige Vorbereitung hilft, Risiken zu vermeiden, die eine mangelhafte Nachfolgelösung auf operativer Ebene für das Unternehmen oder auch im privaten Bereich des Unternehmers, wie zum Beispiel Streitigkeiten im Familienkreis, hervorrufen kann.

Frühzeitig beginnen und systematisch vorgehen

Die systematische Vorbereitung des Unternehmensverkaufs sollte spätestens drei Jahre vor dem geplanten Verkaufszeitpunkt beginnen. Dazu gehört neben einer Ermittlung der persönlichen Vermögensverhältnisse und familiären Situation (Ehevertrag, Erbvertrag) des Inhabers die Ermittlung sämtlicher wertbildender Faktoren des Unternehmens. Mit einem gewissen Aufwand verbunden, jedoch für die weiteren Verfahrensschritte hilfreich ist die Durchführung einer eigenen Prüfung des Unternehmens durch die Verkäuferseite noch vor Beginn des eigentlichen Verkaufsprozesses (Verkäufer Due Diligence). Damit können mögliche kaufpreisrelevante Chancen und Risiken frühzeitig identifiziert und optimiert werden. Gleichzeitig hilft dies dem Verkäufer, seinen Aufklärungspflichten gegenüber dem Käufer nachzukommen und eine Haftung für unzutreffende Angaben oder Verschweigen offenlegungspflichtiger Umstände zu vermeiden, sollte es später zum Streit kommen. Denn selbst bei Vertragsverhandlungen, in denen die Parteien entgegengesetzte Interessen verfolgen, besteht für jeden Vertragspartner die Pflicht, den anderen Teil – auch ungefragt – über solche Umstände aufzuklären, die den Vertragszweck des anderen vereiteln können und daher für seinen Entschluss von wesentlicher Bedeutung sind.

Notwendige Maßnahmen umsetzen

Nicht selten folgt aus einer kritischen Bestandsaufnahme auch die Erkenntnis, bestimmte Maß- nahmen im Unternehmen durchführen zu müssen, um das Unternehmen für einen künftigen Käufer attraktiver zu machen, den Verkaufsprozess somit zu erleichtern und einen höheren Kaufpreis zu erzielen. Beispiel Compliance: Professionelle Großunternehmen achten als Unternehmenskäufer immer mehr auf mögliche Compliance-Risiken der Zielgesellschaft – ein Trend, der sich durch aktuelle Rechtsentwicklungen wie beispielsweise eine Verschärfung des deutschen Kartellsanktionenrechts eher noch verstärken wird. Die 9. GWB-Novelle erweitert seit Juni 2017 nämlich die Risiken des Käufers, für vor dem Kauf begangene Kartellverstöße des erworbenen Unternehmens unmittelbar einstehen zu müssen. Dennoch fehlt gerade in mittelständischen Unternehmen mitunter noch ein effektives Compliance-Management-System, das Rechtsverstöße zu verhindern hilft. Wer unvorbereitet einen Verkaufsprozess für ein Unternehmen startet, das in diesem Bereich erhebliche Defizite aufweist, riskiert später Verzögerungen oder gar einen Vertrauensverlust auf Seiten möglicher Kaufinteressenten. Im ungünstigsten Fall kann dies zu einem Scheitern des Verkaufs führen.

Fazit: Die Unternehmensnachfolge durch den Verkauf des Unternehmens an einen familienexternen Erwerber erfordert eine frühzeitige und sorgfältige Vorbereitung. Versäumnisse können den Verkaufsprozess gefährden, Haftungsrisiken für den Verkäufer erhöhen und zu einem Kaufpreisabschlag führen.

 

Dr. Christian Horn, LL.M.
Partner, Rechtsanwalt,
Luther Rechtsanwaltsgesellschaft
Mitglied im Bundeswirtschaftssenat

www.luther-lawfirm.com

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