Mit der Kette in die Zukunft

Immer mehr mittelständische Unternehmen interessieren sich für die Blockchain-Technologie, die ursprünglich für Digitalwährungen wie Bitcoin entwickelt wurde. Denn die Block-Ketten arbeiten schnell, sicher und transparent – und sparen bares Geld.

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Wem der Begriff Blockchain noch nichts sagt, muss sich nicht grämen – denn er ist nicht allein. In einer Online-Umfrage für eco, den Verband der Internetwirtschaft, hat das Marktforschungsinstitut YouGov unter 266 Entscheidern der mittelständischen Industrie ermittelt, dass lediglich 34 Prozent der Führungskräfte Blockchain kennen. Von denen sind allerdings 65 Prozent davon überzeugt, dass sich die Blockchain-Technologie für bestimmte Anwendungsfälle und Branchen durchsetzen wird. Neun Prozent der befragten Mittelständler planen bereits konkret, Blockchain in ihren Unternehmen einzusetzen, 17 Prozent denken darüber nach.

Blockchain ist ein digitales Register, das ursprünglich erdacht wurde, um Zahlungen mit der Kryptowährung Bitcoin abzuwickeln. Bezahlt ein Nutzer Waren oder Dienstleistungen mit Bitcoin, wird jede Transaktion in einem „Block“ registriert. Ist der Block voll, wird der nächste generiert, der auf den vorherigen verweist. Damit entsteht eine Kette (englisch: Chain) von Blöcken, die nicht zentral – zum Beispiel bei einer Bank – gespeichert werden, sondern dezentral bei allen Teilnehmern einer Blockchain. Die erhalten vollständigen Einblick, ohne dass einer darin etwas verändern kann, bevor ein Eintrag nicht von allen verifiziert worden ist. Das schafft Transparenz sowie Ausfall- und Fälschungssicherheit.

Automatisierte Zahlungen ohne Gebühren
„Die Blockchain ist gerade dabei, die Finanzbranche zu verlassen und sich in fast allen anderen Branchen auszubreiten“, weiß Konstantin Graf von der Beratungsgesellschaft Altran (BVMW-Mitglied). Und Stephan Zimprich vom Internetwirtschaftsverband eco (BVMW-Mitglied) sagt: „In Deutschland entdecken immer mehr mittelständische Unternehmen diese Technologie für sich und wollen sie als Plattform für digitale Innovationen nutzen.“

Musikstreaming-Dienste wie Spotify oder Ujo zum Beispiel setzen die Blockchain ein, um Komponisten, Musiker, Labels und Konsumenten miteinander zu verbinden. Rechteinhaber können registrieren, wer ihre Musik wie oft spielt, und Zahlungen – darunter auch die Tantiemen an die Künstler – werden automatisch und sofort mit Hilfe der Smart-Contract-Technologie transferiert. Für diese massenhaften Miniüberweisungen fallen keinerlei Gebühren an, weil Banken nicht eingeschaltet werden müssen.

Kontrolle über Lieferketten und Produktionsprozesse
Auch ganze Liefer- oder Versorgungsketten können mit der Blockchain-Technologie gemanaged, kontrolliert und nachverfolgt werden. So läuft etwa beim Tourismuskonzern TUI schon das gesamte internationale Vertragsmanagement für Hotel- und Zimmerkontingente über eine Blockchain. Und das spanische Textilunternehmen Inditex schließt mit dieser Technologie Zulieferer, Spediteure, Zollbehörden und Geschäfte zusammen – wenn die Ware schnell und unbürokratisch angekommen ist, löst die Blockchain umgehend die Zahlung aus. Dass Wagnisfinanzierer bereits über 1,5 Milliarden Dollar in zahlreiche Start-ups gesteckt haben, die an Blockchain-Lösungen arbeiten, zeugt davon, dass auf diese Technologie gesetzt wird. Oliver Bussmann von der Crypto Valley Association (BVMW-Mitglied) im schweizerischen Zug sagt, dass diese Technologie das Potenzial habe, alles zu verändern: die Lieferketten in Produktion und Handel, die Vernetzung von Maschinen, die Fertigungsprozesse in der Industrie 4.0, Stromversorgung, Elektromobilität oder die Sharing Economy, wo Autos oder Fahrräder nur noch über Blockchains gemietet werden könnten – automatische Bezahlung inklusive. Die Vorteile: unbürokratische Schnelligkeit und eine enorme Kostenersparnis.

 

Almut Friederike Kaspar
Journalistin

 

 

 

 

 

 

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