Stromkosten sparen – ein Anbieterwechsel kann sich lohnen

Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 können Geschäftskunden ihren Energieversorger frei wählen. Doch nur wenige kleinere und mittlere Unternehmen machen davon Gebrauch, ihre Stromkosten durch einen Wechsel des Anbieters zu senken.

Nahaufnahme eines Stromzählers
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Viele Firmen verschenken damit enorme Einsparpotenziale.

Als der Strommarkt vor 20 Jahren liberalisiert wurde, erhofften sich die Verantwortlichen neben einer höheren Angebotsvielfalt auch niedrigere Strompreise. Letzteres erfüllte sich jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Die Preise für Elektrizität stiegen aufgrund immer höherer Steuern und Abgaben in den vergangenen Jahren stetig. Ein Blick in den Monitoringbericht der Bundesnetzagentur zeigt: 2008 bezahlte ein Dienstleistungsunternehmen mit 200 Quadratmetern Nutzfläche und einem Jahresverbrauch von 50.000 Kilowattstunden durchschnittlich 9.900 Euro für Strom. 2017 sind es bereits rund 1.000 Euro mehr, denn der Preis pro Kilowattstunde ist in diesem Zeitraum von 19,8 auf 21,7 Euro-Cent gestiegen.

Staat diktiert 78 Prozent des Strompreises

Mittlerweile sind 78 Prozent des Strompreises Kostenpositionen, auf die der Lieferant keinen Einfluss hat. Dabei machen Steuern und sonstige staatliche Abgaben den größten Anteil aus. Weitere zehn Prozent der Kosten entfallen auf den Stromeinkauf. Das heißt, der Energieversorger hat am Ende nur ein kleines Handlungsfenster von zehn Prozent des effektiven Strompreises, über welches er sich selbst finanzieren muss und gegebenenfalls Einsparungen an den Kunden weitergeben kann. Insbesondere die staatlich verordnete Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) lässt den Strompreis in die Höhe schnellen. Stromkostenintensive Unternehmen werden zwar von der Ökostrom-Umlage befreit, allerdings fällt der Anteil der begünstigten Betriebe mit 0,06 Prozent verschwindend gering aus.

Kostenersparnis durch Anbieterwechsel

Verbraucher und Geschäftskunden sind der Preisspirale allerdings nicht machtlos ausgesetzt, wie Prof. Dr. Stefan Nägele, Geschäftsführer BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV Energie), erklärt: „Kleinere und mittlere Unternehmen können ihre Stromkosten um bis zu 15 Prozent senken, wenn sie zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln.“ Bislang nutzten jedoch nur wenige Unternehmen diese Möglichkeit. Als Ursachen nennt Prof. Dr. Nägele die Macht der Gewohnheit sowie mangelnde Kenntnisse über den Energiemarkt. Zudem gebe es bei nicht wenigen Unternehmen eine diffuse Sorge, durch einen Anbieterwechsel plötzlich ohne Strom dazustehen. Diese Befürchtung sei allerdings unbegründet, versichert der Experte: „Der Energiemarkt ist streng reglementiert, und die Kommunikation aller Akteure läuft nach einheitlichen Prozessen ab.“ Eine Unterbrechung der Stromversorgung könne demnach beim Anbieterwechsel ausgeschlossen werden. Heute gebe es zwar weit über 1.200 unabhängige Energieversorger in Deutschland, doch seien diese massiv von staatlicher Preisgängelei abhängig. Dies belaste den Mittelstand zusätzlich. Umso wichtiger sei es, so Prof. Dr. Nägele, dass Unternehmen die Chancen nutzten, ihre Energiekosten durch einen Anbieterwechsel zu senken.

 

  • Seit Jahren steigen die Strompreise in Deutschland
  • Steuern und sonstige staatliche Abgaben machen mit fast 80 Prozent den größten Anteil am Strompreis aus
  • Kleine und mittlere Unternehmen können ihre Stromkosten um bis zu 15 Prozent senken, wenn sie zu einem günstigeren Stromanbieter wechseln

 

 

Marcus Plaul
Redaktionsdienst BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH
(BEV Energie)
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