Eichrecht bremst E-Mobilität aus

E-Mobilität wird kräftig gefördert. Doch viele Fördergelder zur Anschaffung von E-Ladesäulen werden nicht abgerufen, weil es bisher keinen Hersteller gibt, der die Anforderungen zum Eichrecht vorlegen kann.

Stilisiertes Auto aus Kabeln geflochten
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Die Bundesregierung hat sich der Energiewende verschrieben und will massiv die E-Mobilität fördern.

Das lässt sich die Regierung einiges kosten. Seit 2009 sind Fördermittel von rund fünf Milliarden Euro bereitgestellt und Rahmenbedingungen gesetzt, um Elektromobilität attraktiver zu machen. "Eine Million E-Autos bis 2020", so lautete das ambitionierte Ziel der Bundesregierung. Im Januar 2018 waren es 53.000, gerade mal fünf Prozent der angepeilten Million.

Etwa drei bis fünf Millionen Neuzulassungen gibt es jedes Jahr, davon sind fast 70 Prozent Leasingfahrzeuge in Firmenflotten. Diese setzen noch immer auf den Diesel trotz der Kaufprämie für Elektroautos. Das liegt wesentlich an der geringen Verbreitung der Ladesäulen von insgesamt nicht mehr als 4.402, laut Bundesnetzagentur. Die Nationale Plattform für Elektromobilität hält mindestens 70.000 Ladesäulen für nötig, um flächendeckend laden zu können.

85 Prozent der vorhandenen Ladesäulen stehen im privaten Bereich, wie zum Beispiel in Einzeloder Doppelgaragen im Eigenheim, Tiefgaragen von Wohnanlagen oder Firmenparkplätzen auf werkseigenem Gelände. Gerade einmal knapp 700 öffentliche Ladesäulen gibt es in der gesamten Bundesrepublik. Von den Förderaufrufen der Bundesregierung sind bisher rund 3.000 Anträge für etwa 9.000 Normalladepunkte und 1.100 Schnelladepunkte bewilligt, bis Ende 2020 sollen es 15.000 werden. Die Auszahlung der Fördermittel ist jedoch an eine wichtige Bedingung gekoppelt, nämlich an die technischen Mindestanforderungen, geregelt durch die Ladesäulenverordnung. Diese schreibt vor, dass alle Säulen im öffentlichen Raum, die nach dem 14. Dezember 2017 installiert werden, die Baumusterprüfung vorweisen müssen. Der Haken daran: diese gibt es nicht.

Bisher hat nur ein Betreiber eine Bauartzulassung – keine Baumusterprüfbescheinigung. Diese wurde noch 2014 nach dem alten Eichrecht erteilt. Die neue Baumusterprüfbescheinigung kann bisher keiner der Hersteller von Ladesäulen nachweisen. Wann und an wen die ersten Baumusterprüfbescheide ausgegeben werden, ist noch ungewiss.

Schwer zu erfüllen sind die an die Förderungen geknüpften Bedingungen vor allem für kleine und innovative Unternehmen. Problematisch ist vor allem der Unsicherheitsfaktor. Auftragsvergaben hängen in der Luft, auch wenn keiner verpflichtet ist, Strom eichrechtskonform abzugeben. Das gilt auch für die öffentlichen und halböffentlichen Akteure, die doppelt wichtig sind für die Förderung der E-Mobilität im öffentlichen Raum. Dennoch entscheidet sich der eine oder andere öffentliche Fördermittelnehmer lieber zu warten, aus Sorge, Fehler zu machen. Dabei wäre gerade für manches kleinere Stadtwerk das Stellen von Ladeinfrastruktur eine zukünftige Form der Dienstleistung.

Fazit: Es wird Zeit, endlich Bürokratie abzubauen, um Raum für zukunftsgreifende Projekte zu lassen.

 

Raymonde Sawal
Geschäftsführerin
Call Attack
BVMW-Mitglied
www.callattack.de