Energieeffizienz im Mittelstand

Ist Energieeffizienz nicht ein Thema für Großkonzerne und Großverbraucher? Natürlich – dort gibt es ganze Abteilungen, die sich nur mit Effizienzfragen befassen. Durch eine Förderung kann nun der Mittelstand nachziehen.

Energieffizienz Skala
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Energieeffizienz war jahrzehntelang kein großes Thema im Mittelstand. Energie war billig, und alle hatten die gleichen Bedingungen, sodass es keinen nennenswerten Wettbewerbsvorteil gab. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Energiepreise sind deutlich gestiegen und zu einem ernst zu nehmenden Faktor in der Kalkulation geworden. Noch deutlicher zeigt sich die Problematik, wenn man die Energiepreisentwicklung im internationalen Rahmen betrachtet. Deutschland nimmt einen Spitzenplatz ein. Es bedarf also geeigneter Maßnahmen, um Wettbewerbsnachteile zu verhindern.

Es gibt zwei gute Gründe, sich des Energiethemas anzunehmen: einen ökonomischen – es geht um Wettbewerbsfähigkeit – und einen ökologischen, den man auf keinen Fall aus dem Auge verlieren sollte. Wir alle haben eine Verantwortung unseren Kindern gegenüber. Deutschland hat sich in diesem Zusammenhang anspruchsvolle Ziele gesetzt, von denen wir jedoch noch weit entfernt sind. Nach einer Studie, die von der Brancheninitiative Zukunft Erdgas in Auftrag gegeben wurde, hat Deutschland sein CO2 -Budget für 2018 schon Ende März aufgebraucht.

Um dem deutschen Mittelstand ein erfolgreiches Gegensteuern zu erleichtern, wurden verschiedene Förderprogramme etabliert. Effizienzsteigerung ist der einzig vernünftige Weg zu einer signifikanten CO2 -Reduzierung.

Das einfachste Einstiegstool in die Effizienzverbesserung ist die Energieberatung Mittelstand (EBM). Auf deren Grundlage können notwendige Maßnahmen getroffen werden.

Wie funktioniert die Energieberatung Mittelstand?

Zunächst muss ein unabhängiger Energieberater mit entsprechenden Qualifikationen und Erfahrungen gefunden werden. Das ist manchmal schwierig, weil die Berufsbezeichnung Energieberater nicht geschützt ist. Jeder Stromverkäufer nennt sich Energieberater. Es ist jedoch grundsätzlich kein Fehler, über den Energieeinkauf Kosten zu reduzieren. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass dadurch keine einzige Kilowattstunde weniger verbraucht wird. In vielen Fällen wird sogar mehr verbraucht, weil die Energie jetzt „billiger“ ist. Mit den eingesparten Mitteln kann man aber sehr gut die Energieberatung bezahlen, sodass dieser Prozess kostenneutral gestaltet werden kann.

Der Energieberater erledigt nun alle Formalitäten mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), damit die Beratung zu 80 Prozent gefördert wird. Diese hohe Förderung ist nicht zufällig, da ein großes Interesse daran besteht, die Klimaziele zu erreichen. Erst nach einem positiven Förderbescheid wird ein Beratervertrag abgeschlossen. Die Inhalte der Beratung sind in der DIN EN 16247-1 genau vorgegeben, und der Beratungsbericht wird anschließend auch vom BAFA geprüft.

Was ist der Inhalt einer solchen Beratung?

Der Unternehmer bekommt eine detaillierte Ist-Stand-Analyse. Auf Grund dieser Analyse werden Effizienzpotenziale aufgezeigt und für die entsprechenden Bereiche Veränderungsvorschläge unterbreitet. Alle Vorschläge sind mit einer Kostenschätzung und Amortisationsbetrachtung zu untermauern. 

Der Weg zur Energieeffizienz ist ein Prozess, der mit der Energieberatung Mittelstand lediglich beginnt. Weitere Schritte müssen folgen. Und auch hier gibt es wieder diverse Förderprogramme, die den Weg erleichtern. Für diese Förderprogramme müssen in der Regel die zu erwartenden CO2 -Reduzierungen ausgewiesen werden, weil sie maßgeblich für die Förderung sind. Die CO2 -Reduzierungen wurden ja im Rahmen der Energieberatung bereits berechnet, sodass sie verfügbar sind.

Eine weitere Möglichkeit für die kontinuierliche Verbesserung der energiebezogenen Leistung eines Unternehmens ist die Einführung eines Energiemanagementsystems nach DIN EN ISO 50001. Jeder Unternehmer kennt Managementsysteme. Das Energiemanagementsystem ist nach dem gleichen Schema aufgebaut. Wenn es konsequent angewendet wird, werden damit alle energierelevanten Prozesse überwacht und gesteuert, was zu einer erheblichen Effizienzsteigerung führen kann. Allerdings ist ein Energiemanager mit entsprechender Qualifikation erforderlich. Und das Energiemanagementsystem muss regelmäßig zertifiziert werden.

In allen Fällen sind sämtliche Energieträger eines Unternehmens ausführlich zu betrachten. Es geht also nicht nur um Strom und Gas, sondern auch um Pellets, Biomasse, Kohle oder Hackschnitzel. Auch die Eigenerzeugung durch Wind- und Sonnenenergie oder Blockheizkraftwerke fließen in die Betrachtung ein.

Ob ein Unternehmen seine Effizienz mithilfe eines externen Energieberaters und der geförderten Energieberatung Mittelstand steigert oder ob ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 eingeführt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren wie der Unternehmensgröße und externen Einflüssen ab. In bestimmten Branchen kann es vorkommen, dass als Lieferant nur zugelassen wird, wer ein Energiemanagementsystem eingeführt hat.

Im Zweifel sollte ein zertifizierter Energieberater zurate gezogen werden. Eine Erstberatung zur Entscheidungsfindung ist in der Regel kostenfrei.

 

  • Deutschland hat sein CO2 -Budget für 2018 schon Ende März aufgebraucht
  • Eine wirksame Reduzierung des Energieverbrauchs ist nur über Effizienzsteigerungen zu erreichen
  • Eine Energieberatung durch einen BAFA-gelisteten Berater kann zu 80 % gefördert werden

 


Reinhard Gütz
Präsident Motivation & Consulting Global n. e. V.
Mittelstandsberater im IBWF Institut für Betriebsberatung,
Wirtschaftsförderung und -forschung e. V.
www.mcg-consulting.de