Fachkräftesicherung im Fokus

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssen sich die politischen Rahmenbedingungen ändern.

Foto: BVMW
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„DER Mittelstand.“ sprach mit der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) darüber, was die Politik konkret tun kann. Der BVMW gehört der Fachkräfteallianz der Landesregierung an.

DER Mittelstand.: Wie viele Fachkräfte fehlen derzeit und in Zukunft in Baden-Württemberg, mit welchen wirtschaftlichen Auswirkungen muss gerechnet werden?

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut: Wir haben zurzeit Engpässe vor allem in technischen Berufen, IT und Pflege, beim Hoch- und Tiefbau und in einigen Handwerksberufen. Nach Berechnungen des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags beläuft sich der Engpass derzeit auf etwa 300.000, bis 2030 sollen über 500.000 Fachkräfte fehlen. Wenn die erfreulich gute Konjunktur weiter anhält, wird sich die Situation weiter zuspitzen. Außerdem wird sich der demografische Wandel auswirken, wenn in Kürze die Baby-Boomer-Generation in Rente geht. Alles in allem kann das heißen, dass Aufträge abgelehnt oder die Entwicklung von Innovationen zurückgestellt werden muss. Beides kann sich auf den Wohlstand des Landes auswirken. Deshalb haben wir die Fachkräftesicherung seit langem im Blick und arbeiten in der Fachkräfteallianz mit mittlerweile über 40 Partnern an Lösungen für diese Zukunftsaufgabe.

Seit wann gibt es die Fachkräfteallianz, und welche Themenschwerpunkte hat sie?

Die Fachkräfteallianz wurde 2011 gegründet und hat mittlerweile elf Mal getagt. Ziel ist es, einen Beitrag zur Sicherung des Fachkräfteangebots zu leisten, insbesondere in den mittelständischen Unternehmen und Einrichtungen des Landes. Im Fokus stehen die inländischen Potenziale, beispielsweise die Stärkung der beruflichen Ausbildung, der Ausbau der beruflichen Weiterbildung und die Qualifizierung von an- und ungelernten Personen zu Fachkräften. Auch die Integration von Geflüchteten in die Arbeitswelt sowie die Fachkräftesicherung in den IT-Berufen gehören zu unseren zentralen Handlungsfeldern. Denn laut einer von uns in Auftrag gegebenen Studie wird sich die Zahl der fehlenden IT-Fachkräfte von derzeit 3.000 auf etwa 6.700 im Jahr 2030 verdoppeln.

Mit welchen konkreten Maßnahmen kann die Landesregierung gerade Mittelständler beim Personal unterstützen?

Neben unserer Förderung in der Aus- und Weiterbildung haben wir im ganzen Land neun Welcome Center etabliert, die Anlaufstellen für internationale Fachkräfte und für Unternehmen sind. Sie unterstützen bei der erfolgreichen Integration in die baden-württembergische Wirtschaft. Und wir haben zusätzlich regionale Fachkräfteallianzen aufgebaut, um die Aktivitäten vor Ort und in der Fläche des Landes zu unterstützen.

 

Das Interview führte Dr. Ulrich Köppen.