Telemedizin und elektronische Patientenakte: Für eine gesunde Zukunft

Das Bundesministerium für Gesundheit plant ein neues Gesetz für eine bessere digitale Versorgung. Doch was bedeuten Telemedizin und elektronische Patientenakte? Wie kann der Mittelstand hier profitieren?

Bietet Telemedizin eine Chance für Versicherte und Unternehmer?

Telemedizin ist ein Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte. Es sollen medizinische Leistungen in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sowie bei der ärztlichen Beratung über räumliche Entfernungen oder zeitlichen Versatz hinweg erbracht werden. Dafür werden Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt. Telemedizinische Methoden finden einen zunehmend breiten Einsatz in der Patientenversorgung und decken nahezu alle medizinischen Fachbereiche ab. Damit erweitern sie die deutsche Medizin um substanzielle Anwendungen und Projekte, von der in der Praxis sowohl Patienten als auch Behandelnde profitieren. Mit der 2018 auf dem Ärztetag beschlossenen Liberalisierung hinsichtlich der Fernbehandlung stehen der Implementierung der Innovation Zeiten des Erprobens in der Praxis bevor.

In Deutschland herrscht zwar per se kein Ärztemangel. Die tatsächlichen Ärztezahlen steigen sogar, aber die Verteilung auf Stadt und Land ist äußert unregelmäßig. Insbesondere die Facharztdichte auf dem Land ist teilweise alarmierend. Hinzu kommt, dass über 55% der niedergelassenen Ärzte in Deutschland bereits 50 Jahre und älter sind. Für diese Praxen im ländlichen Raum wird es enorme Nachfolgeschwierigkeiten geben.

Hier kann die Telemedizin eine Chance für eine bessere Versorgung auf dem Land bieten. Die telemedizinische Versorgung kann behandelnde Ärzte zwar nicht komplett ersetzen, sie bietet jedoch vor allem für die fachärztliche Betreuung eine wichtige Erweiterung. Die Kooperation zwischen Fachmedizinern und Ärzten vor Ort sorgt für eine bessere Überwachung der Patienten. Dies entlastet sowohl die örtlichen Praxen als auch überlaufene Notfallambulanzen. Durch gezielte Schulung der Ärzte können Berührungsängste der Patienten beim digitalen Kontakt abgebaut werden. Die Telemedizin birgt somit eine echte Chance für die Verbesserung der Lebensqualität sowie der Versorgungslage im ländlichen Raum und damit auch für viele Mittelständler, ihre Beschäftigten und deren Familien die häufig dort ansässig sind. Wichtig wäre es jedoch, neben den medizinischen Leistungserbringern auch Unternehmen mit in das System der Telematik einzubeziehen. Die neuen Technologien sollen in Kooperation mit den Arbeitgebern für eine Ausweitung der Prävention genutzt werden. Ein Umdenken weg von der reinen Versorgung von Kranken, hinzu einer aktiven Förderung der Gesundheit ist längst überfällig. Präventive Maßnahmen bergen Kostenvorteile für die Krankenkassen. Sie entlasten aber auch den Mittelstand durch verminderte Fehlzeiten. Die Grenzen der Telemedizin sind noch nicht erreicht und sollten sowohl zum Vorteil von Unternehmen als auch Patienten genutzt werden.

Die elektronische Patientenakte kommt

Ein weiterer wichtiger Schritt hin zur digitalen Gesundheitswelt ist die neue elektronische Gesundheitsakte. Geplant ist eine digitale Krankenakte, in der alle Gesundheitsdaten eines Patienten, wie beispielsweise Blutwerte, Röntgenbilder etc. abgespeichert sind. Die Freigabe der Daten erfolgt freiwillig durch den Versicherten und muss freilich auf Datenschutz-Standards beruhen. Das Ziel dahinter ist eine Effizienzsteigerung im Gesundheitssystem. Es sollen dadurch Doppeluntersuchungen vermieden werden. Denn weiter behandelnde Ärzte können auf die Patientenhistorie zugreifen. Dies spart Kosten ein und erspart es Patienten frühere Befunde zusammentragen zu müssen.

Die einheitliche Gesundheitsakte soll bis spätestens zum 01. Januar 2021 für alle Versicherten eingeführt werden. Aktuell gibt es mehrere Anbieter je nach Krankenkasse, bei denen der Patient bereits per App auf die Gesundheitsdaten zugreifen kann.

Für den Mittelstand geht die Einführung der elektronischen Patientenakte, welche lediglich medizinischen Leistungserbringern Zugang gewährt, nicht weit genug. Mittelständischen Unternehmen stehen insbesondere auch bei Gesundheitsfragen, wie beispielsweise Krankmeldungen, große bürokratische Hürden gegenüber. Deshalb sollte die Krankmeldung vom behandelnden Arzt automatisch an die Versicherung wie auch den Arbeitgeber übermittelt werden. Dies entlastet den zu diesem Zeitpunkt kranken Arbeitnehmer und mindert die Bürokratie für den Arbeitgeber. Deshalb ist eine Einführung von E-Lösungen im Gesundheitsbereich neben der Gesundheitsakte dringend notwendig. Krankenkassen wie auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen hier zusammenarbeiten. Dies schmälert den bürokratischen Aufwand für die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden. Zudem werden die Kosten für die Krankenkassen durch eine effizientere Verwaltung gesenkt.

Der BVMW setzt sich für eine digitale Gesundheitsversorgung ein

Für den Mittelstand ist eine Verbesserung der digitalen Gesundheitsversorgung ein wichtiges Anliegen. Hierfür setzt sich die Kommission für Gesundheit im Mittelstand ein. Das Bundesgesundheitsministerium plant ein Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation (DVG).

Um auch die Stimme des Mittelstands in dieser Frage der Gesundheitspolitik zu vertreten, reichte der BVMW gemeinsam mit dem Krankenhaus Kommunikations Centrum (KKC), Partnerverband der Mittelstandsallianz, eine Stellungnahme zum genannten Gesetzesentwurf ein. Die Stellungnahme wurde maßgeblich von der Bundeskommission „Gesundheit im Mittelstand“ erarbeitet.

Für den Mittelstand ist hier insbesondere von Bedeutung, dass die geplanten Maßnahmen zu keiner steigenden finanziellen Belastung führen. Angesichts der Rückkehr zu einer paritätischen Aufteilung der Krankenkassenbeiträge zu Beginn dieses Jahrs und der Prognosen über steigende Prämien, ist die Ungewissheit über die Höhe der zusätzlichen Kosten unverantwortlich.