Betriebliche Gesundheitsförderung: für ein gesundes Unternehmen

Betriebliches Gesundheitsmanagement kann ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Arbeitsmarkt sein. Im Kampf um Fachkräfte müssen sich Unternehmen hier besonders profilieren. Wie könnte die betriebliche Gesundheitsförderung in KMU ausgestaltet werden?

Der Trend geht zu mehr betrieblicher Gesundheitsförderung

Das Interesse von Unternehmen betriebliche Gesundheitsförderung zu nutzen hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Es zeigt sich aber ein Unterschied zwischen Großkonzernen und kleinen und mittleren Unternehmen. Die ungleiche Nutzung von betrieblicher Gesundheitsförderung ist in erster Linie auf die Struktur der jeweiligen Unternehmen zurückzuführen. Durch unterschiedliche personelle und organisatorische Gegebenheiten, muss das Thema mit verschiedenen Konzepten angegangen werden. 

Neben der nicht vorhandenen Präventionsstruktur fehlen häufig die Kenntnisse über die Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung. Bei mittelständischen Betrieben, gerade den kleineren, ist die Geschäftsführung operativ oft stark eingebunden. Es fehlt einfach die Zeit, sich ausgiebig mit dem Thema auseinanderzusetzen. 

Betriebliche Gesundheitsförderung – eine Abwägung von Kosten und Nutzen

Einerseits können kleine und mittlere Unternehmen aber durch die betriebliche Gesundheitsförderung attraktiver für Arbeitskräfte werden – denn ein ausgearbeitetes Gesundheitsmanagements-Konzept kann ein wichtiger Baustein für ein erfolgreiches Employer-Branding sein und die Attraktivität von Unternehmen erheblich steigern; andererseits müssten Informationen und Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung besser in Richtung kleiner und mittlerer Unternehmen kommuniziert und vermittelt werden, um diese überhaupt dafür zu sensibilisieren. Eine solche Entwicklung ist bisher nicht festzustellen. Zusätzlich ist der bürokratische Aufwand im Vergleich zum Nutzen noch sehr hoch.

Um zum Beispiel die Kosten für einen Sportkurs erstattet zu bekommen, muss dieser Kurs zertifiziert sein. Weiterhin müssen sowohl eine detaillierte Kursbeschreibung als auch Teilnahmebestätigungen und Rechnungen ausgestellt werden. Das ist aufwändig und stellt eine große bürokratische Hürde dar. Insbesondere Klein- und Kleinstunternehmen haben dafür nicht die personellen Kapazitäten. Somit legt man in Firmen mit wenig Beschäftigten keinen großen Wert auf das Beantragen der betrieblichen Gesundheitsförderung; schon gar nicht, solange der Aufwand so schwer abzuschätzen bleibt. Ohnehin stiegen die Kosten der deutschen Wirtschaft durch Bürokratiebelastung im Jahr 2018 auf mittlerweile 50 Milliarden Euro. 

Ein weiterer Faktor, der ins Geld geht, sind die Ausgaben für Gesundheit in Deutschland. Im vergangenen Jahr beliefen sich diese auf mehr als 4900 Euro pro Person. Im Vergleich zum Jahr 2016 bedeutet dies einen Anstieg um 600 Euro je Versicherten. Die Prognosen gehen für die Zukunft davon aus, dass die Kosten in diesem Bereich weiter steigen werden. Mehr als elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts fließen inzwischen in das Gesundheitssystem. Darunter würde insbesondere der Mittelstand leiden, da dieser von den wachsenden Sozialausgaben am stärksten betroffen ist. Um aber die Wettbewerbs- und Wirtschaftsfähigkeit des Landes nicht aufs Spiel zu setzen, darf die 40-Prozent-Marke beim Sozialversicherungsbeitrag nicht überschritten werden.

Prävention als Maßnahme: Zur Förderung der Gesundheit.

Allgemein müsste ein neuer Weg im Gesundheitsmanagement eingeschlagen werden: Weg von der reinen Versorgung von Kranken; hin zur aktiven Förderung der Gesundheit. Der BVMW unterstützt diesen Ansatz aus mehreren Gründen. Eine erfolgreiche betriebliche Gesundheitsförderung hat positive Effekte auf den Gesundheitszustand der Mitarbeiter und verhindert unter Umständen teure Operationen. Für die Verbesserung der Prävention müssen den Krankenkassen jedoch in Zukunft höhere Investitionen in die Gesundheitsvorsorge erlaubt sein. Jede Verringerung von krankheitsbedingten Ausfällen nützt auch den Arbeitgebern mittelständischer Betriebe. Letztlich sinken langfristig auch die Lohnnebenkosten, was einen weiteren Vorteil für die Arbeitgeber darstellt.

Enge Kooperation zwischen mittelständischen Unternehmen und Krankenkassen

Konzepte der betrieblichen Gesundheitsförderung sollten speziell auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnitten sein, damit deren Strukturen besonders berücksichtigt werden. Denkbar wäre, dass Krankenkassen gezielt bei der Ausarbeitung individueller Konzepte unterstützen und Betriebe so zur Entscheidungsfindung verhelfen.

Um die finanzielle Hemmschwelle bei Unternehmen zu senken, können Krankenkassen auf KMUs zugeschnittene Tarife anbieten. Bei der Bereitschaft zur Zusammenarbeit profitieren beide Seiten durch den Austausch. Für KMUs hätte es den Vorteil, dass bürokratische Hürden durch die bestehende Kooperation abgebaut werden würden. Im Krankheitsfalle werden dann sowohl die Arbeitgeber als auch -nehmer entlastet. Die Krankenkassen wiederum würden von einer effizienteren Verwaltung und den dadurch sinkenden Kosten profitieren.

Weiterhin können kleine und mittelständische Unternehmen untereinander Netzwerke aufbauen. Diese dienen dazu sich über Erfahrungen auszutauschen; oftmals gelingt es so, gemeinsame antworten für Probleme zu finden. Im Rückgriff auf diese Netzwerke können auch Kontakte zu Gesundheitsträgern aufgebaut werden, die ihrerseits die jeweiligen Angebote auf KMUs zuschneiden können.

Bei der Frage nach guten Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind auch die Interessen der Arbeitnehmer relevant. In Absprache mit ihnen können der jeweiligen Leistungspakete angepasst werden.  Neben einer Senkung der Krankenstände könnte das auch zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit führen. Durch die betriebliche Gesundheitsförderung leistungsfähige, motivierte und gesunde Beschäftigte bringen den Mittelstand voran.