6 Finanzierungstipps für Mittelständler

Besonders kleinere Betriebe tun sich oft schwer, eine passende Finanzierung zu finden – zuerst müssen mögliche Kreditgeber von ihrer Kreditwürdigkeit überzeugt werden. Postbank-Experte Reiner Ramacher gibt Tipps zur erfolgreichen Finanzierung.

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Tipp 1: Vorausschauend und transparent planen. Alle Finanzdienstleister sind verpflichtet, sich mit der Bonität ihrer Kunden eingehend zu befassen. Die Analyse wird sowohl auf Basis der zurückliegenden Jahresabschlüsse als auch von Planungsunterlagen zukunftsorientiert durchgeführt. Neben einer aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertung sollten Unternehmen eine Mehrjahresplanung und einen Investitionsplan ausarbeiten. Sie können sich dabei von einem externen Berater oder einem Steuerberater/Wirtschaftsprüfer unterstützen lassen.

Tipp 2: Finanzierungsalternativen prüfen. Auch kleinen und mittleren Unternehmen steht eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben Mittelstandskrediten können das Leasing oder Factoring sein. Bei Wachstumsfinanzierungen kann auch eine eigenkapitalähnliche Finanzierungsform (Mezzanine) sinnvoll sein. Zu den Möglichkeiten des Leasings informiert der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen unter www.bdl.leasingverband.de. Informationen zum Thema Factoring gibt es beim Deutschen Factoring-Verband unter www.factoring.de.

Tipp 3: Fördermittel einbeziehen. Besonders attraktiv sind Fördermittel im Bereich der „verlorenen Zuschüsse“ oder mit Haftungsfreistellung durch das Förderinstitut. Zu Förderkrediten informieren Banken, da die Mittel in der Regel durch eine vom Unternehmer ausgewählte Bank durchgeleitet werden. Weitergehende Informationen bietet die KfW (www.kfw.de) oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de).

Tipp 4: Kreditgeber mit historischen Besicherungssituationen. In solchen Fällen sollte eine Neustrukturierung der Passivseite in Erwägung gezogen werden. Es empfiehlt sich, mehrere Banken anzusprechen, ein ganzheitliches Finanzierungskonzept vorzustellen. Durch eine Neustrukturierung verschaffen sich Unternehmer oftmals verbesserte Finanzierungsstrukturen und erhöhen ihre Liquidität.

Tipp 5: Rating kennen. Das Rating ist maßgeblich für die Kreditvergabe und beeinflusst unmittelbar die Konditionen. Im Mittelstandsgeschäft erfolgt es in der Regel durch das jeweilige Kreditinstitut. Unternehmen sollten ihre Banken nach ihrem Rating fragen und sich die wesentlichen Einflussfaktoren erklären lassen. Denn nur, wer sein Rating kennt, hat die Möglichkeit, es zu verbessern. Um Ratings verschiedener Institute beurteilen zu können, hat die Fachgruppe Finanzierung-Rating im Bundesverband freier Berater eine umfassende Information erarbeitet. Sie kann im Infobereich unter www.kmu-berater.de kostenlos heruntergeladen werden.

Tipp 6: Bonität verbessern. Unternehmen sollten auch ihre Bonität "planen" und wesentliche Kennzahlen (Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad oder Umsatzrentabilität) mit einer Ambition für die Zukunft versehen. Ziel sollte es sein, eine Eigenkapitalquote von 30 bis 35 Prozent aufzuweisen. Gewinnthesaurierungen oder das Einbringen von Gesellschafterdarlehen sind hier geeignete Maßnahmen. Die Umsatzrentabilität hängt unter anderem von der Branche ab, im produzierenden Gewerbe etwa sollte diese als Ziel bei zehn Prozent liegen. Beim Verschuldungsgrad wird die Gesamtverschuldung ins Verhältnis zum EBITDA gesetzt. Positiv auf die Bonitätskennzahlen kann sich auch der Einsatz von „bilanzschonenden Finanzierungsalternativen“ wie zum Beispiel Factoring oder Förderkrediten mit Haftungsfreistellung (siehe Tipp 2) auswirken.

Quelle: Postbank

Gut zu wissen

Infos zu Finanzierungsformen:

www.bdl.leasingverband.de

www.factoring.de

www.kfw.de

www.bafa.de

www.kmu-berater.de

 

Reiner Ramacher

Bereichsvorstand Geschäfts- und Firmenkunden bei der Postbank.


www.postbank.de/mittelstand