5 Fallstricke bei der Unternehmensnachfolge

Auch 2019 stehen laut den Daten des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) hierzulande etwa 30.000 Unternehmensübergaben in Familienunternehmen an. Auf dem Weg zur erfolgreichen Nachfolgeregelung gibt es eine Vielzahl von Fallstricken.

Für viele Mittelständler stellt die Nachfolgeregelung ein großes Problem dar. Daher sollte man wissen, welche Fallstricke bei der Unternehmensnachfolge lauern. Die fünf häufigsten sind:

  1. Der richtige Zeitpunkt
    Für den Senior ist die Nachfolge auch ein Prozess des persönlichen Loslassens. Viele Unternehmer verweilen im Unternehmen, weil sie keinen Plan B haben, wie ihr Leben ohne das Familienunternehmen aussehen könnte. Das verzögert die Nachfolge, nimmt dem Nachfolger Autorität und blockiert neue Impulse, die für das Familienunternehmen förderlich sein könnten.
  2. Familienfrieden vs. unternehmerischer Erfolg
    Eine Familie ist im Gegensatz zu einem Unternehmen nicht auf Erfolg ausgerichtet. So ist es nachvollziehbar, dass Eltern ihre Kinder gerecht behandeln wollen. Das mag ein Garant für den familiären Frieden und Harmonie sein, ist jedoch im unternehmerischen Kontext keiner für Erfolg. Typischer Fall: Ein Kind wird als Nachfolger eingesetzt, obwohl es offensichtlich für die Geschäftsführung ungeeignet ist – und niemand will es aussprechen.
  3. Ausschließlich Steueroptimierung
    Die Nutzung steuerlicher Freibeträge ist ein guter Grund, um Anteile zu übertragen. Verschenkt der Senior seine Firmenanteile jedoch nur aus steuerlichen Gründen, hat vielleicht oberflächlich eine Nachfolge stattgefunden. Doch wenn der Senior seine Anteile nur mit bestimmten Auflagen abgibt, um weiterhin die Geschicke der Firma zu leiten, untergräbt er die Autorität seines Nachfolgers.
  4. Die Belange der weiteren Familienmitglieder
    Welche Rolle übernehmen die angeheirateten Familienmitglieder? Können diese Gesellschafter des Unternehmens werden, oder bleibt ihnen die Rolle des Zuschauers? Werden die Interessen der Familienmitglieder im Nachfolgeprozess nicht berücksichtigt, kann das die Zukunft des Unternehmens gefährden.
  5. Gewöhnung für die Mitarbeiter
    Der Generationswechsel in der Chefetage geht oft mit einer neuen Unternehmens- und Führungskultur einher. Während beispielsweise der Senior-Familienunternehmer die Rolle eines Patriarchen verkörpert, führt sein Nachfolger mit flachen Hierarchien. An diese Veränderungen müssen sich die Mitarbeiter erst gewöhnen.
    Zwei konkrete Maßnahmen empfehlen sich, um Familienunternehmen sicher durch das unruhige Meer der Unternehmensnachfolge zu manövrieren:
    • Zeitige Planung
      Der Prozess der Unternehmensnachfolge ist langwierig. Es gilt, rechtliche, steuerliche, finanzielle und persönliche Fragen zu klären. Erstellen Sie einen Zeit- und Fahrplan für den Nachfolgeprozess.
    • Durch Beratung Streit vermeiden
      Während des Nachfolgeprozesses sind Konflikte absehbar. Rechtliche oder steuerliche Fragen können ein Risiko für den Generationswechsel darstellen. Hinzu können innerfamiliäre Konflikte kommen, deren Klärung unabdingbar für die Sicherung des Familienfriedens und der Unternehmenszukunft sind. Diese Klippen in der Nachfolge lassen sich am besten mit professioneller Unterstützung umschiffen.

 

Gut zu wissen

 

  • Bei der Unternehmensnachfolge lauern zahlreiche Fallstricke, die es zu kennen und zu lösen gilt

  • Neben dem richtigen Zeitpunkt sind unter anderem die Belange der Familie und die Gewöhnung der Mitarbeiter relevante Aspekte

  • Es empfehlen sich eine zeitige Planung und professionelle Unterstützung bei der Nachfolge

 

Carola Jungwirth

Rechtsanwältin

BVMW-Mitglied

Mitglied Expertenkreis Unternehmensnachfolge

www.Jungwirth-Nachfolgeberatung.de

 

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