Unternehmensnachfolge und Vorsorge

Die Experten aus der BVMW-Kommission Unternehmensnachfolge informieren mittelständische Unternehmen über Neuigkeiten aus ihrem Bereich und geben Tipps. Diesmal zu folgendem Thema: Unternehmensnachfolge und Vorsorge

Wer bei der Unternehmensnachfolge über Vorsorge nachdenkt, hat zumeist die Altersversorgung im Blick. Der Begriff ist bei näherem Hinsehen jedoch zu erweitern um Todesfallschutz (Familie und Mitinhaber), Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und Invalidität sowie die Gehaltsfortzahlung im Fall einer längeren Erkrankung. Diese Teilaspekte wollen konzeptionell wohl geordnet sein und daher ergibt sich erheblicher Bedarf an Beratung und Markt-Transparenz. Je nach beruflicher Tätigkeit des Nachfolgers bzw. Risikoeinordnung durch die Versicherer gehen die Beiträge um bis zu 300 Prozent auseinander.

Weiterer Beratungsbedarf besteht mit Blick auf den/die abgebenden Unternehmer. Der Wert der Firma kann ganz erheblich belastet sein durch die Vorsorge des „Abgebers“. Besonders extrem wirkt sich das in der Bilanz aus wenn dessen Vorsorge in Gestalt von innenfinanzierten Pensionszusagen organisiert ist. Das bedeutet Verbindlichkeiten gegenüber dem Abgeber solange er lebt. In den meisten Fällen reichen die gebildeten Pensionsrückstellungen nicht aus. Aber auch Konzepte mit Rückdeckungsversicherung können zum Problem werden wenn sich gutachterlich herausstellt, dass die Versicherungen nicht ausreichen, z.B. wegen schlechter Verzinsung.

Der Nachfolger hat nun je nach Rechtsform der Firma unterschiedliche Möglichkeiten seine eigene Vorsorge – je nachdem wie umfassend er sie versteht zu organisieren.

Als Einzelkaufmann oder Anteilseigner einer Personengesellschaft sind ihm die Durchführungswege der betrieblichen Vorsorge verwehrt und es bleibt lediglich die Basisrente, diese evtl. in Kombination mit einer Berufsunfähigkeitsabsicherung. Der Beitrag ist steuerlich ansetzbar, wenn die Kosten der BU nicht mehr als 50 Prozent betragen. Möglichkeiten der Befreiung aus der Gesetzlichen Rentenversicherung (DRV) sollten geprüft werden.

Weitere Komponenten der Vorsorge können zu top Konditionen aus dem Markt selektiert werden.

Für GmbH Gesellschafter-Geschäftsführer (GGF) und Vorstände von Aktiengesellschaften hingegen stehen alle Durchführungswege zur Verfügung und bedürfen eines Beschlusses im Vorstand bzw. der Gesellschafterversammlung. Bei Bankvorständen ist zusätzlich die Zustimmung des Bundesaufsichtsamtes für Finanzdienstleistungen (Bafin) erforderlich.

Hier kann die Vorsorge im Baukasten-System organisiert werden, beginnend mit der Direktversicherung, in die bis zu 8 Prozent der BBG einfließen können, einschließlich Kosten für BU und Todesfallschutz. Übersteigende Zuwendungen können in eine Unterstützungskasse gehen. Zu beachten ist dabei, dass Höchstgrenzen nicht überschritten werden. Das Maß der Angemessenheit liegt bei 75 Prozent des heutigen Einkommens. Ein alternativ gern gewählter, aber nicht so flexibler Weg ist die GGF – Versorgung, in der wie in der Pensionsvereinbarung für Vorstände Altersbezüge, BU Schutz und Hinterbliebenenabsicherung gestaltet werden können – vorbehaltlich der Zustimmung durch das Betriebsstätten-Finanzamt. 

Ein letzter Aspekt ist der Blick des Nachfolgers auf das Vorsorgekonzept seiner neuen Fima. Neue Besen kehren bekanntlich gut. Ist das Vorsorgeangebot für die Mitarbeiter noch marktgerecht und attraktiv? Eine jahrzehntelange Geschäftsbeziehung des Abgebers zu einem Versicherungsvertreter sollte dringend überprüft werden.  Sind die Regelungen des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes beachtet und werden dessen Optionen genutzt ?

Das Thema Unternehmensnachfolge und Vorsorge ist mehrdimensional und eröffnet viele Beratungsfelder. Dank Digitalisierung über papierlose Portale können Prozesse effizient umgesetzt werden.

 

Stefan Albrecht v. Dewitz, Bochum

Lizenzierter Berater für betriebl. Altersvorsorge

MLP Finanzberatung SE in Bochumhttp://www.mlp-bav.de  

https://mlp-bochum.de/team/profile/stefan-albrecht-von-dewitz/

 

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