Unternehmensnachfolge – bunter Blumenstrauß an Varianten

Es gibt viele Varianten, ein Unternehmen zu übergeben: es familienintern weiterzureichen, extern verwalten zu lassen oder ausgewählten Mitarbeitern zu verkaufen. Wir zeigen die jeweiligen Chancen und Risiken auf.

Welche Variante ist die richtige? Je nach Situation eignen sich unterschiedliche Wege.

Eine der größten Herausforderungen für viele Mittelständler ist es, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Bis Ende 2020 suchen rund 227.000 Mittelständler hierzulande einen Nachfolger für ihr Unternehmen, berichtet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Damit sei die Zahl der Chefs, die ihre Firma innerhalb von zwei Jahren in die Hände eines Nachfolgers geben wollen, weiterhin sehr hoch.  

Dabei sind die Möglichkeiten, das Unternehmen an einen oder mehrere Nachfolger zu übergeben, vielfältig. Die meisten Eigentümer prüfen zunächst die familieninterne Nachfolge. Dabei ist es von Vorteil, dass es viele attraktive, steueroptimierte Lösungen gibt. Zudem kommt ein bekanntes Familienmitglied bei Kunden und Lieferanten häufig gut an. Der Nachteil ist allerdings, dass ein zu starker Fokus auf Steueraspekte den Blick auf das eigentliche Ziel, den langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern, verstellen kann. Fraglich ist auch, ob der Nachfolger sich wirklich von den Vorstellungen des Seniors frei machen kann. Und: Scheitert eine familieninterne Nachfolge doch, kann dies negative Folgen in der öffentlichen Wahrnehmung haben.

MBI – der große Vorteil der Innovationskraft

Kommt eine familieninterne Nachfolge nicht infrage, existieren noch weitere Möglichkeiten, ein Unternehmen zu übergeben.

Zu nennen ist hierbei der Management-Buy-In (MBI), also die Übernahme der Firma durch ein externes Management. Die neuen Führungskräfte erwerben, häufig unterstützt durch Banken oder Eigenkapitalinvestoren, die Mehrheit oder sogar 100 Prozent der Firma. Fremdinvestoren werden oft miteinbezogen, um die Übernahme stemmen zu können. Das bisherige Management wird im weiteren Verlauf häufig durch das MBI-Management ausgetauscht.

Größter Vorteil dieser Nachfolgevariante ist die Stärkung der Innovationskraft: Die neuen Manager, teilweise aus anderen Branchen kommend, bringen Ideen mit, auf die kein interner Mitarbeiter kommt. Interessiert an einem MBI sind häufig Führungskräfte aus größeren Unternehmen oder Konzernen. Gerade deren langjährige Managementerfahrung macht sich häufig im Mittelstand bezahlt – geht es doch häufig darum, das Unternehmen zu expandieren.

Die größte Herausforderung bei einem Management-Buy-In ist das Matching zwischen dem übernahmewilligen Unternehmer und dem passenden Nachfolge-Kandidaten. Wenn nämlich die Übernahme scheitert, besteht die Gefahr, dass die neuen Manager Insiderinformationen mitnehmen oder sogar gegen die Firma verwenden.

MBO – der Vorteil der geringen Einarbeitungszeit

Eine weitere Möglichkeit, das Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben, ist der sogenannte Management Buy-out (MBO). Bei dieser Nachfolgeform setzt sich der Käuferkreis aus Mitarbeitern des Unternehmens zusammen. Das sorgt häufig für einen Motivationsschub in der ganzen Belegschaft, da jeder Einzelne unter Umständen die Chance bekommt, die Firma zu führen. Zudem ist die Einarbeitungszeit der neuen Eigentümer geringer als bei neuen Managern.

Ein weiterer Vorteil ist, dass Rekrutierungskosten wegfallen. Aus Sicht des Alteigentümers kann es sinnvoll sein, im Vorfeld mehrere Kandidaten, die infrage kommen, an der Firma in kleinem Maße zu beteiligen. Der Nachteil ist dabei allerdings, dass die Eigenkapitaldecke des neuen Managements für den Kauf meist nicht ausreicht, so dass weitere Kapitalgeber gesucht werden müssen.

Fremdmanagement: Das Beispiel Haniel


Eine weitere Möglichkeit ist es, ein Fremdmanagement einzuführen. Wie etwa bei der Haniel-Gruppe bedeutet dies, dass Führung und Kapital getrennt werden. Diese Variante unterscheidet sich von einem Management-Buy-In dadurch, dass der Fremdmanager keine Anteile am Unternehmen übernimmt. Diese Option wird etwa praktiziert, wenn Familienangehörige noch nicht reif genug sind, diese Verantwortung zu übernehmen.

Auch kann die Inhaberfamilie bei dieser Option weiterhin die Strippen ziehen und muss sich nicht von ihrem Unternehmen trennen. Zudem kann sie Fremdmanagern jederzeit kündigen und eigene Mitarbeiter als Geschäftsführer einsetzen.

Stiftung: Steuerlicher Vorteil, Kontrolle behalten

Eine Stiftung bleibt meist länger auf dem Markt. Bei dieser Nachfolgeform steht die Erhaltung des Unternehmens an erster Stelle. Von Vorteil ist diese Möglichkeit auch in steuerrechtlicher Hinsicht, weil im Gegensatz zu einer Schenkung die Erbschaftssteuer umgangen werden kann. Den Stiftungszweck legt zumeist der ausscheidende Unternehmer fest. Auch nach dessen Tod kann dieser Zweck nicht modifiziert werden. Dies garantiert die Langlebigkeit des Unternehmens.

Die Gründungsfamilie kann dennoch großen Einfluss auf die Firmenstrategie ausüben, da sie häufig Sitze im Beirat übernimmt. Auch kann die Familie die Stiftungssatzung so anpassen, dass familienexterne Manager an der Spitze nicht völlig uneingeschränkt handeln können.

Unternehmensbörsen: Marktplatz für An- und Verkäufer

In Bezug auf die Firmennachfolge kommen Online-Unternehmensbörsen eine immer größer Bedeutung zu.. Hier sind Unternehmen aus allen Branchen gelistet, die gekauft oder verkauft werden können. Das erleichtert eine effektive, anonyme und unkomplizierte Kontaktaufnahme. Suchen lassen sich nach Faktoren wie Region, verfügbares Budget, Umsatz und vielem mehr ausrichten. Auf diesen Marktplätzen ist das Angebot an Unternehmen, die einen Käufer suchen, meist groß, so dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, einen passenden Nachfolger zu finden.  

 

Autor:
Nicolas Rädecke, geschäftsführender Gesellschafter DUB.de