Guter Journalismus kostet Geld – egal auf welchem Kanal

Der Aufschrei traf uns unvorbereitet und war groß: In Thüringen könnte es schon bald keine gedruckten Tageszeitungen mehr geben. Das meldete zumindest der MDR im Frühjahr.

Die Funke Mediengruppe, zu der auch die Mediengruppe Thüringen gehört, plane im Freistaat einen Umstieg auf rein digitale Nachrichtenangebote. E-Paper statt Altpapier also?

Um es gleich klarzustellen: Dem ist nicht so. Unser Medienhaus wird noch lange Tageszeitungen und Anzeigenblätter wie die „Thüringer Allgemeine“, „Ostthüringer Zeitung“, „Thüringische Landeszeitung“ und den „Allgemeinen Anzeiger“ drucken. Ein Ende ist nicht abzusehen und schon gar nicht unser Ziel. Denn Tatsache ist: Für viele – und nicht nur für ältere – Menschen gehören der Gang zum Briefkasten und die Zeitungslektüre noch immer zum morgendlichen Pflichtprogramm. Eine Zeitung hat einen Anfang und ein Ende, man liest konzentrierter, und es ist einfach ein anderes Gefühl, eine Zeitung in der Hand zu halten und das Rascheln beim Umblättern zu hören, als auf einem Glasdisplay mit dem Finger zu wischen.
Tatsache ist aber auch, dass immer weniger Menschen dazu bereit sind, für die Leistungen, die Medienhäuser erbringen, Geld zu bezahlen. Dabei geht es nicht nur um die rein journalistische Leistung. Seit einigen Jahren haben sich die Kosten für die Zustellung der Zeitung durch höhere Mindestlöhne und Nachtzuschläge mindestens verdreifacht. In Thüringen kommt erschwerend hinzu, dass wir mit zahlreichen anderen großen Logistikunternehmen wie DHL oder Amazon um einen immer kleiner werdenden Pool an potenziellen Mitarbeitern konkurrieren. Es wird also nicht nur teurer, sondern auch immer schwieriger, geeignete und zuverlässige Zusteller zu finden.

In besonders ländlichen Regionen, in denen die Haushalte, die von unseren Zustellern angefahren werden müssen, teils mehrere Kilometer voneinander entfernt sind, zahlen wir längst drauf. Dort ist unser Geschäft unprofitabel geworden. Deshalb testen wir in ausgewählten Orten verschiedene Alternativen wie die zentrale Zustellung in Zeitungsboxen oder eine Umstellung auf rein digitale Angebote. In diesem Zuge wäre es für uns eine große Erleichterung, wenn die Mobilfunknetze endlich flächendeckend ausgebaut würden.

Wir müssen profitable neue Geschäftsmodelle entwickeln

So oder so müssen wir uns aber grundsätzliche Gedanken darüber machen, wie wir unser Geschäftsmodell transformieren und zukunftssicher aufstellen können, um auch in Zukunft eine flächendeckende Versorgung mit hochwertigen journalistischen Inhalten sicherstellen zu können.
Eine Lösung liegt natürlich in der immer stärker voranschreitenden Digitalisierung: Ein E-Paper muss nicht aufwendig gedruckt und händisch verteilt werden, Nachrichten-Apps und Websites sprechen neue, auch jüngere Zielgruppen an. Der Informationsfluss wird dank der Digitalisierung deutlich schneller, die Kommunikation mit unseren Leserinnen und Lesern viel direkter. Genau darin liegt aber eine riesige Chance, die die klassischen Printmedien viel zu lange ignoriert haben. Daher prüfen wir, über welche Kanäle wir welche Inhalte verbreiten können, und wie sich daraus profitable neue Geschäftsmodelle entwickeln lassen.
Denn eines darf man nicht vergessen: Die Mediengruppe Thüringen ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das nicht über Gebühren finanziert wird und daher den Gesetzen des freien Marktes unterliegt.

Politik muss eine moderne Infrastruktur aufbauen

Trotzdem sind wir uns selbstverständlich unserer Verantwortung und unseres gesellschaftspolitischen Auftrags als vierte Gewalt im Staate bewusst. Daher kommt es letztlich auch auf die Unterstützung der Politik an: Sie muss eine Infrastruktur aufbauen, durch die der Informationsbedarf im ganzen Land gedeckt werden kann. Zum Beispiel durch den Ausbau von Glasfaserleitungen und modernen, zuverlässigen Mobilfunknetzen – auch bis zu der einen oder anderen Milchkanne in ländlichen Regionen.
Nur dann können wir unser Geschäftsmodell auch konsequent an moderne Nutzungsgewohnheiten anpassen. Aber Qualität kostet Geld. Diese Erkenntnis wächst übrigens spürbar und stimmt mich optimistisch. Unsere Journalisten schreiben Tag für Tag Artikel, die ein mitteldickes Taschenbuch füllen würden. Unsere Leserinnen und

Leser bekommen dieses Taschenbuch rund 300-mal im Jahr morgens früh in den Briefkasten geliefert, was sie umgerechnet etwa 1,50 Euro kostet. Dafür bekommen Sie vielerorts nicht einmal eine Tasse Kaffee.
Die Menschen vertrauen unseren etablierten Marken, und sie verlassen sich darauf, dass unsere Nachrichten auf Fakten basieren und der Wahrheit entsprechen. Das setzt aber eine intensive Recherche durch hochqualifizierte Journalisten voraus, die verschiedene Quellen prüfen, Informationen sorgfältig abwägen und dann das schreiben, was der Wahrheit entspricht.
Dann ist es auch vollkommen egal, ob Nachrichten über Papier oder digital verbreitet werden. Guter Journalismus ist unabhängig vom Kanal, über den er transportiert wird. Und es gibt ihn nicht zum Nulltarif.
Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Die Zukunft liegt selbstverständlich im Digitalen. Aber Print ist noch lange nicht Vergangenheit und wird auch nie ganz verschwinden.

Michael Tallai Geschäftsführer Mediengruppe Thüringen BVMW-Mitglied
www.mediengruppe-thueringen.de

 

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