Ein Kapital-Fehler

Jeder vierte deutsche Gründer erwägt den Umzug ins Ausland, weil in wichtigen Wachstumsphasen Kapital fehlt. Dies bremst Innovationskraft, Arbeitsplätze, Wohlstand. Der Mittelstand wartet noch immer auf ein Wagniskapitalgesetz.

Foto: © picture alliance/Wolfgang Kumm/dpa

Deutschland mangelt es an Venture Capital (VC). Milliarden Euro ziehen an Deutschland vorbei und stärken die globale Konkurrenz.
Seit langem fordern Stakeholder international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.


Dringend nötig wäre der Abbau von Substanzbesteuerung – etwa bei den Hinzurechnungsvorschriften in der Gewerbesteuer, eine transparente Besteuerung für VC-Gesellschaften, eine faire Besteuerung von Investoren, die sich von ihrer Beteiligung trennen, ein Ende der (steuerlichen) Diskriminierung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital, die steuerliche Anrechenbarkeit von Investitionen in Unternehmen, eine Vereinheitlichung der gesetzlichen Rahmenbedingungen mindestens in der EU, keine Einschränkungen bei Verlustvorträgen, die Bilanzierbarkeit von Investitionen in eigene Intellectual Property und die Liberalisierung bei Kapitalsammelstellen, damit privates Anlagekapital stärker genutzt werden kann.


Zukunftsfonds ohne das nötige Potenzial


Aber die GroKo verweigert den großen Wurf und setzt auf Stückwerk. Peter Altmaiers neueste Idee: ein sogenannter Wasserfall-Dachfonds, feilgeboten als „Zukunftsfonds“. Das klingt verlockend – und verschleiert die Tatsache, dass die Koalition viele Jahre die Hände in den Schoß gelegt hat und nun nicht weit genug springt.

"Die GroKo verweigert den großen Wurf und setzt auf Stückwerk."


Es steckt zu wenig Zukunft in Altmaiers Wasserfall, dessen ungleiche Verteilung von Risiken und Chancen ist sogar ein Rückschritt. Die Bundestags-FDP hat 2019 eine bessere Lösung vorgeschlagen: einen Dachfonds nach dem Vorbild des dänischen Vækstfonden.

Vorbild Vækstfonden


Gemeinsam mit institutionellen Investoren würde ein solcher Dachfonds hauptsächlich in inländische VC-Fonds und Private Equity (PE) investieren sowie in ausländische Pendants mit starkem Investitionsfokus auf Deutschland. So diversifiziert sich das Anlageportfolio und zöge zusätzliches Know-how nach Deutschland.


Unser Modell richtet sich in erster Linie an institutionelle Investoren, stünde aber auch privaten Großanlegern offen. Es erlaubt Direktinvestitionen in den Dachfonds. Durch Risikostreuung kann VC an junge, innovative Unternehmen fließen, die für einzelne Assetmanager oder Versicherungen zu riskant wären.


Wieso übertrifft das von Vækstfonden gemanagte Modell den verzagten Wasserfall? Es ist in Dänemark bereits erfolgreich markterprobt und für Primärinvestoren attraktiver, da die Mischung aus PE und VC für stabilere Renditen sorgt als die Altmaier-Lösung, die PE aus Furcht vor Sozialneid feige ausklammert. Und das ist Altmaiers Fehler. Denn PE lockt große Versicherungen und Pensionseinrichtungen an, die viel Erfahrung mit PE-Investments haben und sich zieren, in reine VC-Instrumente zu investieren. Und PE finanziert Innovations- und Digitalisierungsstrategien im deutschen Mittelstand. Eine verpasste Chance für Deutschland.

Gut zu wissen

 

  • Nötig wäre der Abbau von Substanzbesteuerung bei den Hinzurechnungsvorschriften in der Gewerbesteuer, eine transparente Besteuerung für VC-Gesellschaften, eine faire Besteuerung von Investoren

  • Vorschlag der Bundestags-FDP: ein Dachfonds nach dem Vorbild des dänischen Vækstfonden

  • Gemeinsam mit institutionellen Investoren würde ein solcher Dachfonds hauptsächlich in inländische VC-Fonds und Private Equity investieren sowie in ausländische Pendants mit starkem Investitionsfokus auf Deutschland

  • Vækstfonden ist in Dänemark bereits erfolgreich markterprobt und für Primärinvestoren attraktiver als die Lösung von Minister Altmaier

Dr. h.c. Thomas Sattelberger, MdB
Sprecher für Innovation, Bildung und Forschung
Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag
www.thomas-sattelberger.de

 

 

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