Der "gläserne Bankkunde" und die Bonität

Eine neue Richtlinie soll den Zahlungsverkehr günstiger machen. Für Unternehmen bietet das die Möglichkeit, Verbraucher zielgenauer mit Finanzierungsangeboten zu versorgen. Doch es gibt auch negative Auswirkungen.

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Bei PSD2 handelt es sich um eine EU-Richtlinie, um „den europäischen Zahlungsverkehr sicherer, bequemer und billiger zu machen“ und „einen verstärkten Wettbewerb zwischen Finanzunternehmen herzustellen“. Unternehmen haben nun bessere Möglichkeiten, Verbraucher noch zielgenauer mit Werbung und Finanzierungsangeboten etc. zu versorgen. Für den Verbraucher und auch die Unternehmerperson sind damit jedoch Auswirkungen gegeben, die sich auch negativ auf sein Unternehmen niederschlagen können.

 

Mit der Richtlinie soll das Monopol der Banken beim Zugriff auf die Kontodaten von Kunden aufgebrochen werden. Damit können eCommerce-Anbieter wie Amazon, Apple, Google  sowie Finanzdienstleister nicht nur Geld abbuchen, sondern über den Zeitraum der letzten drei Monate auf Konten sehen. Es ist also transparent, wie hoch die Einkünfte sind, woraus sie bezogen werden, ob und wo man Kredite hat, ob man zur Miete wohnt, ob man ein Auto hat und wie groß der Hubraum ist, bei wem man Strom, Telekommunikationsdienste etc. bezieht, ob man Mitglied in einem Verein oder einer Partei  ist, ob man von Inkasso betroffen ist bis hin dazu, dass man Dinge kauft, von denen man vielleicht nicht möchte, dass Dritte es wissen, weil sich daraus Neigungen, Interessen und ähnliches ableiten lassen.

 

Auch können Finanzdienstleister durch den Kontozugriff eine Übersicht über alle Konten erstellen und eine Bonitätsprüfung per „Transaktionsanalyse“ auslösen. Eine Bonitätsprüfung wird künftig also nicht mehr nur einen Score oder Bonitätsindex beinhalten, sondern die Auskunft geben, ob Sie kreditwürdig sind und wann eine Abbuchung von Ihrem Konto erfolgen sollte. Und eben die Qualität der Bonitätsbewertung des Unternehmers wird meistens auch bei Unternehmensfinanzierungen und der Bonitätsbewertung des Unternehmens mit zugrunde gelegt, weshalb hier Sensibilität bei der Auswahl und den Zustimmungen notwendig ist.

 

Kristina Borrmann, Berlin
SOLVENZNAVIGATION
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