Betriebliche Vorsorge im Wandel

Seit Inkrafttreten des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes am 01.01.2018 ist Bewegung in den Markt gekommen. Bei Unternehmen besteht erheblicher Anpassungsbedarf, Versicherer kommen mit Neuheiten auf den Markt und die Interessen verändern sich stetig.

Taschenrechner ©iStock

1. Veränderte Nachfrage und Pflichten der Unternehmen

War früher die Betriebliche Altersversorgung (bAV) ein eher lästiges Übel, vor dem sich manch Arbeitgeber noch drücken konnte, so hat seit 2005 jeder Beschäftigte einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung bis zu 4% der BBG und jeder Arbeitgeber ist angehalten, im Rahmen seiner Fürsorgepflichten dieses Thema proaktiv an sein Team heranzutragen. So richtig lohnend war das für die Beschäftigten aber nicht und nur circa 20% der Leute haben das genutzt. In den letzten Jahren gewinnt das Thema aber zunehmend an Bedeutung im Zeichen des wachsenden Fachkräftemangels. Unternehmen versuchen durch lukrative Sozialleistungen ihre Attraktivität am Arbeitsmarkt zu steigern.

2. Veränderte Rahmenbedingungen, Anpassungsbedarf

Das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz schreibt einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 15% des Umwandlungsbetrages vor. Das gilt seit 2019 für alle neuen Verträge und auch die Weiterführung von übernommenen Altverträgen neuer Mitarbeiter. Erst ab 2022 müssen alle bestehenden Verträge den Zuschuss erhalten. Das ist mit einem erheblichen administrativen Aufwand verbunden. Und viele Firmen sind ratlos, denn schon jetzt entsteht ein Dilemma. Denn durch Neuverträge und übernommene Altverträge mit 15% AG Zuschuss und viele andere Kollegen, die ihren Zuschuss erst ab 2022 erhalte sollen, entstehen zwei unterschiedlich behandelte Gruppen, was das Betriebsklima belasten könnte. Die Lösung kann nur sein, bereits ab dem ersten neuen Vertrag allen Mitarbeitern den AG Zuschuss zukommen zu lassen. Da die eingesparten Lohnnebenkosten rund 20% betragen, gehen viele Firmen dazu über, die volle Ersparnis an alle Mitarbeiter weiterzugeben. Mit Blick auf den angespannten Arbeitsmarkt gehen viele Firmen noch weit darüber hinaus.

Hinzu kommen weitere Gestaltungsmöglichkeiten des neuen Gesetzes, die einen erheblichen Beratungsbedarf auslösen (Neuheiten für Geringverdiener, Sozialpartnermodell usw.). Viele Firmen haben das Gesetz weder für sich hinterfragt noch verstanden und machen sich damit zur „leichten Beute“ des Versicherungsvertriebes.

3. Neuheiten auf dem Markt

Die Versicherer und bAV Berater rüsten technisch enorm auf, um die Firmen im bevorstehenden Strukturwandel effektiver begleiten und Lösungen besser darstellen zu können.  Schlanke Prozesse und clevere Gestaltungen der neuen Vorsorgekonzepte werden sich am Markt durchsetzen.

Dann wird das Thema Betriebliche Vorsorge heute in vielen Sparten verstanden. Neben der Altersrente geht es um Berufsunfähigkeit- und Todesfallschutz, Betriebliche Zusatzkrankenversicherung und Arbeitszeitkonten.

Zuletzt ein Hinweis auf veränderte Geschäftsmodelle. Gruppenverträge sehen heute einen Rabatt auf die Abschlusskosten von bis zu 50% vor, was ganz erhebliche Leistungsverbesserungen bedeutet. Hierfür wurde die erforderliche Mindestanzahl von Versicherten auf bis zu zehn herabgesetzt, was besonders für kleine Betriebe interessant wird. 

4. Ganz neu: Wegfall des Soli ab Sommer 2020

Hier bekommen Versicherte die Möglichkeit bis zu 50 Euro im Monat mehr Gehalt umzuwandeln – bei gleicher Nettobelastung. 

5. Ausblick und Angebot des BVMW

Der Markt mit seinen neuen Möglichkeiten ist unübersichtlich geworden und die Gefahr, Fehler zu machen, gestiegen. Möglicherweise ist der bisherige Produktpartner nicht mehr die erste Wahl. Verbandsmitglieder, die sich den Herausforderungen stellen und für sich das beste realisieren möchten, können gern eine Anfrage stellen. Ausgesuchte strategische Partner nehmen sich gern professionell der Anliegen an.

 

Stefan Albrecht von Dewitz, Bochum
Berater, Diplom Kaufmann
MLP Finanzberatung SE

sdewitz@mlp.de

 

 

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