Wie Sie Ihre Mitarbeiter in Coronazeiten unterstützen

Die Corona-Krise ist nicht nur für viele Firmen existenzbedrohend, sondern bringt oftmals auch Arbeitnehmer in eine prekäre Situation. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter gefördert bzw. kostenfrei unterstützen können.

© pixabay.de / care+work Bildarchiv

Aktuell spielen sich prekäre Szenen in den privaten Haushalten der von der Corona-Krise betroffenen Beschäftigten ab: Schulen, Horte und Kindergärten sind geschlossen, Kinder müssen parallel zum Home Office betreut werden, Pflege-Tagesstätten mussten ebenfalls dicht machen, Pflege- und Hilfsdienste kommen teilweise nur noch sporadisch zu Senioren und Schwerbehinderten, ehrenamtliche Helfer für die Begleitung und Unterstützung im Alltag und Haushalt sind völlig überbucht und die berufstätigen Angehörigen teilweise hunderte Kilometer von den Hilfs- und Pflegebedürftigen entfernt. 

Die Corona-Krise ist für viele Unternehmen existenzbedrohend und die Solidarität der Mitarbeiter wesentlich, um Einschnitte im Betrieb schnell und kostensparend durchsetzen zu können. Mitarbeiter daher in ihrer privaten Notlage zu unterstützen, kann die Bereitschaft zur Kooperation steigern. Die Vereinbarkeit von Familie, Pflege & Beruf ist zu „normalen“ Zeiten oft schon eine Herausforderung. Mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie wird es für manche Erwerbstätige zur Zerreißprobe.  

Entlastung und Unterstützung durch den Arbeitgeber 

Helfer im Alltag, 24/7-Notfall- und Unfallhilfe, Beratung und Vermittlung, psychologische Unterstützung, Assistenz bei der Beantragung von Leistungen: Es gibt es eine Menge Möglichkeiten, wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter in dieser privaten Notlage organisatorisch, finanziell und steuerlich gefördert bzw. kostenfrei unterstützen können. Insbesondere pflegende Mitarbeiter sind als solche nirgends erfasst, und damit nicht direkt für Informationszusendungen erreichbar. Über ihre „Multiplikator-Funktion“ können Arbeitgeber hier helfen. 

Was ist kurzfristig umsetzbar? 

Was Unternehmen selbst ihren Beschäftigten kurzfristig zur Unterstützung anbieten können und welche Informationen Sie betroffenen Mitarbeitern weiterleiten sollten, finden Sie ausführlich hier erklärt.

Beratungs- und Vermittlungsleistungen 

Durch einen externen Dienstleister erbrachte Beratungs- und Vermittlungsleistungen für Mitarbeiter rund um die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen können in unbegrenzter Höhe als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. 

Krisenhilfe z.B. durch Alltags-Helfer, Berater, Coaches 

Kosten für Services zur Unterstützung von Mitarbeitern in der Corona-Krise, die durch die Notwendigkeit, den Betriebsablauf weiter zu gewährleisten entstehen und im überwiegend betrieblichem Interesse sind, können als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. 

Betrieblich bedingte Ersatzbetreuung 

Für betrieblich bedingte Ersatzbetreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen kann der Arbeitnehmer pro Mitarbeiter bis zu 600€ / Jahr lohn- und sv-frei übernehmen. 

Notfall-Beihilfe 

Bis zum Freibetrag von 600€ können vom Arbeitgeber Beihilfen für private Notfälle steuerfrei an Mitarbeiter (nicht an Dritte!) ausgezahlt werden. In besonderen Fällen ggfs. auch mehr. 

Sachbezüge zur Nutzung in der Krise 

Wer als Beschäftige*r Gehaltsextras auf steuerlich als „Geldkarte“ anerkannte Prepaid-Kreditkarten bezahlt bekommt, kann damit zum Beispiel Zusatzkosten durch die Arbeit im Home Office oder zusätzliche Betreuungkosten für Kinder oder Angehörige finanzieren.  

Internetzuschuss und betriebliche Geräte zur privaten Nutzung 

Die Privatnutzung betrieblicher Geräte ist lohnsteuer- und sv-frei unabhängig vom Umfang der privaten Nutzung. Damit kann zum Beispiel der Schul- oder Musikunterricht der Kinder zu Hause oder der Online-Kontakt zu den pflegebedürftigen Großeltern aufrecht erhalten werden. Zusätzlich kann der Arbeitgeber bis zu 50€ Internetpauschale pro Monat als Kostenzuschuss ohne Belegnachweis beisteuern. 

Arbeitgeber-Darlehen 

Bis zu 2.600€ kann der Arbeitgeber als zinsloses oder zinsverbilligtes Darlehen ohne Anrechnung eines geldwerten Vorteiles an Mitarbeiter ausgeben, wenn es zum Beispiel zu finanziellen Engpässen durch die Krise kommt. Darüber wird der geldwerte Vorteil steuerpflichtig. 

Kostenfreies Notfall—und Unfallhilfe-Portal 

Für Arbeitgeber kann kostenfrei und individualisiert ein kostenfreies Notfall- und Unfallhilfeportal der PRO CLIENTA Unfallhilfe inkl. 24/7-Notfall-Rufnummer eingerichtet werden 

Bezahlte / unbezahlte Freistellung bei Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen 

Bei erkrankten Kindern stehen Betroffenen unter bestimmten Voraussetzungen 5 Tage bezahlte Freistellung bzw. unbezahlte Freistellung bis zu 10 (Verheiratete) oder 20 (Alleinstehende) Tagen zu unter Anrechnung der jeweiligen Maximaltage pro Jahr. 

In akuten Pflegesituationen von Angehörigen können Beschäftigte bis zu 10 Tage unbezahlt fernbleiben und dafür Pflegeunterstützungsgeld beantragen. 

Kurzzeit- und Notfallbetreuung von Kindern und Hilfs- oder Pflegebedürftigen 

Sofern aufgrund der aktuellen Ausgangssperren bzw. –beschränkungen noch möglich, können Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen eine Kurzzeit- und Notfallbetreuung anbieten. 

Hier eine Übersicht von Sofort-Maßnahmen zur Weiterleitung an betroffene Mitarbeiter. 

Videokommunikation mit Angehörigen 

Trotz Ausgangsbeschränkung kann mit Angehörigen über spezielle Notrufsysteme mit Videofunktion die Kommunikation aufrecht erhalten werden. Pflegekassen zahlen dafür auf Antrag 23€ pro Monat, rund 7€ monatlich zahlen die Nutzer selbst. 

Landespflegegeld  

Bayern zahlt gegen Antragstellung 1000€ ab Pflegegrad 2 ohne Nachweis und Anrechnung auf andere Sozialleistungen. Landespflegegeld zahlen andere Bundesländer nur für Blinde bzw. Schwerbehinderte. 

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege für Ersatz-Betreuung nutzen 

Bis zu 2.418€ pro Jahr können für Hilfeleistungen von Studenten, Nachbarn, Freunden oder Bekannten kurzfristig von der Pflegekasse beantragt werden.  

Entlastungsbetrag zur Alltagsunterstützung 

125€ monatlich können pro Monat für Entlastung im Alltag von der Pflegekasse für zertifizierte Dienstleister abgerufen werden. Angesparte, noch nicht verbrauchte Beträge können gesammelt genutzt werden. 

Bitte beachten: 

Die vorstehenden Informationen sind möglichst kurz und prägnant verfasst und stellen keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Sie können eine individuelle Beratung durch die eigenen Steuer- und Rechtsanwaltskanzleien nicht ersetzen. Alle angebotenen Informationen verstehen sich somit ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit. 

Autorin: Mona Griesbeck, CEO c+w careandwork GmbH 


 

 

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