Zehn Gütezeichen für fairen Handel

Spezielle Siegel und Logos sollen Verbrauchern signalisieren, dass sie umweltverträglich hergestellte und fair gehandelte Produkte erwerben. Davon profitieren auch Unternehmen, die den fairen Handel mit ihren internationalen Zulieferern sicherstellen...

Das Interesse an Nachhaltigkeit und Ökologie ist in der Wirtschaft so hoch wie nie. Mit dem Erwerb fair gehandelter Produkte unterstützen Verbraucher nicht nur faire Handelspraktiken, sondern auch die Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeitern, Bauern und deren Familien sowie die umweltverträgliche Produktion. Weil man dafür bereit ist, mehr Geld zu zahlen, hat sich auch die Anzahl der entsprechenden Logos und Siegel für fair gehandelte Produkte inflationär erhöht. Dabei bleibt es nicht aus, dass sich unter diese Zertifizierungen auch unseriöse Siegel gemischt haben, die dem Konsumenten mehr versprechen als sie tatsächlich hergeben.

Auch mittelständische Unternehmen erhoffen sich mit der Kennzeichnung ihrer Waren einen Wettbewerbsvorteil und Imagegewinn, der dazu beitragen soll, auf die Qualität und Einzigartigkeit ihrer Produktlinien hinzuweisen. Firmen, die solche Gütesiegel als reine Marketinginstrumente betrachten, aber im eigenen Betrieb die Themen Nachhaltigkeit und soziales Engagement vernachlässigen, werden langfristig für den Verbraucher unglaubwürdig. Sie sollten ihren Kunden überzeugend darstellen können, mit welchen Standards sie den fairen Handel ermöglichen.

Das Fairtrade-Siegel des Vereins TransFair mit 35 Mitgliedsorganisationen ist das bekannteste des fairen Handels und kennzeichnet fair angebaute und gehandelte Produkte, bei denen es eine 100-prozentige Garantie gibt, dass unter Fair-Trade-Bedingungen angebaut oder produziert wird – sämtliche Anbau- oder Produktionsschritte sind physisch rückverfolgbar.

Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel für nachhaltige Textilien und steht für sozial und ökologisch produzierte Kleidung. Das staatliche Textilsiegel schafft beim Verbraucher Vertrauen, stellt es doch verbindliche Anforderungen, um Mensch und Umwelt zu schützen. Insgesamt 46 Sozial- und Umweltstandards müssen eingehalten werden: von A wie Abwassergrenze bis Z wie Zwangsarbeitsverbot.

IGEP stand ursprünglich für „Indo German Export Promotion“ und war bis 2005 ein gemeinsames Projekt der deutschen und indischen Regierung. Seit 2005 wird IGEP unabhängig als privates Beratungsunternehmen weitergeführt und setzt sich unverändert für die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen indischen und deutschen Unternehmen ein. Das Ziel des Siegels ist es, Kinderarbeit in der Natursteinindustrie zu verhindern und die Eignung für den europäischen Markt zu gewährleisten.

XertifiX ist eine NGO und setzt sich für humane Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz im asiatischen Steinsektor ein. XertifiX führt regelmäßig Kontrollen in Fabriken und Steinbrüchen in Indien, China und Vietnam durch. Das Siegel steht für die Respektierung der wichtigsten Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im problematischen Bereich der Natursteingewinnung und -verarbeitung.

Das Siegel Biokreis – regional & fair steht für ökologischen Landbau und wird vom Biokreis-Verband vergeben. Hauptanliegen von Biokreis e. V. ist die Förderung der Kontakte zwischen wirtschaftenden Landwirten und verarbeitenden Betrieben. Zudem ist es ein weiteres Ziel von Biokreis, die bäuerliche Landwirtschaft im Sinne einer Kreislaufwirtschaft zu gestalten. Das Siegel folgt den Kriterien der EU-Öko-Verordnung und ist beispielsweise auf Fleisch- und Milchprodukten, Backwaren, Imkerei- oder Getreideprodukten und Getränken zu finden.

Das 1992 freiwillig eingeführte EU Ecolabel ist ein in allen europäischen Mitgliedstaaten inklusive Liechtenstein, Norwegen und Island anerkanntes EU-Umweltzeichen und wird von der RAL GmbH im Auftrag der Europäischen Kommission vergeben. Mit seinen Kriterien trägt das EU Ecolabel zum Klimaund Umweltschutz und zur Ressourceneffizienz bei. Mit dem EU Ecolabel können Reinigungsprodukte, Elektrogeräte, Textilien, Farben, Lacke oder Beherbergungsbetriebe und Campingplätze gekennzeichnet werden.

Das Umweltzeichen Blauer Engel steht seit mehr als vierzig Jahren als Kompass für umweltfreundliche Produkte und ist das Umweltzeichen der Bundesregierung zum Schutz von Mensch und Umwelt. Über 12.000 umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen sind bislang von rund 1.600 Unternehmen mit dem Blauen Engel ausgezeichnet worden.

UTZ Certified wird von der niederländischen Stiftung UTZ vergeben, die sich für einen transparenten Handel sozial- und umweltverträglicher Produkte wie Kaffee, Tee oder Kakao engagiert. Im Blickfeld steht hierbei ein Nachhaltigkeitsprogramm, in dem alle Transaktionen zwischen Produzenten und Verkäufern über eine Online-Datenbank (Good Inside Portal) erfasst werden. Diese Informationen können dem Endverbraucher online zur Verfügung gestellt werden.

Das RAL-Gütezeichen Möbel steht für die Verbesserung in der Qualität, der Funktionalität und der Gesundheitsverträglichkeit von Möbeln. Zeicheninhaber ist die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel e. V., in der vorwiegend Hersteller und Anbieter zusammengeschlossen sind. RAL Gütezeichen werden in Deutschland seit 1925 von RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. anerkannt. Aktuell gibt es etwa 150 verschiedene RAL Gütezeichen, die aufgrund von Eigen- und Fremdkontrollen als besonders vertrauenswürdig und sicher gelten.

Die GEPA ist die größte Fair-Trade-Organisation in Europa. GEPA zählt seit 1975 zu den Pionieren im fairen Handel und zielt langfristig auf die Etablierung eines international gerechten Weltwirtschaftssystems ab. Handelspartner sind rund 160 Genossenschaften, Vermarktungsorganisationen und Privatbetriebe in über 40 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Almut Friederike Kaspar
Journalistin
mittelstand@bvmw.de

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