Best Practice: Wie Unternehmer der Coronakrise trotzen

Die Coronakrise hat für kleine und mittlere Unternehmen immense Auswirkungen. DER Mittelstand stellt Vorreiter vor, die trotz der schwierigen Lage weitermachen und alternative Geschäftsmodelle für sich entdecken.

Andrea Ammerich-Geier hat ihr Unternehmen SafetyCover im Jahr 2011 gegründet. Die Firma stellt individuelle Schutzverkleidungen für Maschinen und Roboter für große Industriebetriebe und mittelständische Unternehmen her. SafetyCover beschäftigt sich mit der Erstellung und Entwicklung von Prototypen in diesen Bereich, bietet Testläufe und Produktbegleitung bis hin zur Serienreife und Serienproduktion an.

DER Mittelstand.: Was sind die Auswirkungen der Coronakrise auf Ihr Unternehmen?

Andrea Ammerich-Geier: Wir können nicht mehr beim Kunden vor Ort die Modelle für Bestellungen erarbeiten. Montagetermine finden nicht mehr statt. Die fertige Ware musste gelagert werden. Gleiches gilt dann auch für nachbestellte Ware, die nicht mehr ausgeliefert werden kann, da die Warenannahmen nicht besetzt sind. Demzufolge können keine Projekte abgeschlossen werden, keine Rechnungen erstellt werden. Zu erwartende Bestellungen bleiben aus oder zunächst in der Warteschleife. Die Beschaffung von Material gestaltet sich langwierig und schwierig, da nicht alle Zulieferer weiterarbeiten konnten, und auch der Versand mit langen Wartezeiten und gestiegenen Kosten verbunden ist. Darüber hinaus betrifft uns als ausschließlicher Frauenbetrieb auch die Schließung der Schulen und Kindergärten. Die Mitarbeiterinnen müssen immer wieder neue kreative Lösungen finden, um weiterhin ihrem Vollzeitjob nachgehen zu können.

Wie haben Sie sich an die Auswirkungen der Krise angepasst?

Zunächst wurden alle noch offenen Aufträge abgearbeitet. Die Waren wurden zum Teil eingelagert, zum Teil konnten auch einige versandt werden. Zwischenzeitliche Freiräume nutzten wir für die Herstellung von Schutzmasken, die vorrangig an die Verkäuferinnen der Supermärkte gingen, an kleine Arztpraxen, Physiotherapien, Gebäudereinigungen und viele andere mehr. Jetzt werden wir uns mit neuen Entwicklungsprojekten befassen, die noch in der Angebotsphase sind. Die Betriebsräume werden auf Vordermann gebracht, Maschinen werden gewartet, ggf. auch repariert oder umgebaut, Lager und Archive aktualisiert. Wir werden Zeit in die Weiterbildung der Mitarbeiter investieren. Gleichzeitig haben wir mit einem Geschäftspartner zusammen einen Onlineshop auf den Weg gebracht, der den immens gestiegenen Bedarf an Schutzmasken mit abdecken soll. Die Arbeitszeitgestaltung erfolgt vorwiegend flexibel, so dass die Frauen immer auch die Kinderbetreuung absichern können.

Welche Tipps/Empfehlungen können Sie anderen Unternehmern in der Coronakrise geben?

Wir hatten das große Glück, dass das Unternehmen über genügend finanziellen Rückhalt verfügt, sodass wir auf keine Kredite oder Fördermittel angewiesen sind. Angesichts dieser Tatsache machte sich niemals die Angst vor dieser Krise und ihrer Folgen breit. Im Gegenteil, intensive und kreative Gespräche mit den Mitarbeitern und Geschäftsfreunden beflügelten neue Ideen, zeigten alternative Wege aus Engpässen auf, ließen Einsatzbereitschaft und gegenseitiges Engagement wachsen. Dies erzeugte ein gegenseitiges Gefühl von Sicherheit, gab den Mitarbeiterinnen Raum, sich einzubringen, neue Verantwortlichkeiten zu übernehmen. Die Gedanken waren frei für neue Herausforderungen und Investitionen, ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen, mit dem wir jetzt und auch nach der Krise einen breiten Kundenstamm weiterbeliefern wollen.

Insgesamt kann ich sagen, dass wir alle an dieser Situation zusammengewachsen sind, dass Krisen auch Chancen sind und dass Angst ein schlechter Berater ist, der die Gedanken lähmt.

Vertrauen, Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft, Füreinander und Miteinander sind aus meiner persönlichen Sicht die Schlüsselwörter, die in unserem kleinen Unternehmen dazu beitragen, mit einer positiven Sicht auf die Dinge aus außergewöhnlichen Situationen, das Beste zu machen.

SafetyCover UG

Geschäftsführerin: Andrea Ammerich Geier
www.safety-cover.de

 

 

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