Jetzt Investitionen in unsere Zukunft fördern

Die derzeitige Krise lehrt uns neue Wege. Nun geht es auch darum, zukunftssichere Investitionen zu fördern, denn unsere Ressourcen sind nicht endlich vorhanden. In den Erneuerbaren Energien steckt das notwendige Potenzial für die Energie der Zukunft.

Wirtschaftliches Überleben ist heute unser wichtigstes Problem, in dieser Zeit des so entsetzlich langsam ausklingenden Lockdowns fast der gesamten Weltwirtschaft im Zeichen der Covid-19 Krise. In dieser schrecklichen globalen Krise ist aber klar geworden: Die Welt wird hinterher nicht mehr so sein wie vorher. Wir können uns auf alte Verlässlichkeiten nicht mehr verlassen. Wir sollten bei wirtschaftlichen Entscheidungen auch Risiken berücksichtigen, die sich vor dieser Krise nur schemenhaft andeuteten. Daher erwarten wir von den jetzt anlaufenden wirtschaftlichen Stimulations-Programmen, dass diese besonders zukunftssichere Investitionen fördern, die die Nachhaltigkeit der Wirtschaft stärken.

Wir sollten auch anerkennen, dass Ressourcen endlich sind, und dass wir unter Berücksichtigung der gesamten Wertschöpfungskette möglichst nachhaltig produzieren sollten: Wenn nur ein Glied der Kette fehlt, kann die ganze Produktion zum Stillstand kommen. Dazu kommt die Erkenntnis, dass wir uns zwar jetzt in der Coronakrise besonders um Risikogruppen und alte Menschen kümmern müssen, in der Zukunftsvorsorge jedoch um die zukünftigen Generationen. Die immer deutlicher werdende Drohung katastrophaler Klimaveränderungen stellt dabei die vermutlich dringendste Gefahr dar.

Mit Sonne und Wind weiteren CO2-Anstieg vermeiden

Die gute Nachricht ist aber, dass wir nicht nur das Problem erkannt haben, dass wir unsere Emissionen klimaschädlicher Gase bereits bis 2030 wesentlich verringern müssen, sondern dass wir auch die erforderlichen Techniken zur Lösung dieses Problems bereits entwickelt haben, und sie sind sogar preisgünstig geworden. Das Problem ist allerdings, die erforderliche Umstellung rasch genug in die Hand zu nehmen, zu vermeiden, dass wir durch die zunehmende CO2 -Konzentration der Atmosphäre irreversible Schwellwerte überschreiten, um einen Absturz der Erde in ein Treibhaus-Szenario (hothouse earth) zu vermeiden.

Gute Nachricht ist auch, dass diese erforderliche Transformation zunächst unseres Energiesystems – später der gesamten Wirtschaft – zur Nachhaltigkeit zahlreiche wirtschaftliche Chancen bietet, in der Verbesserung des CO2-Fußabdrucks wirtschaftlicher Prozesse, beginnend mit dem CO2 -Gehalt unserer Energiequellen Strom und Wärme.

Die beiden wesentlichen Pfeiler unseres künftigen auf Erneuerbaren Energien basierenden Energiesystems sind Sonne und Wind. Dabei bietet heute die direkte Konversion von Sonnenlicht in Strom durch Photovoltaik (PV) einen nicht unwesentlichen Kostenvorteil, sie ist grundsätzlich dezentral und kann überall angewendet werden, wo die Sonne scheint. Natürlich werden wir auch Speicher in großem Umfang benötigen sowie Lastmanagement nutzen (Smart Grid), um eine sichere und kostenoptimierte Energieversorgung zu gewährleisten.

Zubau von PV-Anlagen nicht ausbremsen

Hier gilt es, heute alle politischen Hemmnisse aus dem Weg zu räumen, die der raschen Einführung dezentraler Stromversorgung aus Sonne und Wind noch im Weg stehen. Gerade für Mittelständler ist es grundsätzlich sehr attraktiv, einen großen Teil des Strombedarfs aus eigenem Solarstrom zu decken, da das Lastprofil gut zum Ertragsprofil der PV passt. Hierzu sollte unbedingt und umgehend der PV-Deckel von 52 Gigawatt-Leistung (GW) aufgehoben werden. Aktuelle Studien zeigen überzeugend, dass wir in Deutschland ca. 300 bis 600 GW PV Leistung für eine stabile Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen benötigen, diese 52 GW sind lediglich ein kleiner, erster Schritt.

Weiterhin muss umgehend die Belastung selbsterzeugten und -verbrauchten Solarstroms beseitigt werden. Unsere erfolgreiche PVForschung, verbunden mit großskaliger Umsetzung in die Produktion, hat es geschafft, die Kosten von PV Strom in Deutschland auf circa fünf bis sieben Cent pro kWh zu senken. Da ist es doch ein Unding, darauf wieder rund zwei Cent pro kWh anteiliger EEG-Umlage für Eigenverbrauch aufzuschlagen. Dies bringt jährlich etwa 100 Millionen Euro in den 22-Milliarden-Topf der EEG-Umlage, nur etwa 0,5 Prozent. Der Beitrag dieser Abgabe zum EEG Umlagentopf ist zu vernachlässigen. Der Schaden durch Behinderung des Zubaus von PV Anlagen besonders für mittelständische Betriebe ist durch diese 30 Prozent Verteuerung aber erheblich. Angesichts unserer Erfahrungen in der Coronakrise möchte ich jetzt noch einen Schritt weitergehen. Da die PV zu einem derart wichtigen Pfeiler unserer Energieversorgung wird, können wir uns nicht länger darauf verlassen, die Kerntechnologie praktisch zu 100 Prozent nach Europa zu importieren, wie dies im Augenblick der Fall ist. Hier ist es besonders hilfreich, dass die PV-Technologie nach der ersten Industrie-Standard Technologiegeneration und der darauf aufbauenden zweiten Generation (PERC: passivated emitter and rear contact) gerade jetzt beginnt, in die dritte Hoch-Effizienz Generation mit Wirkungsgraden bis 26 Prozent in großvolumiger Produktion einzusteigen (HJT: Hetero-Junction Technologie). Dieses bietet die einmalige Chance, europäische PV Zellproduktion modernster Technologie zu wettbewerblichen Preisen aufzubauen. Dies ist ein Thema, für das ich mich zurzeit ganz besonders intensiv engagiere.

 

Prof. Eicke R. Weber
President, European Solar Manufacturing Council ESMC
Mitglied des Bundeswirtschaftssenats

 

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