Flexibles Arbeiten – Wie geht es jetzt weiter?

Ein Viertel der Deutschen arbeitet derzeit aus dem Homeoffice. Ein Großteil davon würde auch nach Ende der Coronakrise gerne weiterhin die Möglichkeit dazu haben. Doch wie das Ganze regeln? Wir erklären Ihnen worauf es ankommt.

 

Home-Office als fester Bestandteil der Arbeitskultur seit Corona

Die aktuelle Situation, in der auf Grund der COVID-19-Pandemie viele Unternehmen auf Home-Office umstellen zeigt, dass es wesentlich mehr Arbeitnehmern möglich wäre auch nach dem Ende der Pandemie ihre Tätigkeit von zu Hause auszuüben. Der Anteil derjenigen, die von zu Hause aus arbeiten hat sich von 12% Anfang 2020 auf aktuell 25% verdoppelt. Die durch das Coronavirus notwendigen Veränderungen bzw. Anpassungen der etablierten Arbeitsweisen, von Präsenzarbeit im Büro zu Home-Office, könnten auch zukünftig beibehalten werden. Das ist der Wunsch vieler Beschäftigter, die sich dadurch vor allem mehr Flexibilität ihrer Arbeitszeiten versprechen. Prognosen zufolge wird sich Home-Office branchenübergreifend durchsetzen, ein Gesetz könnte bei dieser Entwicklung als Katalysator wirken. Ob dieser rechtliche Rahmen, den Arbeitsminister Hubertus Heil plant, wirklich nötig ist, ist strittig. Fest steht, dass Allen, die zumindest gelegentlich ebenso gut von zu Hause aus arbeiten könnten, bessere Möglichkeiten für die Ausübung von Home-Office zur Verfügung gestellt werden soll, sagte Staatssekretär Björn Böhning.

 

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Unternehmen & Arbeitnehmer profitieren vielseitig von Vorzügen durch Home-Office

Dass der Anteil an Arbeitnehmern, die ihrer Beschäftigung zumindest teilweise von zu Hause aus ausüben weiter ansteigen wird liegt auf der Hand, bringt Home-Office doch einige Vorteile mit sich. Die Belastung bei klassischer Büroarbeit wie beispielsweise lange Arbeitswege, die wiederum mit Kosten verbunden sind, entfallen. Des Weiteren beweisen Studien, dass im Home-Office oftmals produktiver gearbeitet wird als im Büro, da die Ablenkung durch Kollegen nicht gegeben ist und der Arbeitsplatz im Allgemeinen weniger Lärm ausgesetzt ist.

Das wichtigste Argument jedoch, welches für das Arbeiten von zu Hause aus spricht ist die bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sowie mehr Flexibilität für Arbeitnehmer. Aus diesem Grund gehen einige Forderungen, allen voran die der SPD, bzw. Bundesminister Hubertus Heil, hin zur Schaffung eine gesetzliche Grundlage in Puncto Home-Office. Gefordert wird eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetz, konkret soll es ein Update des Arbeitsschutzgesetzes geben, maximale Wochenarbeitszeit, aber mehr Freiheiten bei der Einteilung unter der Woche. Das Ziel sollte es sein Homeoffice dort zu ermöglichen (beispielsweise durch Abbau bürokratischer Hürden), wo es möglich und gewünscht ist. 

Auch Bündnis 90 / Die Grünen und die FDP sprechen sich für eine gesetzliche Regelung für Home-Office aus, da klare (gesetzliche) Leitlinien notwendig sind um gute Bedingungen für mobile Arbeit zu generieren und die rechtliche Sicherheit für Betriebe zu vergrößern.

Das Privileg von zu Hause aus arbeiten zu können, das bisher nur für wenige gilt, soll durch eine gesetzliche Regelung zum Recht für Viele werden. 

 

Fokus auf das Wesentliche, Arbeitnehmer schützen

Den positiven Aspekten des mobilen Arbeitens stehen jedoch auch einige Negative entgegen. Beispielsweise verschwimmen die Grenzen von Arbeit und Privatleben leichter, es wird oft mehr Leistung, die mit längeren Arbeitszeiten und häufiger Verkürzung der Ruhezeiten verbunden ist, gefordert. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die fehlende Sichtbarkeit, die dazu führen kann, dass Kollegen, die im Home-Office arbeiten, bei Gehaltserhöhungen und Beförderungen übergangen werden. Wichtig ist auch eine gerechte Aufgabenverteilung zwischen am betrieblichen Arbeitsplatz Beschäftigten und zu Hause Beschäftigten. Regelungen sind also auf jeden Fall nötig um den Schutz von Arbeitnehmer und Arbeitgebern zu garantieren.

Einen gesetzlichen Rahmen bedarf es beispielsweise laut CDU/CSU-Bundestagfraktion dennoch nicht. Da Flexibilität und produktives Arbeiten im Unternehmen nur erreicht werden können, wenn der Bereich in betrieblicher Verantwortung bleibt und die unternehmerische Freiheit nicht beschränkt wird. Des Weiteren würde ein gesetzlicher Anspruch viele Probleme aufwerfen wie beispielsweise fehlende unmittelbare Ansprechbarkeit der Mitarbeiter und fehlende Kontrollmöglichkeiten. Außerdem gelten die arbeitsschutzrechtlichen Regelungen wie im Büro auch, was für Arbeitgeber mit erheblichen Kosten verbunden sein kann, zu denen noch die Kosten für Arbeitsmaterialen bzw. Equipment kommen können. Ein weiterer wichtiger Punkt, der gegen eine gesetzliche Manifestierung spricht, ist der, dass die Arbeitnehmerschaft in ihren Rechtsansprüchen gespalten werden könnte. In zahlreichen Branchen ist Home-Office überhaupt gar nicht möglich: In den Bereichen Produktion oder Logistik oder bei Berufen mit direktem Menschenkontakt kann auch zukünftig nicht auf menschliche Präsenz verzichtet werden. Zusammenfassend lässt sich sagen, Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes ja – Recht auf Home-Office nein, da nicht nötig und auch nicht umsetzbar.

 

Individuellen Lösungen den Vorzug geben, kein generelles Recht auf Home-Office

Die Vorteile, die das Home-Office für Arbeitnehmer und -geber bietet sind offensichtlich und der BVWM ist aus diesem Grund auch bestrebt den Ausbau und die erhöhte Nutzung von mobilen voranzutreiben und zu unterstützen. Jedoch positioniert sich der Mittelstand klar gegen ein Recht auf Home-Office, da dieses zur Erreichung der angestrebten Ziele, wie eine höhere Flexibilität der Arbeitszeit oder bessere Vereinbarung von Berufs- und Privatleben, nicht notwendig ist. Es müssen anderen Baustellen zuerst angegangen werden, wie die dringend überfällige Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes.

 

Amelie Heindl
BVMW
Referentin Arbeit, Soziales und Gesundheit Volkswirtschaft
Amelie.Heindl@bvmw.de

 

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