Wie Corona die digitale Transformation der Arbeitswelt beschleunigt

Die Coronakrise hat keine neuen Entwicklungen in der Arbeitswelt hervorgerufen, sondern bestehende Prozesse beschleunigt. Jedes Unternhemen sollte sich deshalb verstärkt mit der eigenen Digitalisierung auseinandersetzen.

„Die Welt wird eine andere sein.“ Dieses Statement von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vom 11. April ist nach wie vor im Kopf vieler Mitbürger und wird häufig in Debatten und Kommentaren zitiert. Als Perspektive der digitalen Transformation unserer Gesellschaft ist in erster Linie das Phänomen der digitalen Kommunikation in den vergangenen Wochen ins Zentrum gerückt. Zwar fand auch schon lange Zeit vor Corona private Kommunikation per E-Mail und Kurznachrichten statt. In vielen Büros gab es bereits Homeoffice-Regelungen und auch die meisten Schulen verfügten über eine Plattform zum Austausch zwischen Lehrer und Schüler. Doch Anfang März gab es massive Veränderungen: 

  1. In den meisten Unternehmen wurde die interne sowie die externe Kommunikation auf Videokonferenzen umgestellt und die meisten Mitarbeiter sind seit Wochen im Home Office  

  2. Schulen haben versucht, innerhalb weniger Tage auf eLearning umzustellen, damit der Schulbetrieb nicht wochenlang pausiert 

  3. Veranstaltungen und Vorträge, sofern Sie nicht abgesagt wurden, wurden ebenfalls ins Digitale übertragen und gestreamt.  

Millionen von Menschen mussten sich mit einem neuen Alltag auseinandersetzen und waren gezwungen, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Dabei stellten die meisten Betriebe fest, dass die Effizienz nicht zwangsläufig einbricht, weil die Mitarbeiter von zu Hause aus ihrer Arbeit nachgehen. Im Gegenteil, viele Unternehmen haben ihren Mitarbeitern signalisiert, dass es in Zukunft mehr Möglichkeiten zum flexiblen Arbeiten im Home Office geben wird. Der französische Autobauer PSA geht sogar soweit, dass Mitarbeiter nur noch einen bis anderthalb Tage an die Arbeitsstätte kommen dürfen und auch die SPD setzt sich aktuelle für ein Anrecht auf Home Office ein. Dass Heimarbeit die neue Regel werden soll, wirft berechtigte Zweifel auf. Viele Branchen sind mit Home Office nicht kompatibel. Und auch der soziale Kontakt zu Kollegen, also das Teambuilding, lässt sich nur schwer in einer Videokonferenz aufbauen. Dennoch ist davon auszugehen, dass Home Office in Zukunft stark an Bedeutung zunehmen wird. Ähnliches gilt für Dienstreisen: Nicht nur zugunsten der Nachhaltigkeit, sondern auch mit Blick auf das eigene Budget, werden viele Geschäftsführer es für sinnvoll erklären, statt für eine Dienstreise quer durch Deutschland oder sogar quer über den Globus zu reisen, eine Videokonferenz durchzuführen.  

Digitalisierung als Schlüsselelement in der Krise 

Es ist mittlerweile seit Jahren klar, dass beim Thema Digitalisierung gilt „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Genau deshalb ist es eines der zentralen Ziele des BVMW, den Mittelstand bei seiner flächendeckenden digitalen Transformation zu unterstützen, beispielsweise durch die Angebote des Kompetenzzentrums _Gemeinsam digital. Für Unternehmen, die sich schon länger mit digitaler Transformation und New Work auseinandersetzen, gehörten Home Office und Videokonferenzen schon längst zum Alltag, wenn auch nicht in der hohen Intensität. Unternehmen hingegen, die sich vor Corona kaum bis gar nicht mit diesen Elementen beschäftigt haben, sind in der Krise massiv unter Druck geraten und mussten in kürzester Zeit den gesamten Betriebsablauf umstellen, Kommunikationstools einkaufen und technische Ausstattung für Home Office bereitstellen. 

Auch wenn jede Branche und jedes Unternehmen individuell betrachtet werden sollte, hat es sich für die Unternehmen ausgezahlt bereits vor der Krise auf Digitalisierung zu setzen. In anderen Worten, je weiter sich Unternehmen digitalisiert haben, umso flexibler können sie auf ungeplante Vorkommnisse reagieren. Ob die Coronakrise der gesamten digitalen Transformation einen Vorschub leisten wird, bleibt abzuwarten. Die Veränderungen in der Arbeitswelt sind zwar ein wichtiger Schritt, dennoch bleibt zu befürchten, dass wegen der Wirtschaftskrise Investitionen in digitale Technologien, beispielsweise in der Produktion, zurückgehen könnten. Es lässt sich aber schon jetzt vorhersagen, dass die Coronakrise die digitale Transformation von Arbeit beflügelt hat. Oder um es anders zu sagen: Die (Arbeits-)Welt wird eine andere sein. 

 
Copyright: AndreyPopov von Istockphoto.com

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