Corona-Krise bedroht Touristikbranche

Gastronomie und Hotellerie dürfen schrittweise wieder öffnen und erste EU-Staaten werben schon wieder für den Sommerurlaub. Dennoch wird es lange dauern, bis in der Touristik wieder Alltag einkehrt.

Die Touristik, so gehen zumindest Experten davon aus, ist bereits am längsten von der Corona-Krise betroffen und wird vermutlich auch noch am längsten mit der Krise zu kämpfen haben. Bereits Mitte Februar wurden erste Fluglinien eingestellt und Urlaube massenhaft storniert. Im April haben laut dem Ifo-Institut 43% der Reisebüros, 50% der Hotels und 58% der Betriebe in der Gastronomie angegeben, dass sie Beschäftigte entlassen werden. Innerhalb der Branche herrscht eine große Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Hilfen aus der Politik. Gerade die Reisebüros bzw. Reiseveranstalter trifft es dreifach:

  1. Mit dem erwirtschafteten Ertrag aus den Monaten vor der Krise müssen Stornierungen erstattet werden.
  2. Die Bearbeitung der Stornierungen wird nicht vergütet. Das hat zur Folge, dass Kurzarbeit für die eigene Mitarbeiter nicht in Anspruch genommen werden kann.
  3. Es werden aktuell kaum Reisen gebucht, sodass die Liquidität vieler Unternehmen gefährdet ist.

Hotellerie, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen sind ebenfalls, trotz Öffnungen, stark betroffen. Die Touristen werden auch in Zukunft zunächst wegbleiben oder nur in verminderter Zahl kommen. Der internationale Reiseverkehr ist nach wie vor stark eingeschränkt und viele Personen werden aufgrund von fehlenden Einnahmen oder Kurzarbeit auf ihren diesjährigen Urlaub verzichten müssen. Zusätzlich ist die Wirtschaftlichkeit durch Auflagen und Hygienemaßnahmen eingeschränkt. In beliebten Urlaubszielen ist schon jetzt ein Preisanstieg um bis zu 100% zu verzeichnen.

Genaue Aussagen darüber, wie langfristig die Touristik betroffen sein wird, sind aktuell nicht möglich. Es bleibt außerdem abzuwarten, inwieweit beispielsweise die Zunahme von Videokonferenzen sich auf Geschäftsreisen auswirken wird. Deutschland ist außerdem Weltmarktführer im Bereich Messen. Auch hier bleibt unklar, wann Großveranstaltungen wieder im gewohnten Rahmen stattfinden werden können.

Branchenhilfe vs. Verbraucherschutz

Die Alarmsignale aus der Branche sind mehr als deutlich. In vielen Bereichen sind bereits zahlreiche Insolvenzen zu verzeichnen. Am 13. Mai fanden in über 40 deutschen Städten Demonstrationen unter dem Motto „Rettet die Reisebüros“ statt. Die Organisatoren der Demo rufen außerdem in einer Petition für „Überlebenshilfe für Reisebüros“ auf.

Schon zu Beginn der Corona-Krise setzte sich der BVMW für die Einführung einer Gutscheinregelung ein. Jene würde bedeuten, dass Reiseveranstalter bei stornierten Reisen nicht den Betrag zurücküberweisen, sondern stattdessen eine Gutschrift ausstellen. Dies geschieht aktuell auf freiwilliger Basis, jedoch hat der Kunde nach wie vor das Recht auf Rückzahlung. Eine EU-weite Umsetzung wurde jedoch von Brüssel mit Verweis auf den Verbraucherschutz geblockt, die große Koalition lehnt einen nationalen Alleingang ab. Neue Hoffnung gibt es bei der Idee über einen Entschädigungsfond, in welchem Reisegelder aus der Staatskasse zurückerstattet werden. Dadurch würden Reiseunternehmen ihre Liquidität behalten, müssten dann aber nach der Krise den Fond wieder auffüllen.

Die BVMW-Kommission Tourismus begleitet seit Beginn der Corona-Krise die politischen Entwicklungen und analysiert in wöchentlichen Telefonkonferenzen die Auswirkungen der Krise auf die Touristik. Am Puls der mittelständischen Branche zeichnet sich ein sehr düsteres Bild ab, sofern nicht bald politische Unterstützung folgt. Aus Solidarität zu unserem mittelständischen Tourismusbetrieben ist zu empfehlen, eine Reisegutschrift freiwillig anzunehmen, sowie lokale Hotels, Gaststätten und Reisebüros durch Inanspruchnahme ihrer Dienstleistungen zu unterstützen. Gerade in Zeiten, in denen die Grenzen zum größten Teil geschlossen sind, bietet es sich an, Deutschlands touristisches Potenzial neu zu entdecken. Damit die Touristik auch auf politischer Ebene die nötige Hilfe erhält, unterstützt der BVMW die Petition „Überlebenshilfe für Reisebüros“ und steht im ständigen Austausch mit politischen Entscheidern.

Heute schon wissen, was den Mittelstand morgen bewegt.


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