Was der Mittelstand in Sachen Home Office fordert

Das Coronavirus wird etablierte Arbeitsmethoden und den Arbeitsalltag von Millionen von Deutschen verändern. Was der Mittelstand für flexibles Arbeiten fordert, lesen Sie hier.

Die aktuelle Situation, in der Tools wie Home Office oder Video-Konferenzen praktisch alternativlos sind, zeigt, dass Arbeiten auch außerhalb der gewohnten Büroumgebung möglich und produktiv sein kann. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, in Folge der Covid 19-Pandemie erfolgreich erprobte Organisationsmuster teilweise beizubehalten.

Wenn von Home Office die Rede ist, ist üblicherweise die Heim- bzw. Telearbeit gemeint. Das wird der modernen Arbeitswelt nicht gerecht, weil die Arbeit nicht nur im Büro oder am heimischen Schreibtisch geschieht, sondern auch unterwegs oder in Co-Working Spaces. Diese Form des ortsunabhängigen Arbeitens bezeichnet man als Mobiles Arbeiten. Um dem gerecht zu werden, beziehen sich die folgenden Forderungen auf das Mobile Arbeiten. 

1. Entscheidung über Mobiles Arbeiten in betrieblicher Hand belassen

Auch wenn es viele Bereiche gibt, in denen Mobiles Arbeiten sinnvoll eingesetzt werden kann, lehnt der Mittelstand einen gesetzlich geregelten Anspruch auf Home Office ab. Flexibilität und produktives Arbeiten kann es nur geben, wenn der Bereich in betrieblicher Verantwortung bleibt. Für eine moderne und flexible Arbeitswelt ist es hingegen nötig, dass Mobiles Arbeiten ermöglicht wird. Doch darf dadurch kein Eingriff in die unternehmerische Freiheit stattfinden. Deshalb fordert der Mittelstand, die Entscheidung über die Mobile Arbeit in unternehmerischer Hand zu lassen. Eine bilaterale Absprache zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten nach dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit ist der Weg, der beschritten werden sollte.

2. Kostensteigerung vermeiden

Mobiles Arbeiten ermöglicht Arbeitgebern Einsparungen, wobei in den Bereichen Arbeitsschutz und Datensicherheit keine Zugeständnisse gemacht werden dürfen. Der Arbeitsschutz im Home Office beinhaltet beispielsweise, dass der Arbeitsplatz in den Privaträumen eines Arbeitnehmers bzw. einer Arbeitnehmerin sicher sein muss und ihre Gesundheit nicht gefährden darf. Dies verursacht Kosten für den Arbeitgeber, die bei der Büroarbeit nicht in diesem Maße aufgetreten wären. Deshalb muss auch unter Kostenaspekten für den Mittelstand auf ein Recht auf Home Office verzichtet werden. Stattdessen sollte eine Incentivierung der Unternehmen, das Mobile Arbeiten freiwillig anzubieten, angestrebt werden, indem die anfallenden Kosten durch den Staat in Teilen – gegebenenfalls auch durch eine Minderung der Sozialabgaben – erstattet werden.

3. Bürokratielast verhindern

Nicht zu unterschätzen ist auch der hohe bürokratische Aufwand, den ein allgemeines Recht auf Home Office nach sich ziehen würde, beispielsweise aufgrund der vielen Ausnahmen, die festgelegt und bearbeitet werden müssten. Denn wenn ein gesetzlicher Anspruch auf Home Office bestehen würde, müssten Betriebsvereinbarungen oder individuelle Vereinbarungen über die jeweilige Arbeit und die Modalitäten der Mobilen Arbeit getroffen werden. Eine weitere Problematik ist die Umsetzung der EU-DSGVO während des Home Office und Mobilen Arbeitens. Dass für Datensicherheit gesorgt sein muss, ist nicht zu bestreiten, allerdings muss zum Beispiel bei besonders schützenswerten Daten ggf. für jede Einführung von Mobilem Arbeiten unter anderem eine Datenschutzfolgenabschätzung durchgeführt werden.

4. Arbeitszeitgesetz modernisieren

Der BVMW setzt sich dafür ein, dass die dringend gebotene Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes endlich umgesetzt wird. Forderungen nach einem Recht auf Home Office kommen unserer Ansicht nach zur falschen Zeit. Das aktuelle Arbeitszeitgesetz stammt aus einer Zeit, in der digitales Arbeiten noch eine Zukunftsvorstellung war. Ein modernes Arbeitszeitgesetz ermöglicht die flexible Arbeitseinteilung am Tag und unter der Woche und wird somit den Ansprüchen der Arbeit im 21. Jahrhundert gerecht.

5. Digitale Rahmen­bedingungen schaffen

Virtuelle Kommunikation ist nur ein Mittel, um sich aus der Distanz verständigen zu können. Sie sollte nicht zum Dauerzustand und Ersatz für direkte menschliche Zusammenarbeit werden. Kurze, informelle Absprachen sind während des Mobilen Arbeitens nicht mehr über den Weg ins Nachbarbüro getan, sondern erfordern eine umfangreiche digitale Infrastruktur. Wenn die Kommunikation nicht funktioniert, leidet nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch der Zusammenhalt im Unternehmen. So fehlt beim Mobilen Arbeiten die Inspiration durch Teamarbeit gänzlich: Der fehlende Austausch mit Kollegen kann daher zu Motivations- und Produktivitätsproblemen führen, da die Ergebnisse der eigenen Arbeit nicht gesehen werden und soziale Teilhabe fehlt.

6. Spaltung der Belegschaft abwenden

Ein Rechtsanspruch auf Home Office ist nur dann wirklich konsequent, wenn er für alle Beschäftigten gleichermaßen gilt. Dies ist jedoch in zahlreichen Branchen überhaupt nicht möglich: In den Bereichen Produktion oder Logistik oder bei Berufen mit Kontakt zu Kunden oder Mitarbeitern kann auch zukünftig nicht auf menschliche Präsenz verzichtet werden. Ein allgemeiner Rechtsanspruch auf Home Office schafft einerseits Präzedenzfälle, die Begehrlichkeiten und Neid bei Beschäftigten in Berufen mit physischer Anwesenheit auslösen können. Deshalb wendet sich der Mittelstand nicht zuletzt auch zwecks Wahrung des Betriebsfriedens gegen ein festgeschriebenes Recht auf Home Office.

Sie möchten mehr wissen? Lesen Sie das ganze Positionspapier hier!

Amelie Heindl, Referentin für Arbeit, Soziales und Gesundheit

amelie.heindl@bvmw.de

Copyright: scyther5 von www.istockphoto.com

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