Mobiles Arbeiten und Homeoffice – rechtlich betrachtet

Mobiles Arbeiten bedeutet, dass dem Arbeitnehmer kein dauerhaft eingerichteter Arbeitsplatz zur Verfügung steht, sondern dieser seine Arbeit ortsunabhängig – im Betrieb, dem eigenen Zuhause oder einem anderen beliebigen Ort verrichtet.

Bisher kein gesetzlicher Anspruch

Das mobile Arbeiten ist in Deutschland, anders als zum Beispiel in den Niederlanden, gesetzlich (noch) nicht geregelt. Ein angestrebtes Gesetz soll sicherstellen, dass Mobilarbeiter in alle Arbeitsabläufe eingebunden werden, um durch das mobile Arbeiten keine Nachteile für den beruflichen Aufstieg zu erleiden. Für das mobile Arbeiten sollen die allgemeinen Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetze gelten. Es soll auch normiert werden, dass Arbeitgeber die mobile Arbeit ablehnen können, wenn „wichtige und nachvollziehbare“ Gründe entgegenstehen.

Regelungsformen für den Arbeitgeber

Der Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmern in Form des Arbeitsvertrages, einer Betriebsvereinbarung oder durch einen Tarifvertrag einen Anspruch auf mobiles Arbeiten verschaffen, aber nicht dazu verpflichten.

Wer darf mobil arbeiten?

Grundsätzlich kann jedem Arbeitnehmer ein Anspruch auf mobiles Arbeiten zustehen, aber nur, wenn dies zuvor individual- oder kollektivvertraglich vereinbart wurde. Zu bedenken ist, dass in Bezug auf die Auswahl der Mobilarbeiter das im Arbeitsrecht anwendbare Benachteiligungsverbot gilt, nach dem alle Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen benachteiligungsfrei ausgestaltet werden müssen.

Wann und wie lange kann mobil gearbeitet werden?

Nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gilt als Arbeitszeit „die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne Ruhepausen“. Ferner gilt eine ununterbrochene Mindestruhezeit von elf Stunden zwischen einzelnen Arbeitseinsätzen. Diese Regelungen finden auch beim mobilen Arbeiten Anwendung. Die europäische Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/ EG sieht eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit vor. Danach ist eine durchschnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden möglich. Die Vorgabe einer ununterbrochenen Ruhezeit von elf Stunden zwischen Arbeitseinsätzen ermöglicht sogar eine Bruttomaximalarbeitszeit von 13 Stunden.

Was gilt es bei der Einrichtung eines mobilen Arbeitsplatzes zu beachten?

Einzel- oder kollektivvertraglich muss festgelegt werden, ob der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber die technischen Geräte einschließlich Wartung und Reparatur und den Internetzugang zur Verfügung stellt, und ob der Einsatz privater Hard- und Software durch den Arbeitnehmer zulässig ist. Zudem sollte auf die Gefahren der Überschreitung der Höchstarbeitszeit hingewiesen werden, ebenso wie darauf, dass mobiles Arbeiten nur solange und soweit zulässig ist, als berechtigte Interessen des Arbeitgebers nicht beeinträchtigt werden.

Hier erfahren Sie mehr über die technischen Möglichkeiten für Home Office.
Hier erfahren Sie mehr über eine Online-Tool, dass Ihre Mitarbeiter im Home Office unterstützt.

Vor- und Nachteile des mobilen Arbeitens für Arbeitgeber

Häufig sehen Arbeitgeber Nachteile beim mobilen Arbeiten. Es werden erschwerte Kontrollmöglichkeit und mangelnde Einflussnahme auf die Motivation der Arbeitnehmer bemängelt. Der kurze Dienstweg über den Gang hinweg ins andere Büro falle völlig weg, sodass spontane Einfälle oder eilige Arbeitsaufträge den verlängerten Weg technischer Kommunikation nehmen müssen. Daneben müssen Vorgesetzte gewohnte Verhaltens- und Arbeitsweisen der Mitarbeiterführung überdenken und dem mobilen Arbeiten anpassen. Zuletzt ist zu bedenken, dass jedenfalls die soziale Interaktion zwischen den Kollegen leidet. Gleichzeitig hält mobiles Arbeiten aber viele Vorteile bereit: Der Arbeitgeber kann im Wettbewerb um junge Talente punkten, weil gerade jüngere Arbeitnehmer viel Wert auf frei bestimmbare Zeiteinteilung legen. Dadurch können Beschäftigte langfristig an das Unternehmen gebunden werden. Mitarbeitern, die Elternzeit oder Teilzeit in Anspruch nehmen, wird es erleichtert, Arbeit und Freizeit in Einklang zu bringen. Kosteneinsparungen ergeben sich, weil weniger Büroflächen gebraucht werden. Auch sind durch Homeoffice weniger Fehlzeiten der Mitarbeiter zu erwarten. In der aktuellen Krisensituation ermöglicht es, den Betrieb trotz eventueller behördlicher Einschränkungen aufrechtzuerhalten.

Wieso ist mobiles Arbeiten besser als Telearbeit (Homeoffice)?

Die Legaldefinition von Telearbeit ist in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) normiert: „Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat.“ Dem Beschäftigten steht dabei kein Arbeitsplatz im Betrieb zur Verfügung. Die mobile Arbeit hat gegenüber der Telearbeit den Vorteil, dass sie nicht der ArbStättV unterfällt. Damit muss der Arbeitgeber dem Mitarbeiter keinen Arbeitsplatz einrichten, sondern nur den arbeitsschutzrechtlichen Standard des allgemeinen Arbeitsschutzgesetzes einhalten. Der Arbeitnehmer ist in seiner Arbeitszeitgestaltung viel freier, wenn er an jedem beliebigen Ort arbeiten kann, wodurch eine erhöhte Arbeitsleistung zu erwarten ist. Vorteilhaft ist ebenso, dass dem Arbeitnehmer, im Gegensatz zur Telearbeit, im Betrieb noch ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Welche Stolpersteine birgt das mobile Arbeiten?

Mobiles Arbeiten eignet sich nicht für jede Tätigkeit. Es sollte sorgsam geprüft werden, ob Arbeitsbedingungen erschwert werden oder Störungen im Arbeitsablauf entstehen. Insbesondere ist die Einhaltung von Höchstarbeits- und Ruhezeiten sicherzustellen. Nicht zuletzt ist die mobile Arbeit vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtsprechung des EuGHs zur Verpflichtung der Einrichtung von Systemen zur Arbeitszeiterfassung zu betrachten. In der heutigen entgrenzten Arbeitswelt ist die tatsächlich geleistete Arbeitszeit arbeitnehmergerecht und zeitgenau zu erfassen, um die Rechte des Arbeitnehmers effektiv umzusetzen.

Gut zu wissen

 

  • Bislang besteht kein rechtlicher Anspruch auf mobiles Arbeiten oder Homeoffice

  • Grundsätzlich für jeden Arbeitnehmer rechtlich möglich

  • Regelung über den Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarungen oder einen Tarifvertrag

  • Nachteil: Ruhezeiten und Höchstarbeitszeiten müssen beachtet werden, Kontrolle jedoch schwierig

  • Vorteil: Keine Einrichtung des Arbeitsplatzes erforderlich nach ArbStättV

  • Was der Mittelstand in Sachen Home Office fordert, können Sie hier nachlesen

  • Das Förderprogramm „go-digital“ des BMWi richtet sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und das Handwerk

 

Dr. Artur-Konrad Wypych Thomas Hey
Bird & Bird LLP
BVMW-Mitglied

www.twobirds.com/de

Heute schon wissen, was den Mittelstand morgen bewegt.


Jetzt Newsletter abonnieren!

Alle Newsletter