Das Prioritätensystem der Elemente

Kolumnist Guido Augustin äußert sich dazu, wie Prioritäten richtig gesetzt werden können.

Das Leben außen, sagte mein brasilianischer Freund Lucio ein­mal, ist schon kompliziert genug. Deswegen soll das Leben innen ganz einfach sein. Hiermit möchte ich dazu einen Bei­trag leisten. Denn wenn wir wissen, was wir wollen, ist das Leben recht einfach. Das klingt leichter als es ist, deswegen der Vorschlag, mit Prioritäten zu arbeiten. Je klarer dieses Prioritätensystem, des­to besser.

Einfaches Beispiel: Wenn mir die Gesundheit meines Partners wich­tiger ist als mein Auto, und mein Partner mich anruft und von einem Autounfall berichtet, muss die erste Frage lauten: „Wie geht es dir? Bist du verletzt?“ und nicht: „Um Gottes Willen, was ist mit dem Auto?“

Nach diesem „Was ist mir wichtig(er)“-Prinzip kann ich mein ganzes Leben sortieren: Familie vor Kundentermin, Wochenenderholung vor Erreichbarkeit, Mitarbeiterzufriedenheit vor Überstunden, Moral vor Fressen und so weiter. Wenn mir Person A wichtiger ist als Person B, komme ich nie in Gewissenskonflikte, wenn beide mich zur gleichen Zeit einladen. Wenn mir meine Frau wichtiger ist als alles andere (ist sie!), kann ich reinen Herzens alle anderen Verpflichtungen absagen, wenn sie mich braucht. Also wirklich braucht. Gleiches gilt für meine Kinder. Nicht aber für den Hund.

Wenn ich meine Unternehmensziele sauber sortiert habe, kann ich Optionen ganz leicht daran messen und entspannt entscheiden.

Kein Richtig, kein Falsch

Dabei gibt es kein Richtig, kein Falsch, weil ein jeder diese Fragen für sich selbst beantworten und damit leben muss. So habe ich einen Unternehmerfreund nie verstanden, der sich nicht typisieren lassen wollte — zu jener Zeit, in der eine Stammzellenspende mit zwei Ta­gen Aufenthalt im Krankenhaus verbunden war. Seine Begründung: Wenn ich einen wichtigen Geschäftstermin habe und dann zu einer Stammzellenspende gerufen werde, will ich mich für meine Firma entscheiden und nicht in Konflikte geraten. Zum Glück ist das heute eine einfache, schnelle und sichere Sache.

Ehrlicherweise muss ich eingestehen, dass das mit dem Prioritäten­system bei weitem nicht immer klappt. Zum Beispiel, wenn wir mit ei­nem Kuchen in der Hand (Wert: 30 Euro) stolpern und den Kuchen­teller krampfhaft festhalten, anstatt unseren Unterkiefer zu schützen (Wert: 10.000 Euro). Oder wenn der eigene ethische Anspruch mit schwacher Liquidität korreliert.

Aber ich will es, ganz im Sinne meines Freundes Lucio, nicht zu kom­pliziert machen. Ist auch nicht nötig. Denn es ist mir viel wichtiger, ei­nen klaren Denkanstoß zu geben als alle Eventualitäten bis ins Detail auszudiskutieren

 

Guido Augustin
Geschäftsführer Cornelia Augustin Home Staging
www.cornelia-augustin.de

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