Gute Führung – ein Schlüssel zum Erfolg

Das Magazin des BVMW widmet sich in dieser Ausgabe dem Thema „Führung“. Gute Führung ist für Unternehmen ein Schlüssel zum Erfolg. Aber auch in der Politik ist Führung gefragt.

Für mich bedeutet das vor allem: Führung durch überzeugende Argumente. Denn die Kraft des überzeugenden Arguments führt
zu Akzeptanz und Zustimmung.

Die Führung eines mittelständischen Familienunternehmens ist in erster Linie auf unternehmerischen Erfolg ausgerichtet.
Die Bundesregierung hat zu allererst das Gesamtwohl der Bevölkerung im Blick. Was das Familienunternehmen und die Bundesregierung stark verbindet, ist, dass beide einem ständigen Wettbewerb ausgesetzt sind. Dem Wettbewerb um gute Ideen und passende Lösungen. Wenn ein Unternehmen im Wettbewerb besteht, schafft es Innovationen und macht Gewinne. Wenn in der Politik erfolgreich geführt wird, meistern wir die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit.


Politische Führung in schwierigen Zeiten


Wie wichtig gute politische Führung ist, wird durch die Corona-Pandemie deutlicher denn je. Die aktuelle Situation ist für uns alle eine große Herausforderung. Für den deutschen Mittelstand, für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die Politik. Die Bundesregierung, der Bundestag und die Länder haben in kürzester Zeit nicht nur über die Maßnahmen entschieden, die nötig waren, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Unmittelbar mit dem Inkrafttreten des ersten Shutdowns haben wir auch wirtschaftspolitische Stützungsprogramme in einem in Deutschland bisher ungekannten Ausmaß ins Leben gerufen. Es war klar, die Substanz der kerngesunden deutschen Volkswirtschaft durfte nicht verloren gehen. Menschen sollten nicht unverschuldet ihre Arbeit verlieren. Aber welche Lösungen sind die richtigen? Reicht die Ausweitung etablierter Instrumente wie des Kurzarbeitergelds oder der Kreditprogramme der KfW? Oder braucht es in einer solchen Ausnamesituation weitere Instrumente und wenn ja, sind sie fiskalisch vertretbar?
Um hier schnell zu den richtigen Antworten zu kommen, sind eine enge Abstimmung mit allen Beteiligten und eine rasche Entscheidungsfindung essenziell.


Lernen in der Krise


Am Beispiel der Überbrückungshilfen kann man gut sehen, wie politische Führung gelingt.
Nicht ideologisch polarisierend, sondern kooperativ basierend auf Beobachtungen, Fakten und Dialog. Die Nachvollziehbarkeit anderer Argumente als den eigenen ist für erfolgreiche politische Führung entscheidend. Ein Verhalten, das häufig keine guten politischen Lösungen zustande bringt, ist das unbedingte Festhalten an einmal getroffenen Entscheidungen, ist fehlende Flexibilität. Während der ersten Phase der Überbrückungshilfen von Juni bis August 2020 wurden die Gelder recht zögerlich abgerufen. Im offenen Dialog mit Unternehmen und Verbänden haben wir hier dazugelernt. Wir haben sowohl den Kreis der Anspruchsberechtigten als auch den Umfang der Förderung deutlich ausgeweitet. Zu etablierten Kreditprogrammen
sind Zuschussprogramme für kleinere Unternehmen hinzugekommen.Dies kam in weiten Teilen dem Mittelstand zugute und konnte unverschuldete wirtschaftliche Härten abfedern.


Mit Argumenten überzeugen


Die Corona-Pandemie hat die Notwendigkeit von Dialog und Kommunikation nochmals erheblich gesteigert. Eindämmungsmaßnahmen werden in Deutschland von den Bundesländern umgesetzt.
Auch viele der wirtschaftspolitischen Maßnahmen müssen auf Landesebene verwirklicht werden. Um noch mehr Austausch zwischen Bund und Ländern zu organisieren, haben wir die Frequenz der regelmäßigen Konferenzen mit den Chefs der Staatskanzleien sowie den Regierungschefs der Länder deutlich erhöht. Mit den Chefs der Staatskanzleien habe ich als Kanzleramtsminister ab dem 16. März in der ersten Zeit der Pandemie täglich gesprochen. Zudem tagt seit Beginn der Pandemie in der Regel einmal pro Woche das sogenannte Corona-Kabinett. Daneben fand beispielsweise eine Serie von Gesprächen der Bundeskanzlerin mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften zu den Auswirkungen von Corona auf die deutsche Wirtschaft statt. All dies sind Foren, in denen die Politik über Lösungen berät. Nach meiner Erfahrung haben sich dort die überzeugendsten Argumente durchgesetzt. Meine Aufgabe ist es dabei, unter häufig vielen guten Ideen die hoffentlich beste zu finden. Dialog zu führen und zu überzeugen, steht im Zentrum von politischer Führung. Natürlich brauchen Sie dazu in der Praxis auch ein wenig Durchhaltevermögen und ebenso die Fähigkeit, Ruhe zu bewahren.


Austausch mit der Wissenschaft


Genauso wichtig wie der Austausch innerhalb der Politik ist der Austausch zwischen Politik und Wissenschaft. Dazu stehen wir zum Beispiel in ständigem Kontakt mit dem Robert Koch-Institut, aber auch mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, in der Wissenschaftler aller Fachrichtungen gemeinsam Empfehlungen für die Politik erarbeiten. Das ist wichtig, weil die Maßnahmen, die wir zur Eindämmung der Pandemie ergreifen, nicht nur medizinisch sinnvoll sein müssen, sondern auch gravierende wirtschaftsund gesellschaftspolitische Implikationen haben. Eine interdisziplinäre Herangehensweise ist daher unabdingbar.


Sorgen der Bürger ernst nehmen


Gute Führung bedeutet auch, Sorgen und Wünsche der Bürgerinnen und Bürger und der Unternehmen ernst zu nehmen. Viele mittelständische Unternehmen und Verbände, die mit der aktuellen Lage große Probleme haben, wenden sich täglich an die Bundesregierung.
Das ständige Anpassen der Eindämmungsmaßnahmen an das Infektionsgeschehen, der Dialog mit den Betroffenen der
Auswirkungen der Pandemie und schnelle sowie konsequente Entscheidungen sind in einer solchen Lage die Herausforderungen, denen wir uns stellen.

 

Visitenkarte
Helge Braun studierte Medizin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Neben seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Universitätsklinikum Gießen war er als Stadtverordneter (CDU) in der Gießener Stadtverordnetenversammlung.
Seit 2009 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin
für Bildung und Forschung, von 2013 bis 2018 Staatsminister bei der Bundeskanzlerin. Seit 2018 ist Helge Braun Chef
des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben.

Bundesminister Prof. Dr. med. Helge Braun
Chefs des Bundeskanzleramtes
www.helge-braun.de

Foto: © kameraauge von www.stock.adobe.com

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