Datenstrategie der Bundesregierung: Chance für den Mittelstand?

Der BVMW begrüßt die neue Datenstrategie der Bundesregierung. Denn auch kleine Unternehmen müssen auf größere Datenmengen zugreifen können. So fordert der BVMW schon lange einen Rechtsspruch, der Datenpooling für KMU erlaubt.

Die Bundesregierung hat am 27. Januar eine neue Datenstrategie beschlossen. Ziel dieser Strategie ist es, einen gesellschaftlichen Nutzen aus der richtigen Verwendung von Daten zu ziehen. Dadurch sollen sich nicht nur wirtschaftliche Vorteile ergeben, sondern auch das Leben der Bürgerinnen und Bürger erleichtert werden.

In der Wirtschaft werden große Datenmengen vor allem für datenbasierte Analysen benötigt. Anwendungsbeispiele gibt es in zahlreichen Brachen, wie beispielsweise im Bereich Mobilität (digitales Parkraummanagement), Industrie 4.0/KMU (Smart Manufacturing) Smart Living (smarte Gebäudebewirtschaftung) sowie dem Öffentlicher Sektor (digitale Verwaltung).

Im Rahmen seiner Datenstrategie will die Bundesregierung 240 Maßnahmen umsetzen, die vier große Handlungsfelder umfassen:

  1. Die Dateninfrastruktur soll leistungsfähiger und nachhaltiger werden. Hierzu gehören vor allem Infrastrukturmaßnahmen, wie z.B. das Projekt „GAIA-X“. Aber auch Pläne zu Quanten- und Hochleistungsrechnern.
  2. Die Nutzung von Daten soll innovativ und verantwortungsvoll gesteigert werden. Ziel ist es, dass in Zukunft mehr Daten genutzt und geteilt werden können und gleichzeitig ein Datenmissbrauch verhindert wird. Durch innovative Datenräume und mehr Rechtssicherheit soll dieses Ziel erreicht werden.
  3. Die Datenkompetenz in der Bevölkerung soll erhöht werden. Dabei steht Bildung im Zentrum der Maßnahmen. Das Jahr 2021 soll zur Förderung der digitalen Bildung genutzt werden.
  4. Der Staat soll Vorreiter im Bereich Datennutzung werden. Ziel ist es, staatliche Einrichtungen bürgerfreundlicher und transparenter zu gestalten.

Maßnahmen mit KMU-Fokus

Für den Mittelstand sind vor allem die Kapitel zu Datentreuhändern und der Vermittlung von Datenkompetenzen relevant.

Gerade KMU teilen Daten überwiegend mit Kunden, aber nur selten mit anderen Unternehmen, oft aufgrund von Sicherheitsbedenken. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, sollen nun die nötigen Rahmenbedingungen für einen sicheren Austausch geschaffen werden. Durch eine Reihe von Maßnahmen sollen künftig unabhängige, vertrauenswürdige Datentreuhändler eingesetzt werden können. 

Zusätzlich soll auch die Förderung von Datenkompetenzen insbesondere für KMU ausgeweitet werden. Der Mangel an personellen Ressourcen ist nämlich oft ein Haupthindernis für den Mittelstand beim Thema Digitaler Innovation. Hierfür werden bereits bestehende Initiativen wie „Mittelstand Digital“ oder „KMU-Innovativ“ mit neuen Förderprogrammen wie „Go-Data“ ergänzt.

Reaktionen fallen unterschiedlich aus

Die Reaktionen auf die Pläne der Bundesregierung fallen gemischt aus. Zwar sind sich alle einig, dass eine Datenstrategie dringend erforderlich ist, mit der Umsetzung sind aber nicht alle zufrieden.

So begrüßen Verbände der Digital- und Automobilindustrie das Vorhaben der Bundesregierung, mahnen aber zugleich, dass erste Maßnahmen auch zeitnah umgesetzt werden müssen.

Deutliche Kritik an der Strategie kam vor allem aus der Opposition. Die Bundestagsfraktionen der FDP und von Bündnis90/Die Grünen bemängeln insbesondere, dass es sich lediglich um viele Einzelvorhaben ohne konkrete Umsetzungspläne handeln würde. Die Corona-Pandemie hätte gezeigt, dass beim Datenmanagement große Defizite bestünden.

Ein richtiger Schritt, aber noch viel Arbeit

Der BVMW begrüßt die Datenstrategie der Bundesregierung. Das Teilen von Daten bietet große Chancen für den Mittelstand. Sollte es in Zukunft möglich sein, dass auch kleinere Unternehmen auf große Datenmengen zugreifen können, fördert dies nicht nur Innovationen, sondern trägt auch dazu bei, den Wettbewerbsvorteil großer Technologiekonzerne etwas zu verringern.  

Die Erkenntnis und die vorgeschlagenen Maßnahmen sind allerdings nicht neu. So fordert der BVMW schon lange einen Rechtsspruch, der Datenpooling für KMU erlaubt und setzt sich für attraktivere Förderungen in diesem Bereich ein. Ob die Datenstrategie also wirkliche Verbesserungen für KMU mit sich bringt, entscheidet sich schlussendlich erst, wenn die versprochenen Maßnahmen auch wirklich umgesetzt werden. 

Bei Fragen wenden Sie sich an eva.mattes@bvmw.de

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