Startups: Der Mittelstand von morgen

Innovative Gründerinnen und Gründer tragen dazu bei, dass zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Mit neuen Ideen machen sie den Wirtschaftsstandort Deutschland stark. Welche Entwicklungen und Trends gibt es aktuell in der Gründerlandschaft?

Die Corona-Pandemie hat hier zu teilweise harten Einschnitten geführt. Dennoch gibt es die deutschen Einhörner, also junge Unternehmen mit einer Milliardenbewertung. Das zeigt, welche Stärke in der deutschen Gründerlandschaft steckt. Dieses zarte Pflänzchen gilt es sicher durch die Corona-Pandemie zu tragen. Einzelne Branchen wie Event, Gastronomie, Reisen oder Mobilität haben es derzeit sehr schwer – aber es gibt auch Gewinner. Es wird nicht das Startup-System an sich treffen, aber gefährdeten Bereichen muss hemdsärmelig geholfen werden.

Wirtschaftliche Hilfen

Schon Ludwig Erhard wusste, dass Wirtschaft zu 50 Prozent Psychologie ist. Daher gibt es das Zwei-Milliarden-Paket, das das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesfinanzministerium gemeinsam mit der KfW umgesetzt haben. Das kurzfristige Hilfs-programm für Startups mit der Corona Matching Fazilität (CMF; Säule 1) für private VC-Fonds und der Säule 2 über die Landesförderinstitutionen direkt für Startups und kleine Mittelständler deckt einen Großteil des Marktes ab und ist groß genug, um für Sicherheit im Markt zu sorgen. Dazu kommen das Kurzarbeitergeld oder Stundungen durch die Finanzämter. Zudem wurde zur weiteren Stimulierung der Wirtschaft und zur Förderung der Digitalisierung auch eine Sofortabschreibung für digitale Wirtschaftsgüter rückwirkend zum 1. Januar 2021 beschlossen. Das ist ein gewaltiger Schub für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die Kosten für Computerhardware und Software zur Dateneingabe und -verarbeitung zukünftig direkt im Jahr der Anschaffung oder Herstellung abschreiben können.

Der Zukunftsfonds

Der Staat investiert weiter in das Startup-Ökosystem. Der deutsche Wagniskapitalmarkt hat sich insbesondere in der Frühpha- senfinanzierung gut entwickelt, ist im internationalen Vergleich aber noch ausbaufähig. Insbesondere in den Wachstumsphasen mit Finanzierungsvolumina von 50 bis 150 Millionen Euro mangelt es deutschen Startups an Kapital. Hier muss der Instru- mentenkasten mit Blick auf die kapitalintensive Wachstumsphase weiterentwickelt werden. Ein Schritt in diese Richtung ist der neue Zukunftsfonds: Damit wird die Förderlandschaft für Startups in Deutschland weiter ausgebaut. Auf der einen Seite werden bewährte Finanzierungsinstrumente verstärkt, auf der anderen Seite gibt es komplett neue kreative Förderinstrumente. Alleine mit den zunächst zehn Milliarden Euro an staatlichen Mitteln des Zukunftsfonds soll das Doppelte an privaten Mitteln gehebelt und so mindestens 30 Milliarden Euro an Wagniskapital junge und innovative Startups mobilisiert werden. Der Zukunftsfonds hat eine Laufzeit von zehn Jahren und soll durch erfolgreiche Wiederanlagen und Investments weiterwachsen, ohne den Haushalt zusätzlich zu belasten.

"Deutschland braucht mehr Gründungen, insbesondere mehr Gründungen von Frauen."

Erleichterungen bei den Mitarbeitenden

Innovative Unternehmen brauchen aber auch innovative und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2020 wurde ein Rahmen für eine zukunftsorientierte und bedarfsgerechte Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten geschaffen. Hier muss der nächste Schritt folgen, nämlich Erleichterungen für IT-Fachkräfte auch ohne Studienabschluss und echte Servicecenter, die die langen Wartezeiten an den Botschaften für die notwendigen VISA-Vergaben deutlich be- schleunigen.

Gründungen von Frauen

Um auch in Zukunft Innovation in der Gründungslandschaft zu erhalten, sind Unternehmensgründungen durch Frauen ein Schwerpunkt, der mehr Aufmerksamkeit benötigt. Laut KfWGründungsmonitor 2020 ist der Anteil von Gründerinnen bei Existenzgründungen gegenüber 2018 um vier Prozent zurückgegangen und beträgt aktuell 36 Prozent, bei Startups sind Frauen hingegen noch seltener, nämlich nur knapp 16 Prozent in 2019 laut Female Founders Monitor 2020. Deutschland braucht mehr Gründungen, insbesondere mehr Gründungen von Frauen. Hier kann man stark auf die Wirkung von Vorbildern setzen, wie es das Bundeswirtschaftsministerium mit der Initiative „FRAUEN unternehmen“ verfolgt. Hier gehen über 200 Unternehmerinnen bundesweit als „role models“ an Schulen und Hochschulen sowie zu Veranstaltungen im Gründungskontext. Dort berichten sie von ihrem unternehmerischen Alltag, machen Mut und inspirieren.

Nachwuchs von den Hochschulen

Der Nachschub für innovative Gründungen kommt in vielen Fällen direkt aus der Wissenschaft, nämlich durch Ausgründungen an Hochschulen. Hier sind die Antragszahlen im Programm EXIST (Förderung innovativer Startups aus der Wissenschaft) trotz Coronakrise deutlich gestiegen, nämlich um 15 Prozent auf 229 Bewilligungen. Ein Beispiel für die Exzellenz dieses Programms: Das EXIST-geförderte Startup PVT arbeitet in Tübingen an einer möglichen zweiten Generation eines Corona-Impfstoffs, der gegen mehrere Antigene des Corona-Virus gleichzeitig wirksam ist und auch gegen zukünftige Mutationen schützen soll. Zukunftsträchtige Technologien und Innovationen sind notwendig, um die breite industrielle Basis und den deutschen Mittelstand zu erhalten und die Digitalisierung auch in der Wirtschaft voranzutreiben. Die Politik setzt hier die Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Gründer von heute, den Mittelstand von morgen.

 

Gut zu wissen

■ 2019 gab es in Deutschland 605.000 Gründerinnen und Gründer

■ Beim neuen Zukunftsfonds werden bewährte Finanzierungsinstrumente verstärkt, wie die Aufstockung des ERP/EIF Dachfonds, mehr Mittel für den High-Tech-Gründerfonds coparion und die KfW Capital (Beteiligungsgesellschaft)

■ Außerdem gibt es neue kreative Förderinstrumente: den Deep Tech Fund, ein Dachfonds nach dem Wasserfallmodell mit Junior- und Seniortranchen bei den Investments und Separate Managed Accounts für spezifische Investitionen

 

Thomas Jarzombek MdB

Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt und Beauftragter des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Startups

Copyright: Singkham/Istockphoto

Heute schon wissen, was den Mittelstand morgen bewegt.


Jetzt Newsletter abonnieren!

Alle Newsletter