Wie Wasserstoff gebändigt wird

Der Ruf nach einer CO2-freien Welt wird immer lauter. Alle 27 Länder der Europäischen Union haben sich bereits verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein.

Foto: © Hydrogenious LOHC Technologies

Auch in Deutschland herrscht bei Experten und Politikern große Einigkeit darüber, dass ein umsichtiges Aufgreifen der Wasserstofftechnologien ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Klimaneutralität ist.

 

Wasserstoff ist für das Erreichen der Klimaziele als Energieträger unverzichtbar. Das weltweit am meisten verwendete Industriegas hinterlässt beim Verbrennen keine Abgase. Das macht Wasserstoff zum idealen Ersatz für Kohle, Öl und Erdgas in Industrie und Verkehr.

Klimafreundliche Energie

Grüner Wasserstoff wird mit Hilfe von Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt und lässt sich über Brennstoffzellen in Strom und Wärme umwandeln. Er kann als Kraftstoff im Verkehr eingesetzt werden – insbesondere dort, wo eine Elektrifizierung nicht sinnvoll oder möglich ist. Zusammen mit CO2 lässt er sich zudem in andere klimafreundliche Kraftstoffe umwandeln, die LKW, Schiffe und Flugzeuge antreiben. Auch die Umstellung der Industrie auf emissionsarme Prozesse soll mit Wasserstoff erfolgen. Es gibt jedoch eine Herausforderung bei der dezentralen Wasserstoffversorgung: Der Transport ist bisher teuer, ineffizient und mit Sicherheitsrisiken verbunden.

Wasserstoffhandhabung leicht gemacht

Die Liquid Organice Hydrogen Carrier (LOHC)-Technologie schafft genau dort den Durchbruch, sie bindet Wasserstoff an ein organisches Trägermaterial. Das sonst sehr flüchtige Gas kann an das Öl gebunden unter atmosphärischen Bedingungen einfach und effizient gelagert und transportiert werden. Die Vorteile dieses Verfahrens sind die hohe Speicherdichte des Wasserstoffs und die schwere Entflammbarkeit. Zudem ist dadurch der gasförmige Superbrennstoff einfach handhabbar, und es kann auf die bestehende Infrastruktur für flüssige, fossile Kraftstoffe zurückgegriffen werden. Für die Entwicklung dieser LOHC-Technologie wurde das Unternehmen Hydrogenious LOHC Technologies GmbH, ein Spin-Off der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Energy Transition Award und dem Bayerischen Gründerpreis. Die Nominierung zum Deutschen Zukunftspreis ist eine weitere große Auszeichnung und Würdigung des Erlanger Unternehmens.

Bereits heute ist Hydrogenious LOHC Technologies in dem EU-Wasserstofftankstellen-Projekt „HySTOC“ erfolgreich aktiv. Zudem erarbeiten die Erlanger Lösungen, die die Stadt Essen mit Erneuerbarer Energie vernetzt. Darüber hinaus soll im kommenden Jahr in Nordrhein- Westfalen die erste großindustrielle Anlage für die Einspeicherung von Wasserstoff mittels der LOHCTechnologie entstehen. Das Thema Wasserstoff ist ein wichtiger Bestandteil für die Dekarbonisierung des Energiesystems.

 

Hans-Josef Döllgen
Direktor des Bundeswirtschaftssenats Süd
hans-josef.doellgen@bvmw.de

Selime Celik
BVMW Assistentin des Bundeswirtschaftssenats
http://bvmw.info/Wirtschaftssenat

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