Neuer Humanismus in der Versicherung

Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland AG, erklärt, wie sich die Versicherungsbranche mit der Digitalisierung und Nachhaltigkeit weiterentwickelt.

Generali, zweitgrößter Erstversicherer auf dem deutschen Markt, und BVMW sind Partner des „Sustainable Impact Award – SIA“, der sich dem nachhaltigen deutschen Mittelstand widmet.

DER Mittelstand.: Herr Liverani, die Generali hat sich zum Ziel gesetzt, die Nummer 1 der Versicherer in Deutschland in Sachen Innovation zu werden. Was ist Innovation in der Versicherung?

Giovanni Liverani: Bei Generali verstehen wir unter Versicherungsinnovation den Paradigmenwechsel von Schutz und Zahlung im Schadenfall hin zu Prävention, Partnerschaft und Hilfe. Nach unserer Überzeugung reicht es für Versicherer nicht mehr aus, einfach nur Schäden zu begleichen. Die Kunden wollen personalisierte Lösungen und Dienstleistungen erhalten, die sich auf den Menschen konzentrieren, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Deshalb spreche ich oft von einem neuen Humanismus in der Versicherung.

"Gemeinsam mit dem BVMW und dem deutschen Mittelstand wollen wir die Chance eines grünen, nachhaltigen und humanistischen Aufschwungs fördern und nutzen. Als Rückgrat der deutschen Wirtschaft spielt der Mittelstand eine entscheidende Rolle bei der Vision einer nachhaltigen Wirtschaft in der Zukunft."

Wie wollen Sie denn diesen Paradigmenwechsel umsetzen?

Dank innovativer Technologien – Datenanalyse und Künstliche Intelligenz (KI) revolutionieren unseren Job, denn die Fähigkeit, Muster zu erkennen und Risiken zu bewerten, hat sich dramatisch verbessert. Ein Beispiel: Wir sind dabei, auf dem deutschen Markt eine App einzuführen, die Vitalwerte wie die Sauerstoffsättigung des Blutes und den Herzschlag nur über die Kamera des Smartphones misst. Die Daten werden durch KI aufbereitet, um den Nutzern ein leistungsfähiges Werkzeug zur Gesundheitsvorsorge an die Hand zu geben. Daher setzen wir auf fortschrittlichen Einsatz von Technologie – aber immer mit dem individuellen Menschen im Mittelpunkt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Innovation und Nachhaltigkeit?

Ja, und zwar einen starken! Nachhaltig zu sein bedeutet, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, also effizient zu sein – nicht nur zu modernisieren, sondern auch zu transformieren. Es geht um mehr Verwertung und weniger Verschwendung. Mit anderen Worten: Sie müssen innovativ sein. Im Bereich der Nachhaltigkeit hat die Generali gemeinsam mit dem BVMW den Sustainable Impact Award – SIA ins Leben gerufen.

"Wir setzen auf fortschrittlichen Einsatz von Technologie – aber immer mit dem individuellen Menschen im Mittelpunkt."

Was ist sein Ziel?

Der SIA verschafft KMU, die besonders nachhaltig wirtschaften, eine erhöhte Sichtbarkeit. Der Preis wird in fünf verschiedenen Kategorien vergeben, drei davon sind für Unternehmen mit bis zu 10.000 Mitarbeitern bestimmt: Auswirkungen auf die Umwelt, Auswirkungen auf die Mitarbeiter sowie grüne Produkte. Darüber hinaus richtet sich der „Generali SME EnterPRIZE“ an Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Schließlich möchte der „The Human Safety Net SME Refugee EnterPRIZE“ die nachhaltigsten Startups belohnen, die von Flüchtlingen gegründet wurden.

Warum ist die Kooperation mit dem BVMW für Generali Deutschland so wichtig?

Gemeinsam mit dem BVMW und dem deutschen Mittelstand wollen wir die Chance eines grünen, nachhaltigen und humanistischen Aufschwungs fördern und nutzen. Als Rückgrat der deutschen Wirtschaft spielt der Mittelstand eine entscheidende Rolle bei der Vision einer nachhaltigen Wirtschaft in der Zukunft. Unser strategisches Ziel ist es, ein Lifetime Partner unserer Kunden zu werden, bei denen es sich in erster Linie um Privatpersonen und KMU handelt. Um dieses Ziel zu erreichen, möchten wir die KMU auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit begleiten.

 

Das Interview führte Benjamin Schroth, BVMW Leiter Kompetenzpartner und Verbandskooperation.

 

Visitenkarte

Giovanni Liverani ist seit April 2015 Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland AG. Er schloss sein Studium als Industrial Engineer am Politecnico di Milano ab und kam danach zur Generali, der Versicherungsgruppe mit den höchsten Prämieneinnahmen in Europa. Seitdem ist er ununterbrochen im Unternehmen. 2019 war er im Ranking der Zeitschrift „Deutschland TOP Manager“ unter den Top100. Als CEO der Generali Deutschland AG implementierte Liverani einen Business-Turnaround, der zu einer einfacheren Governance, höherer Profitabilität und geringerer Kapitalbindung führte. Zudem führte er in Deutschland Generali Vitality ein: Das innovative Gesundheitsprogramm motiviert Kunden zu einem gesünderen Lebensstil. Zu den vielbeachteten Innovationen der Generali zählen auch die Telematik- und Smart-Home-Lösungen, die beispielsweise Daten über Nutzung und Fahrverhalten von Autofahrern berücksichtigen. Vor seiner Ernennung in Deutschland war Liverani in 13 verschiedenen Ländern tätig, unter anderem als Bereichsleiter für das internationale Geschäft und seit 2013 als CEO für EMEA. Die Digitalisierung ist für Liverani bekanntes Terrain: So gründete er bereits 1994 die Genertel mit, den heute führenden Online-Versicherer in Italien.

www.generali.de

 

Fotos: © Stefan Hobmaier; euthymia von www.stock.adobe.com

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