Ein Hotelbett geht auf Reisen

K steht bei uns für Kreativität und nicht für Krise“, betont Claudia Wießner und lädt ein Hotelbett aus dem Weimarer Hotel Amalienhof in den Transporter. „Auf geht’s zum Brandenburger Tor – Berlin, wir kommen.“

Claudia Wießner mit der Aktion „Wir vermissen unsere Gäste“ vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Wenn sich die Geschäftsführerin des Weimarer Amalienhofs und des Berliner Carolinenhofs etwas in den Kopf gesetzt hat, dann lässt sie nicht locker. Die Idee mit dem reisenden Hotelbett kam Claudia Wießner im ersten Lockdown im vergangenen März. In Weimar hatte eine Interessengemeinschaft für den Einzelhandel dazu aufgerufen, jedes geschlossene Geschäft mit einer Laterne zu beleuchten. Claudia Wießner beließ es nicht bei der Laterne, sondern gestaltete gleich ein ganzes Hotelzimmer im Freien, mit Bett, Koffer, Nachttisch und – Laterne.

Marketing mit Witz

Nachdem diese Aktion viel Aufmerksamkeit, aber auch positive Stimmung bei den eigenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verbreitet hatte, kam ihr die Idee, mit dem Bett auf Tour zu gehen – als Werbung für die beiden Hotels.
Nun steht sie am Brandenburger Tor neben ihrem Hotelbett. Es ist kalt, der Himmel blau. Einige Passanten reiben sich verwundert die Augen. Auf dem selbst entworfenen Plakat, das sie in den Händen hält, steht schlicht „Wir vermissen unsere Gäste“. Keine Forderungen oder Anklagen. Fast alle Medien berichten über diese spektakuläre Aktion. Frei nach dem Motto „Wenn die Gäste nicht zu uns kommen können, dann gehen wir eben zu ihnen“, schafft Claudia Wießner auch in Zeiten der Pandemie Aufmerksamkeit. „Ich wollte in der schweren Zeit auch ein bisschen Zuversicht vermitteln.“
Natürlich kann auch sie die Kausalkette – keine Reisen, kein Tourismus, keine Übernachtungen – nicht überlisten, aber die Hoteltour motiviert auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach Weimar und Berlin, Dresden und Leipzig stehen jetzt Hamburg und Usedom auf dem Plan. „Das Hotelbett kommt rum“, erläutert die Hoteldirektorin mit einem verschmitzten Lachen.

Thüringer Tourismuspreis für YouTube-Videos

Grund zum Lachen hatte Wießner auch im letzten Oktober. Da wurde der „engagierten Mutmacherin“ der Thüringer Tourismuspreis in der Kategorie Digitale Lösungen in der Krise verliehen. Mit dem YouTube-Kanal Hotel TV 5.0 hatte sie zusammen mit dem Filmemacher Stefan Schmidt eine ganz besondere Idee umgesetzt. Die Ausgangsfrage: Wie bleibt man mit Stammgästen in Kontakt, auch wenn diese nicht hier übernachten dürfen? „Wir wollten unterhalten und informieren. Meine zwei Teams in Berlin und Weimar waren von einem YouTube-Kanal hellauf begeistert und zogen mit“, erklärt Claudia Wießner. In sieben Wochen wurden zwölf Videos gedreht – mal als Blick hinter die Kulissen eines Hotels, mal als Liveschaltungen zu touristischen Partnern wie dem Deutschen Nationaltheater Weimar und der Klassik Stiftung Weimar.

Stammgäste verwöhnen

Um ihre Kunden zu binden, wurden einige Stammgäste zum Geburtstag mit einem Glas Sekt und einem musikalischen Ständchen verwöhnt. „Wir sind zu ihnen gefahren und haben von der Straße oder vom Garten aus Happy Birthday gesungen“, erinnert sich die Hoteldirektorin. Diese Überraschungsaktionen sorgten für einen positiven und emotionalen Kundenkontakt. Soviel Engagement muss sich auszahlen. „Die Abonnentenzahlen des digitalen Newsletters haben mittlerweile die 1.500er Marke übersprungen“, freut sich Frau Wießner und fügt hinzu „Da sind auch ganz viele potenzielle Neukunden dabei.“

 

Visitenkarte

Carolinenhof Berlin
Gründung: 1975
Firmensitz: Berlin
Geschäftsführerin: Claudia Wießner
Mitarbeiter: 10
BVMW-Mitglied

www.vch.de/hotels/vch-hotel-carolinenhof

Visitenkarte

Amalienhof Weimar
Gründung: 1904
Firmensitz: Weimar
Geschäftsführerin: Claudia Wießner
Mitarbeiter: 11
BVMW-Mitglied

www.amalienhof-weimar.de

Herbert Beinlich
BVMW Leiter Kreisverband Berlin-Brandenburg Südwest, BVMW Pressesprecher Berlin

herbert.beinlich@bvmw.de

 


Foto: © Hotels Carolinenhof und Amalienhof/Claudia Wießner

 

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