Photovoltaik lohnt sich doch

Weltweit finden sich nur wenige Länder, in denen die Kilowattstunde Strom mehr kostet als in Deutschland. Doch die Energiewende ist nicht teuer, sie wird teuer gemacht.

Mit einer Aufdachanlage können Unternehmen den benötigten Strom selbst produzieren.

Der technologische Fortschritt der vergangenen 15 Jahre hat dazu beigetragen, die Kosten von Photovoltaik-Kraftwerken nachhaltig zu senken. So fielen die Investitionskosten bei Photovoltaikanlagen im Zeitraum von 2008 bis Ende 2019 um durchschnittlich etwa 12 Prozent jährlich. Parallel zu den fallenden Investitionskosten sanken damit auch die Kosten pro Kilowattstunde für Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen betrug im Januar 2021, abhängig von der Anlagengröße, bis zu 8,16 ct/kWh. Ausschreibungsrunden für Anlagen mittlerer Größe haben bereits Preise von 4,33 ct/kWh erzielt. Photovoltaik und Wind (ca. 4,60 ct/kWh) sind damit die preiswertesten Stromquellen geworden.

Diese Kostenvorteile kommen aber oftmals nicht bei den Endverbrauchern an. Obwohl der Gesetzgeber den Ausbau Erneuerbarer Energien fördert, sorgen Stolperfallen im Gesetz immer wieder für ungewünschte und überflüssige Kostensteigerungen. So wird der Eigenverbrauch aus Photovoltaikanlagen oberhalb einer Grenze von 30 kWp mit 40 Prozent der aktuellen EEG-Umlage belastet, was die Kosten pro Kilowattstunde um 2,6 Cent in die Höhe treibt, also um mehr als 30 Prozent.

Eigenverbrauch plus Speicher

Neben den politischen Forderungen, diesen Missstand zu beheben und die Regeln so zu korrigieren, dass zukunftssichere Strukturen zur Energieversorgung geschaffen werden, können Unternehmerinnen und Unternehmer aber schon jetzt aktiv werden. Denn vor allem für mittelständische Betriebe lohnt es sich, die Investition in eine eigene Aufdachanlage zu prüfen. Unter der genannten Bagatellgrenze von 30 kWp Nennleistung entfallen die zusätzlichen Kosten nämlich weitgehend.
Eine solche Anlage kann heute bereits für deutlich unter 1.000 Euro pro kWp installierter Leistung realisiert werden. Entsprechend günstig ist der produzierte Strom, vor allem im Vergleich mit den hohen Bezugspreisen für gewerbliche Verbraucher in Höhe von netto etwa 23 ct/kWh. So kann die Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach den Strom deutlich günstiger liefern, als er aus dem Netz zu beziehen wäre. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 60 bis 80 Prozent bei durchschnittlichen Gewerbebetrieben kann eine eigene Photovoltaikanlage also einen signifikanten Teil zur Senkung der betrieblichen Energiekosten beitragen. Zusammen mit einer Batterie kann dieser Wert sogar in Richtung 100 Prozent gehoben werden. Das Tempo der technologischen Entwicklung lässt erwarten, dass die Kosten auch in den kommenden Jahren weiter fallen werden. Im Vergleich dazu ist die klassische Lösung der Einspeisung im Rahmen des EEG in den vergangenen Jahren deutlich weniger attraktiv geworden.

 

Gut zu wissen

 

  • Anlagen von 10 bis 100 kWp können heute bereits 75 % günstiger angeboten werden als noch vor zwölf Jahren
     
  • Es lohnt sich, Investition in eine eigene Aufdachanlage zu prüfen
     
  • Technologische Entwicklung lässt erwarten, dass die Kosten auch in den kommenden Jahren weiter fallen werden

Prof. Dr. Eicke R. Weber
Vorsitzender der Kommission für Energie und nachhaltiges Wirtschaften im BVMW

Guido Körber
Geschäftsführender Gesellschafter der Code Mercenaries GmbH
Vorstandsmitglied der Kommission für Energie und nachhaltiges Wirtschaften im BVMW

Andre Steffens
Geschäftsführer der Wi SOLAR GmbH
Vorstandsmitglied der Kommission für Energie und nachhaltiges Wirtschaften im BVMW

Kommission für Energie und nachhaltiges Wirtschaften im BVMW

 


Foto: © Wi SOLAR GmbH

 

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