Wissensaustausch - gerade jetzt!

Im Interview spricht Bundeswirtschaftssenator Thorsten Gareis über das Kooperationsprojekt „Digitalization of procurement in Russia“ zwischen dem BVMW und der Saint-Petersburg State University of Economics (UNECON).

Die Saint-Petersburg State University of Economics (UNECON).

DER Mittelstand.: Herr Gareis, worum geht es in dem von Ihnen initiierten Projekt?

Thorsten Gareis: Inhaltlich geht es darum, dass Einkauf, Beschaffung und Supply Chain Management von den Nachwuchsakademikern als ganzheitlicher Prozess verstanden werden. Konzeptionell handelt es sich um ein Bildungsprojekt, in dem wir seit März vergangenen Jahres den Wissensaustausch zwischen Studierenden und Unternehmerinnen und Unternehmern organisieren – und das in einem internationalen Kontext.

Klingt spannend. Wie ist das Projekt genau organisiert?
Die Studierenden erhalten Fragestellungen aus Themengebieten wie E-Procurement, Plan-to-Strategy, Source-to-Pay oder Supply Chain Management. Diese habe ich gemeinsam mit Professorin Irina Shapalova von der UNECON entwickelt. Die Studierenden lernen so die wertschöpfenden Aufgaben der Beschaffung im digitalen Zeitalter zu verstehen und anzuwenden – und verbinden dabei Theorie und Praxis. Einige Studentengruppen führen sogar Befragungen unter russischen Unternehmen durch, weil sie wissen wollten, wie der Beschaffungsmarkt genau funktioniert. Nach Abschluss eines Moduls präsentieren sie ihre Ergebnisse. Mitgliedsunternehmen des BVMW können dann dabei sein.

Was war aus Ihrer Sicht das interessanteste Ergebnis der Zusam- menarbeit?
Ich bin begeistert, wie schnell, strukturiert und akkurat die Studierenden der UNECON Ergebnisse generieren. Und inhaltlich ist es eine wahre Fundgrube: Wüssten Sie nicht auch gerne, welches die führenden elektronischen Handelsplattformen in Russland sind und wie diese Marktplätze ihre Waren beziehen? Da mein eigenes Unternehmen viele Kunden aus der Pharmabranche in Deutschland berät, hat mich ein Ergebnis besonders überrascht: Der weitaus größte Teil der Aufträge an Pharmaunternehmen in Russland wird über öffentliche Auktionen vergeben.

Wie können mittelständische Unternehmen diese Informationen nutzen?
BVMW-Mitglieder können an den Präsentationen oder Diskussionen teilnehmen – oder an der Digitalkonferenz, die wir für Oktober 2021 planen.
Über die Außenwirtschaftsabteilung des BVMW kann eine Zusammenfassung der bisherigen Research-Berichte bezogen werden. Diese befassen sich konkret mit dem Einzelhandel, dem Pharmasek- tor und dem Öl- und Gassektor in Russland.

Worin liegt für Sie der besondere Reiz in der Zusammenarbeit mit einer Universität in Russland?
Unternehmerinnen oder Unternehmer mit Generationenverantwortung zu sein bedeutet auch, die digitale Transformation von internationalen Supply Chains umzusetzen – eben über alle politischen Herausforderungen hinweg. Nur so kann er für die Zukunft wettbewerbsfähig bleiben. Dazu gehört ein länderübergreifender Wissensaustausch. Abgesehen von den interessanten Menschen ist Russland auch ökonomisch hoch attraktiv.

Trotz der aktuellen Spannungen?
Ja, selbstverständlich. Bei uns geht es um den Austausch von Wissen – und nicht um Politik. Studierende und Unternehmerinnen und Unternehmer sollten jetzt mehr denn je miteinander reden. Darum hat der BVMW das Kooperationsprojekt mit der UNECON vereinbart.

 

Thorsten Gareis ist Gründer und Inhaber des gleichnamigen Beschaffungsdienstleisters und Beratungsunternehmens.

Das Interview führte Prof. Dr. Michael Vogelsang.

 

Gut zu wissen

 

  • Über die UNECON
    Die Saint-Petersburg State University of Economics (UNECON) gehört zu den international führenden Universitäten für Wirtschaftswissenschaften. Sie bildet über 15.000 Studierende in 42 Bachelor-, 53 Master- und 9 PhD-Programmen aus. Der BVMW kooperiert mit der UNECON im Rahmen seines internationalen Netzwerks zum Wissenstransfer
     
  • eProcurement Konferenz
    Studierende der UNECON werden bei einer Konferenz zur Digitalisierung der Be- schaffung am Dienstag, 19. Oktober 2021, ab 10 Uhr ihre Ergebnisse präsentieren. Unternehmerinnen und Unternehmer aus Deutschland und Russland sind herzlich zur aktiven Teilnahme eingeladen. Anmeldung und weitere Informationen: unecon@bvmw.de

Bericht einer Teilnehmerin

„Ich studiere seit 2017 „Logistics and Supply Chain Management“ an der St. Petersburger Universität UNECON. Unser Studienprogramm ist international, viele Kommilitoninnen und Kommilitonen kommen aus anderen europäischen Ländern. Allerdings gibt es in Russland verhältnismäßig wenige Unternehmen mit mehr als 50 und weniger als 500 Mitarbeitern. Aber der Mittelstand entwickelt sich. Deshalb wollen wir uns als Studierende mit dem Thema auseinandersetzen und sind über die Kooperation mit dem BVMW froh. In dem Projekt zum eProcurement von Thorsten Gareis habe ich – unter der Leitung meiner Professorin Daria Ivanova – in meiner Gruppe den Einzelhandel analysiert. Daraus ist sogar ein eigenständiger und professionell gestalteter Report entstanden. Ich freue mich auf die Konferenz im Oktober, wenn Unternehmerinnen und Unternehmer und Studierende gemeinsam über die Digitali- sierung der Beschaffung diskutieren können.“

Mari Osipova

 


Foto: © UNECON

 

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