Serientipp: After Life

Der englische Radiomoderator, Schauspieler, Regisseur, Filmproduzent und Stand-up-Comedian Ricky Gervais hat mit der Serie „After Life“ einen Coup gelandet, der auch hierzulande für Aufmerksamkeit sorgt – garantiert mit feinstem britischen Humor.

Friedhofsgespräche: Tony (Ricky Gervais) und Anne (Penelope Wilton) trauern um ihre Partner, philosophieren und trinken gerne auch mal einen.

Ein Vierteljahrhundert waren Tony (Ricky Gervais) und Lisa Johnson (Kerry Godliman) ein glückliches Paar. Sie verzichteten auf Kinder und führten eine geniale Ehe. Bis Lisa an Brustkrebs verstarb und Tony allein zurückließ. Was passiert, wenn man einen geliebten Menschen verliert? Tony entwickelt sich zu einem britischen Grantelhuber. Er flüchtet sich in eine neue Identität, reagiert aggressiv auf seine Mitmenschen, schmettert ihnen Wahrheiten ins Gesicht, die sie niemals hören möchten, und genießt es, andere zu beleidigen. Alle sollen sich schlecht fühlen, weil er sich schlecht fühlt. Er wird zum Nihilisten, der seine Mitmenschen mit beißendem Spott attackiert. Aus diesem Verhalten zieht er die Kraft, die er zum Überleben braucht. Am liebsten würde er sich umbringen, aber seine Versuche scheitern. Schließ- lich ist da noch der Hund, der gefüttert werden muss. Und es gibt die Videobotschaften, die Lisa mit Anweisungen zum Weiterleben für ihn aufgezeichnet hat. „Sei nett zu deinen Freunden“, gibt sie ihm auf den Weg, und „Ich will, dass du jemanden kennenlernst, fast genauso toll wie ich, du kannst wieder glücklich werden.“ Aber so einfach ist das nicht.

Trauerbonus

Ort der Handlung ist eine englische Kleinstadt. Hier ist alles überschaubar, beschaulich, jeder kennt jeden, und immer scheint die Sonne. Tony ist Chefredakteur bei der Tumbury Gazette, einem kostenlosen Anzeigen- blatt, das über die Menschen und ihre obskuren Geschichten berichtet. Tonys Chef, Matt (Tom Basden), ist nicht nur der Herausgeber der kleinen Zeitung, sondern auch sein Schwager. Er und das Team haben viel Verständnis für Tony, halten zu ihm und versuchen die täglichen Rundumschläge, Gemeinheiten und das Selbstmitleid des Trauernden zu ertragen. In seiner Freizeit betäubt Tony seinen Schmerz mit Alkohol und Drogen. Früher trank er mit Lisa abends Wein, um die Stunden zu genießen, und jetzt trinkt er, damit der Abend endet. Sein Psychiater (Paul Kaye) ist ein arroganter, selbstverliebter Schwachkopf, von dem Tony zwar keine Hilfe erwarten, bei dem er aber immerhin seinen Dampf ablassen kann.

Der andere Tony

Doch hinter dem wütenden Tony gibt es noch den Tony, dem es gelingt, andere zum Lachen zu bringen. Den Tony, der täglich seinen dementen Vater (David Bradley) im Pflegeheim besucht. Den Tony, der bei der boden- ständigen Krankenschwester Emma (Ashley Jensen) Neugierde erweckt. Den Tony, der sich auf dem Friedhof mit Anne, einer alten Dame (Penelope Wilton), über Gott und die Welt austauschen kann. Anne weiß, Tony ist ein großartiger Mensch, einer, der die Gesellschaft besser machen kann, der als alter Mann noch einen Baum pflanzt, obwohl er weiß, dass er nie in dessen Schatten sitzen wird.

AFTER LIFE
Comedy, Großbritannien 2019/2020

Regie: Ricky Gervais

2 Staffeln

Netflix

Friederike Pfann
BVMW Redaktion DER Mittelstand.

friederike.pfann@bvmw.de

 

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