Rettet die Kultur!

Die Corona-Pandemie hat in der Kutur- und Kreativwirtschaft verheerende Auswirkungen hervorgerufen. Es wird Zeit, dass die Politik den Bereich der Kultur und Kunst ernst nimmt

Der Satz „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ wird dem bayerischen Komiker Karl Valentin zugeschrieben. Und Arbeit ernährt Menschen. Während des Light-Lockdowns konnte man von namhaften Personen aus der Politik – wie beispielsweise von CDU-Politiker Ralph Brinkhaus, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig oder Kanzleramtsminister Helge Braun – sinngemäß hören: Wir schließen ja nur die Vergnügungs- und Freizeitbranche. Wird dort nicht gearbeitet? Handelt es sich hier nicht um einen Wirtschaftsfaktor?

Eine Studie des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes zeigt die erschreckenden Folgen der Pandemie und der Schließungen: Für 2021 wird in der Kultur- und Kreativwirtschaft mit einem Minus von bis zu 30 Milliarden Euro Umsatz gerechnet. Es ist irritierend, dass bei manchen Spitzen des politischen Personals die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zur zeitgemäßen Funktion und Relevanz von Kunst und Kultur nicht viele Spuren hinterlassen haben.

Natürlich macht Kultur Vergnügen, aber sie ist ein enorm wichtiger Erziehungsfaktor, quasi das Trainingslager der Nation. Wer hier aktiv ist – gerade im Freizeitbereich – hat eine bessere Ausbildung seiner Gehirnsynapsen und wird vielleicht auch ein kreativerer Ingenieur. Kultur verbindet und regt zu Diskussion und Austausch an.

Ein Blick auf die Zahlen der Automotive-Branche und des Kultur-Bereichs zeigen Erstaunliches: Die Automotive-Branche hat 2019 in Deutschland 150 Milliarden Euro umgesetzt, die Kultur- und Unterhaltungsbranche 170 Milliarden. In der Automotive-Branche arbeiten knapp 900.000 Menschen, in der Kultur- und Veranstaltungsbranche 1,8 Millionen, davon rund ein Viertel als Freiberufler. Diese Informationen des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes scheinen Politik-Profis unbekannt. Sie verdeutlichen eines: Kunst und Kultur sind eindeutig ein systemrelevanter Wirtschaftsfaktor. Ein weiteres Beispiel: Es gab in der Saison 2018/2019 rund 18 Millionen Besucher in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga, 19 Millionen in sämtlichen Opernaufführungen, 111 Millionen in allen Museen.

Es wird Zeit, dass die Politik den Bereich der Kultur und Kunst ernst nimmt. Ansonsten werden die Folgen des Lockdowns hier noch weitaus gravierender ausfallen, als sie es ohnehin schon sind.

Dr. Ulrich Köppen
BVMW Pressesprecher Baden-Württemberg

ulrich.köppen@bvmw.de

Foto: © Ingo Pertramer; © DesignRage von www.shutterstock.com

 

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