Krise der deutschen Containerhäfen meistern

Während der Containerumschlag in den deutschen Häfen seit Jahren stagniert, brechen die Pendants in Antwerpen und Rotterdam immer neue Rekorde. Doch wie können die deutschen Häfen für mittelständische Exporteure wieder attraktiv gestaltet werden?

Der Containerumschlag in Hamburg und anderen deutschen Häfen stagniert seit Jahren, während die europäischen Wettbewerber ihren Vorsprung ausbauen.

Die deutschen Seehäfen verbinden die mittelständische Wirtschaft mit den Weltmärkten. Doch seit Jahren verlieren deutsche Containerhäfen Marktanteile an Häfen wie Rotterdam oder Antwerpen. Ein 2015 vom Bundesverkehrsministerium eigens entwickeltes Nationales Hafenkonzept konnte bisher nicht die erhoffte Wirkung entfalten. Dabei könnten schon drei einfache Ansätze dabei helfen, die deutschen Häfen wirklich zukunftsfähig zu machen.

Beschleunigte Zollabfertigung für mehr Servicequalität

Spediteure beklagen seit Jahren, dass trotz des elektronischen Zollverfahrens Anträge oftmals mehrfach gestellt werden müssen. In einer Umfrage des AGA Unternehmensverbandes gaben mehr als 80 Prozent der Unternehmen an, unter langen Bearbeitungszeiten beim Hamburger Zoll zu leiden; 21 Prozent der befragten Unternehmen mussten mehr als sechs Tage warten, bis ihre Ware bearbeitet wurde. Viel Zeit für Unternehmen, die im globalen Wettbewerb stehen und einem hohen Kostendruck ausgesetzt sind. Mangelnde Planbarkeit wird bei den betroffenen Unternehmen schnell zum Ausschlusskriterium. Neben der Prozessoptimierung bei der Abwicklung von Zollkontrollen und der Abfertigung am Terminal kann ein einheitliches Kommunikationskonzept zwischen Hafenbetreibern, Zoll und Kunden dazu beitragen, die Servicequalität signifikant zu steigern und den Export über die Häfen wieder planbar zu machen.

Moderne Infrastruktur als Schlüsselelement der Hafengestaltung

Exporteure müssen sich auf reibungslose Abläufe verlassen können. Eine moderne Hafeninfrastruktur ist ein grundlegendes Entscheidungskriterium bei der Wahl eines Exporthafens. Die Automatisierung der Informationslogistik prägt den Hafen der Zukunft schon jetzt. Im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz, Blockchain und Digitalisierung wird das Management dieser Anforderungen zum Erfolgsfaktor. Nur immense Infrastrukturinvestitionen und die technische Modernisierung können die Attraktivität deutscher Häfen auf einem Level mit konkurrierenden Häfen Europas halten.

Wirtschaftsleben zulassen und Innovation schaffen

Innovation ist seit jeher Treiber wirtschaftlicher Entwicklung. Es ist daher von elementarer Bedeutung, dass die deutschen Containerhäfen nicht nur als Umschlagplätze, sondern als Innovationszentren begriffen werden. Eine optimierte Raumplanung in Hafenbereichen trägt dazu bei, dass Brachflächen effizienter genutzt und Unternehmen aus Innovationssektoren wie zum Beispiel der Wasserstoffproduktion angesiedelt werden. Doch ohne eine Modernisierung und Entbürokratisierung der deutschen Containerhäfen werden sich wohl weiterhin viele Mittelständler und Investoren nach alternativen Häfen im europäischen Ausland umschauen.

Gut zu wissen

 

  • Rund dreiviertel des wertmäßigen deutschen Außenhandels wird über die deutschen Seehäfen abgewickelt
  • 97,1 % der deutschen Exporteure sind kleine und mittlere Unternehmen
  • Die Häfen sind systemrelevant für Deutschlands Position als Exportnation

 

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Positionspapier: https://bvmw.info/positionspapier_containerhäfen

Roger Heidmann
Geschäftsführer LSA Logistik Service Agentur GmbH, BVMW Expertengruppe Containerhäfen
roger.heidmann@logistik-service-agentur.de

Alexander Stork
BVMW Referent für Energie, Nachhaltigkeit, Mobilität, Logistik
alexander.stork@bvmw.de

 


Foto: © M. Johannsen von www.stock.adobe.com; © Roger Heidmann

 

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