Stammtisch DIGITALISIERUNG im Hofgut Domäne

Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt kommt still, aber sie kommt mit Macht.

Ins Bauernstüble des Hofguts Domäne hatte der BVMW Region Neckar-Alb zusammen mit seinem Mitglied yourIT GmbH zu einem Stammtisch Digitalisierung geladen.
 
Schwerpunktthema dieser ersten Veranstaltung sollte die EU-Datenschutzverordnung sein. Sie ist seit Mai 2016 in Kraft. Inzwischen hat sich rumgesprochen, dass die Übergangsfrist, die den Unternehmen die Möglichkeit geben soll, sich auf diese Vorschrift vorzubereiten am 25.05.2018 abläuft. Aber was bedeutet das für die hiesigen Unternehmen? Betrifft sie das überhaupt? In jedem Fall, so Thomas Ströbele, Geschäftsführer der yourIT und Datenschutz-Spezialist. Jeder Unternehmer, der Daten - es reichen schon Name und Adresse der Kunden oder die persönliche Email-Adresse -  speichert, ist davon betroffen und haftet ab dem 25.05.2018 dafür. Die Verschärfung des Haftungsrahmens ist, neben vielen neuen Pflichten, eine wesentliche Änderung der neuen Verordnung. Der eigene, betriebliche Datenschutzbeauftragte, der ab 10 Mitarbeitern in den Betrieben Pflicht ist, ist bei der Anzahl an notwendigen, rechtlich sehr komplizierten Umsetzungsmaßnahmen häufig überfordert. Entstehen dadurch Versäumnisse oder Fehler haftet der Unternehmer selbst. Der Mitarbeiter kann nur in Ausnahmefällen haftungsrechtlich in Anspruch genommen werden. Hat das Unternehmen aber einen externen Berater liegt das Haftungsrisiko bei ihm. Ein anderes Beispiel für die sehr realen Eingriffe der Verordnung auch in die Welt kleinerer Unternehmen ist die private Nutzung der betrieblichen Email-Adresse, etwa für Online-Bestellungen, durch die Mitarbeiter. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Emails wie alle anderen 10 Jahre im Betrieb gespeichert werden müssen, ergeben sich hier doch einige wichtige Fragen: Wer haftet wenn über diese Emails Viren eingeschleppt werden ? Oder was passiert, wenn der betreffende Mitarbeiter das Unternehmen verlässt? Gemäß seinem privaten Datenschutz ist die Emailadresse ab seinem Ausscheiden dann für das Unternehmen gesperrt. D. h der Unternehmer hat keine Möglichkeit auf geschäftliche Emails wie zum Beispiel Bestellungen oder Reklamationen zu reagieren. Es ist also wichtig hier im voraus klare, schriftliche Vereinbarungen mit den Mitarbeitern zu treffen. Die sich aus diesen Informationen ergebende Diskussion und der rege Austausch von Erfahrungen gab Alexander Kramer, Vertriebsleiter der yourIT, die perfekte Gelegenheit das Gespräch eher in Richtung der positiven Auswirkungen eine fortschreitenden Digitalisierung zu lenken. Viele sprechen bei Digitalisierung hauptsächlich von der Digitalisierung ihrer Produktion, von ihren Maschinen. Aber der Transformationsprozess wird unsere gesamte Arbeitswelt auf den Kopf stellen. Teilweise hat sie dies schon, wie einige Anwesende berichten konnten. Statt wie früher 60.000 km im Jahr zu fahren sind es jetzt nur noch 20 oder 30 Tausend. Viele Meetings werden jetzt schon über Skype abgehalten, über TeamViewer können Steuerberater, Buchhalter, IT-Berater direkt auf den eigenen Bildschirm zugreifen ohne sich einen Meter von ihrem Schreibtisch zu entfernen. Das spart nicht nur Kilometer sondern auch Zeit. Digitalisierung macht unsere Arbeit selbst im Kleinen effektiver und verschafft uns in dieser immer schneller werdenden Welt Zeit. Wer sich hiervor verschließt und nicht mitmacht, wird immer größere Probleme haben „alles“ zu schaffen. Denn die anderen werden immer schneller, weil sie die Digitalisierung zu ihren Gunsten nützen. Laut Herrn Kramer wird dieser Transformationsprozess bis in 2 spätestens 3 Jahren abgeschlossen sein. Wer dann nicht dabei ist, wird die Lücke nicht mehr aufholen können. Wer sich bei dem Umwandlungsprozess helfen lässt wird im Vorteil sein. Was direkt zu der Frage führt, was man in diesen Zeiten für ein IT-Budget rechnen muss. Eine genaue Zahl konnte natürlich nicht genannt werden. Das ist viel zu abhängig von der aktuellen Ausstattung, von der Betriebsart, von der Fähigkeit der Mitarbeiter damit umzugehen und vielem mehr. Das Land, der Staat und die EU unterstützen die Unternehmen hier kräftig mit Fördermitteln. Insgesamt unterstützt die EU kleine und mittlere Unternehmen in dieser Förderperiode mit 960 Milliarden Euro. Dies bezieht sich allerdings auf alle Förderprogramme nicht nur auf die Digitalisierung, so die Spezialistin für Fördermittel Frau Sibylle Rock vom Service Wirtschaftsförderung Jäckel & Rock, ebenfalls Mitglied im BVMW. Sie sind Ansprechpartner für größere Projekte. Bei kleineren Projekten kennen sich auch die jeweiligen Beratungsunternehmen mit der Beantragung von Fördermitteln aus. Die BAFA unterstützt mit zinsgünstigen Darlehen aber auch mit echten, nicht rückzahlbaren Förderbeträgen.
 
Fazit dieses sehr aufschlussreichen Abends: In unser immer komplexer werdenden Welt geht es ohne Hilfe von Experten nicht mehr. Aber die Kosten, die nach Abzug der staatlichen Förderung für den Unternehmer noch übrig bleiben, sind, angesichts der kostenintensiven Folgen eines Nichtstuns, gut investiert. Alle Anwesenden waren sich einig, dass man über das  Thema Digitalisierung noch lange nicht zu Ende diskutiert hat. Ein nächster Stammtisch wurde daher schon für den 29.11.2017 angekündigt. Schwerpunktthema wird die Sicherheit der Firmennetzwerke sein. Und ob und wie man sich gegen Hackerangriffe versichern kann.