Die Gründer des Lumos Kino erhalten BVMW-Unternehmerpreis 2017

Bereits zum dritten Mal in Folge wurde am 7. November 2017 der BVMW-Unternehmerpreis im Wetteraukreis verliehen.

Ziel ist es, Unternehmerpersönlichkeiten für ihr Engagement in Wirtschaft und Gesellschaft öffentlich zu ehren und ihre Vorbildrolle als Leistungsträger zu würdigen. „Ein Netzwerk wird geprägt und lebt von den Persönlichkeiten, die sich engagieren“, sagte Malu Schäfer-Salecker, Leiterin des BVMW-Kreisverbands Wetterau/Rhein-Main, in ihrer Begrüßung; ein respektabler Grund, weshalb der BVMW den Mittelstandspreis ausgelobt habe. Mit der Auszeichnung solle das Ansehen der Unternehmer in der Öffentlichkeit positiv beeinflusst werden. Gleichzeitig solle die Anerkennung beispielgebender Persönlichkeiten aus dem Mittelstand zur Gründung einer eigenen Selbständigkeit oder Übernahme einer Firma im Rahmen des Generationswechsels Mut machen, führte sie weiter aus.

 

Schäfer-Salecker zeigte sich begeistert, welche tollen Unternehmer der Wetteraukreis habe. Es seien einige „hidden Champions“ dabei. Die Entscheidung sei der Jury nicht leichtgefallen. So sei auch das Ergebnis denkbar knapp gewesen. Gewonnen hätten letztlich alle. Die Preisverleihung wurde durch Landrat Joachim Arnold überreichte den BVMW-Unternehmerpreis den Gewinnern Steffen Presse, Sebastian Weiß und Joram Gornowitz vom Lumos Kino in Nidda. Die weiteren Nominierten waren Sascha Piffko, SPAU archäologische Ausgrabungen, Rockenberg, und Peer Kohlstetter, blue networks GmbH, Altenstadt.

 

In einem locker geführten Interview mit der BVMW-Leiterin beschrieben die Nominierten den anwesenden Gästen kurz ihr Unternehmen. Schäfer-Salecker interessierte sich auch dafür, was die Unternehmer an ihren Mitarbeitern besonders lieben und wie sie auf ihrem Weg mit Zweifeln umgingen. Ebenso wollte sie etwas über die Beweggründe für ihr soziales Engagement erfahren und welche Botschaft sie zukünftigen Gründern mit auf den Weg geben.

 

Sascha Piffko (SPAU archäologische Ausgrabungen, Rockenberg) begann im Jahr  2015 mit fünf Mitarbeitern. Heute beschäftigt er 26 festangestellte Mitarbeiter, die sich selbst „SPAUtaner“ nennen und sich unglaublich mit der Firma identifizieren. Seine Firma gilt heute als die größte für archäologische Ausgrabungen in Hessen und weit darüber hinaus. Eine Festanstellung ist ungewöhnlich und nicht die gängige Praxis in der kommerziellen Grabungsbranche. Es wird mit Werkverträgen gearbeitet, eine soziale Absicherung ist eher selten, weshalb viele der Mitarbeiter von Altersarmut bedroht sind. Dies hat den Rockenberger veranlasst, einen Berufsverband für Archäologen zu gründen, um eine Interessenvertretung für diesen Berufszweig zu etablieren. Für ihn war immer klar: „Was ich anfange, das mache ich auch fertig“. Aufgeben sei nie eine Option gewesen, sagte der 43-Jährige, der möchte, dass seine Kinder stolz auf ihn sind. Als Unternehmer habe man großartige Möglichkeiten etwas zu bewegen. Man müsse Verantwortung übernehmen. Er ist überzeugt: „Ohne Verantwortung ist man ein Glücksspieler“.

 

Peer Kohlstetter (blue networks GmbH, Altenstadt) hat sich schon gleich nach dem Abitur im Jahr 2002 selbstständig gemacht. „Ich verbinde Computer miteinander“, bringt er in einfachen Worten sein sehr komplexes Spektrum auf den Punkt. Er plant Firmennetzwerke und hat sich auf Dienstleistungen und Lösungen in den Bereichen Network, Security und VoIP spezialisiert. Er hat großes Vertrauen in seine 29 Mitarbeiter, die er alle persönlich eingestellt hat. Er schätzt an ihnen, dass sie ihm „Sachen abnehmen, die ich nicht gerne mache, Buchhaltung zum Beispiel“, erzählt er lachend. Sein Ziel war immer, nicht zu groß zu werden, um noch ruhig schlafen zu können. Er plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Neue Ideen legt er erst einmal in die Schublade und lässt sie sacken, bevor er sich entscheidet. Sofern es seine Zeit erlaubt, engagiert er sich im Tischtennisverein TTC Höchst.

 

Kino aus Leidenschaft – ein Traum als Antrieb

Die drei Jungunternehmer Steffen Presse, Sebastian Weiß und Joram Gornowitz haben quasi ihr Hobby zum Beruf gemacht und im Februar 2015 das Lumos Kino in Nidda gegründet. Die Jugendfreunde und ehemaligen Pfadfinder machten ihren gemeinsamen Traum vom eigenen Kino wahr. Der Weg war nicht immer leicht. Zwischendrin hatten sie schon überlegt, aufzuhören; zum Beispiel, als der Kreditantrag zunächst abgelehnt wurde. Aber der Jurist, der Medien-Manager und der Doktor der Mathematik – sie seien allesamt nüchterne Denker, hätten das Pro und Contra analysiert und an die eigene Stärke geglaubt. Ihr Credo lautet „Kompetenz und Leidenschaft führen zum Erfolg“. Es sei aber mindestens genauso wichtig, die richtigen Leute um sich zu scharen. Und so schätzen sie an ihren Mitarbeitern, dass sie von ihren Werte und Visionen genauso überzeugt sind und diese an die Gäste und Kinobesucher herantragen wie ihre eigenen. Es sei aber mindestens genauso schön, die persönliche und berufliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter ein Stück zu begleiten. Landrat Joachim Arnold imponierte und faszinierte zu gleich, dass es den Dreien gelungen ist, in einer Gemeinde mit 16.000 Einwohnern jährlich rund 150.000 Besucher ins Kino zu locken.

                                                                                 

Jürgen Idzkowski (Sparkasse Oberhessen), der für den verhinderten Günter Sedlak anwesend war, resümierte, dass der Preis von der Vielfalt lebe, was sich in den Anwärtern auf den diesjährigen Preis widergespiegelt habe. „Aus meiner Sicht haben alle den Preis verdient“, sagte er.

 

Der Impulsvortrag zum Thema „Wie gut funktioniert mein moralischer Kompass“ rundete die feierliche Preisverleihung ab. Gründer Ralf Juhre (ingenior training & consulting GmbH) zeigte darin eindrücklich auf, warum man moralischen Schaden nehme und orientierungslos werde, wenn der moralische Kompass fehle. Anschaulich erläuterte er, was „Ownership“ bedeute, nämlich Verantwortung zu übernehmen. Im „Change Management“ gehe es darum, sich neu zu erfinden. Und ethische Maßstäbe seien Grundlage für ein partnerschaftliches Miteinander. Es gehe nicht darum, stets das Maximum herauszuholen, sondern die Balance des Zusammenwirkens zwischen allen Beteiligten herzustellen.

 

(Annette Windus, wortschatz-experte.de